Technik

Software-Offensive mit Apple Microsoft liefert Office fürs iPad

Der neue Microsoft-Chef Nadella packt ein heißes Eisen an. Der Windows-Riese soll sich in einen Anbieter von Cloud-Diensten verwandeln und für Kunden auf allen Geräten erreichbar sein. Daher gibt es ab sofort auch Microsofts Office-Programme fürs iPad - aber nicht kostenlos.

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So sehen Konzernlenker heute aus: Microsoft-Chef Satya Nadella bei der Markteinführung einer der wichtigsten Neuerungen im Konzerngeschäft seit Jahren.

(Foto: REUTERS)

Für Microsoft ist es ein großer Schritt, für den neuen Konzernchef womöglich die strategische Feuertaufe: Satya Nadella, erst seit Februar im Amt, bringt die Programme der Bürosoftware "Microsoft Office" erstmals auch auf das iPad von Apple. Ab sofort sind die Textverarbeitung "Word", die Tabellen-Software "Excel" und das Präsentationsprogramm "Powerpoint" im App Store von Apple verfügbar, wie der neue Microsoft-Chef in San Francisco bekanntgab.

Die Ankündigung könnte dem Verhältnis zwischen dem Kultkonzern Apple und dem Software-Riesen Microsoft eine ganz neue Richtung geben. Die Office-Programme selbst liegen bei Apple zwar kostenlos zum Download bereit. Um Dokumente bearbeiten zu können, brauchen iPad-Nutzer jedoch ein Abo des Cloud-Dienstes von Microsoft namens "Office 365". In Deutschland liegt die Gebühr für das Programmpaket "Office 365 Home Premium" bei zehn Euro im Monat oder 99 Euro für ein Jahr. Unter Nadellas Führung bietet Microsoft damit eines seiner wichtigsten Umsatzstandbeine auf einer Geräteplattform eines Wettbewerbers an.

Neue Allianz in San Francisco?

Bislang gingen Apple und Microsoft weitgehend getrennte Wege. Microsoft hatte seit der Markteinführung der Tablets vor rund vier Jahren darauf verzichtet, die vor allem in Unternehmen oft benutzten Büroprogramme für das iPad verfügbar zu machen. Die Lücke füllte bisher Apple mit eigener Software aus. Eine Vielzahl weiterer Anbieter bot ergänzende App-Lösungen mit ähnlichen Funktionen an.

Knackpunkt blieb dabei allerdings die Kompatibilität. Im praktischen Alltagsbetrieb wollen Nutzer Dokumente und Dateien in der Regel möglichst reibungslos zwischen Bürorechner, Kunden-PC oder privat genutztem Tablet austauschen.

Die Übertragung von Office-Dateien in die Apple-Welt oder umgekehrt ist bislang von einer Reihe an technischen Fallstricken, Umwandlungsfehlern oder anderen Tücken begleitet. Der Bedarf ist jedoch zweifellos vorhanden. Immer wieder waren daher Gerüchte aufgetaucht, Office für iPad sei fertig und solle bald auf den Markt kommen. Jetzt ist es offenbar so weit.

Schmerzhafte Öffnung

Für Microsoft hat die Entscheidung womöglich weitreichende Folgen: Zwar kann Nadella mit dem Office-Angebot für das iPad eine ganze Reihe neuer Kunden erreichen, zugleich dürfte aber das neue Angebot auch die Attraktivität des hauseigenen Tablets Surface schmälern. Schließlich zählte der Zugriff auf die bekannten Office-Anwendung zu den wichtigsten Verkaufsargumenten für die 2012 gestarteten Surface-Modelle. Bisher kommen sie auf einen vergleichsweise geringen Marktanteil.

Nadella machte jetzt jedoch unmissverständlich deutlich, dass es ihm um mehr als einzelne Geräte gehe. Ziel sei "eine Cloud für jeden auf jedem Gerät", über die Nutzer von überall auf ihre Daten zugreifen könnten, betonte er. In welche Richtung sich der Konzern unter seiner Führung weiter entwickeln soll scheint klar: Nadella, der vor wenigen Wochen erst die Microsoft-Führung vom langjährigen Konzernchef Steve Ballmer übernommen hatte, führte zuvor das Cloud-Geschäft des Software-Riesen.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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