Technik

In Full HD beim Dämonen-Lord Oculus Rift macht Spiele real

Gesten- und Sprachsteuerung, Ultra-HD und die Macht der Cloud – was kommt danach? Auf der Electronic Entertainment Expo zeigt ein US-Startup im Hinterzimmer die Oculus Rift: eine Virtual-Reality-Brille, die den Spieler in jedwede 3D-Welt wirft. 10.000 Exemplare sind bereits verkauft.

Oculus_01.jpg

Die 3D-Brille Oculus Rift gibt seinem Träger das Gefühl, tatsächlich in der Spielewelt zu sein.

(Foto: Oculus VR)

Seit Jahrzehnten versuchen Experten in der Spielebranche, das Thema Virtuelle Realität für den Massenmarkt interessant zu machen. Alle Versuche sind bislang gescheitert. Die Brille Oculus Rift könnte das ändern. Die Hintergrundgeschichte des Entwicklerteams ist dabei Stoff für ein amerikanisches Märchen: Ein Technikfreak baute im vergangenen Jahr einen Prototyp. Er startete eine Crowdfunding-Kampagne - und sammelte dabei 2,4 Millionen US-Dollar ein.

Der mit diesem Geld entwickelte Prototyp kam noch mit einer 720p-Auflösung zurecht. Seit März bereits verschickt das Startup Oculus VR seine Modelle für Entwickler und Unterstützer der Kickstarter-Kampagne. Rund 10.000 Exemplare oder 99 Prozent sind bereits ausgeliefert.

"Ein riesiger Schritt"

Jetzt, bei der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles, präsentieren die US-amerikanischen Entwickler hinter verschlossenen Türen erstmals eine Version in Full HD, also mit 1920 x 1080 Pixeln. Ausgewählte Pressevertreter können sich die Brille selbst aufsetzen und Demos testen. Derzeit arbeiten 30 Personen im kalifornischen Irvine an einem marktreifen Produkt.

Oculus 03.jpg

Die ersten Prototypen in der Produktion.

(Foto: Oculus VR)

Die neue Unreal-Grafikengine unterstützt die virtuelle Brille. "Das ist ein riesiger Schritt", sagt Firmengründer Palmer Luckey im Gespräch mit n-tv.de. Den Grund dafür nennt Produktmanager Nate Mitchell: "Es ist wie bei einer Spielkonsole. Jahre bevor etwa Nintendo neue Hardware auf den Markt bringt, verschicken sie bereits vorläufige Ausführungen, damit Studios Spiele entwickeln können." Das Gleiche geschehe nun für die Rift-Brille, nur nicht im Geheimen.

Die neue hochauflösende Version der Rift-Brille ist wie eine neue Welt mit rund 103 Grad Sichtwinkel. Das reicht, um seitliche, wahrnehmbare Ränder zu vermeiden. Der Spieler steht in einer Schneelandschaft, das Umschauen per Maus passiert per Kopfbewegung. Für komplette 360 Grad funktioniert das reibungslos und intuitiv. Der große Vorteil der Brille ist, dass ein 3D-Effekt eintritt. Beeindruckend, wie vom Himmel die Schneeflocken herunterschweben. Das Weiß fällt in scheinbar unterschiedlicher Entfernung auf den Boden. Ein magischer Pfeil schießt durch die Luft und prallt von der Umgebung ab.

Klar und beeindruckend

Mit dem Gamepad oder der Tastatur läuft und dreht der Spieler den virtuellen Körper, mit der Kopfbewegung verändert sich zusätzlich die Sichtrichtung. In der Demo ragt eine Burg aus dem Gestein eines Vulkans hervor, der prächtig Lava und Asche spuckt. Im Inneren wartet ein Dämon. Die Licht- und 3D-Effekte sind klar und scharf. Und dann folgt ein Flug durch die Winterlandschaft, bis hoch an die Spitze, wo das flüssige, rote Gestein herausdringt.

Neben der Qualität der Darstellung ist der Preis ein Faktor, der über Erfolg und Misserfolg eines neuen Produktes entscheiden kann. Sony verkauft seine HMZ-T1 für rund 700 US-Dollar – aber ohne Bewegungssensor, im Gegensatz zur neuen Konkurrenz. Der Preis für Oculus' Rift: 300 US-Dollar. Wann die Brille auf den Markt kommt, ist noch nicht klar. Trotzdem wurde mit Half-Life 2 bereits eines der besten Spiele aller Zeiten für die Brille optimiert. Die Hardware ist für PC ausgelegt. Per USB oder HDMI wird die Brille angeschlossen.

Nate Mitchell kann zwar kein Datum nennen, wann ein endgültiges Produkt in den Verkauf geht. "Alles kann sich noch ändern, auch die Auflösung. High Definition in 1920 x 1080 Pixel ist jedoch unser Minimum." Trotzdem ist der Trubel um die Brille bereits beträchtlich. So widmete das renommierte US-Magazin "Edge" der Rift schon eine Titelgeschichte. Kommt die Rift irgendwann auf den Markt, wird es wohl noch mehr.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen