Technik

Finger-Scanner und USB-C OnePlus Two ist eine Weltneuheit

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Das OnePlus One wurde als Flaggschiff-Killer eingeführt.

(Foto: OnePlus)

Das OnePlus Two mit Fingerabdruck-Scanner und USB-C-Anschluss könnte zu den besten Smartphones des Jahres gehören - und das voraussichtlich zum Schnäppchenpreis. Auf dem Weg zum Massenerfolg gibt es damit eigentlich nur noch ein Hindernis, und das ist hausgemacht.

Mit seinem zweiten Smartphone könnte das chinesische Startup-Unternehmen OnePlus erneut einen Coup landen: Das OnePlus Two wird voraussichtlich ein Spitzengerät mit Top-Technik zum Schnäppchenpreis. Laut Hersteller ist es das erste Flaggschiff mit USB-C-Anschluss, außerdem soll ein schneller und sicherer Fingerabdruck-Scanner an Bord sein. Doch um das Two nicht nur auf dem Papier zu einem Erfolg werden zu lassen, braucht es mehr als gute Technik - es muss auch verfügbar sein. Und genau da liegt das Problem, denn das ungeliebte Einladungssystem wird es auch dieses Mal wieder geben.

Als OnePlus das erste Smartphone Anfang 2014 ankündigte, ging ein Raunen durch die Technik-Presse: Das chinesische Unternehmen versprach ein Spitzen-Smartphone, das mit der besten aktuellen Technik und einer angepassten Version des alternativen Betriebssystems CyanogenMod den Markt umkrempeln sollte. Design und technische Daten waren vielversprechend, der Preis von 269 bis 299 Euro geradezu verrückt niedrig. Bei seiner Vorstellung im April waren sich die Experten einig: Das könnte das Smartphone des Jahres werden.

Von der Nachfrage überrumpelt

In der Folge schien der Hersteller dann aber alles daran zu setzen, mit wenig durchdachten Promo-Aktionen und Verkaufsstrategien die wohlgesonnene und kaufwillige Tech-Gemeinde gegen sich aufzubringen. Das Smartphone war, wie sich schnell herausstellte, praktisch nicht zu bekommen, kaufen konnte man es nur über ein kompliziertes Einladungssystem mit langen Wartezeiten. Mit fragwürdigen Gewinnspielen wollte man Kunden locken: So sollten Nutzer, wie bei "Droid-Life" geschildert, ihr altes High-End-Smartphone zerstören und sich dabei filmen, um ein OnePlus One zu gewinnen. Die Aktion "Ladies First", bei der Community-Mitglieder Fotos von weiblichen OnePlus-Bewerbern bewerten sollten, löste einen Sturm der Entrüstung aus, berichtete "Techcrunch".   

Das Einladungssystem hatte der Hersteller eingeführt, um Lieferengpässe zu vermeiden und die Produktionsmenge der Nachfrage anzupassen. Carl Pei, einer der OnePlus-Gründer, erklärte gegenüber "PC Mag" im November 2014: Die Nachfrage sei viel höher als geplant gewesen, statt erwarteten 30.000 Geräten verkaufte man 2014 fast eine Million. Nachschub zu produzieren, brauche seine Zeit, und weil die Gewinnmargen so niedrig seien, könne es sich das Unternehmen nicht leisten, zu viele Geräte zu produzieren und diese am Ende unter Wert verkaufen zu müssen.

Erst im April 2015, rund ein Jahr nach Einführung des One, wurde das Einladungssystem aufgehoben - im schnelllebigen Smartphone-Geschäft ist das eine Ewigkeit und wohl zu spät, um das Gerät noch zum Kassenschlager zu machen. Jetzt steht der Nachfolger in den Startlöchern, und das OnePlus Two könnte technisch ein ähnlicher Knaller werden wie sein Vorgänger. Am 27. Juli soll es im Rahmen eines "Virtual Reality"-Events vorgestellt werden, dem jeder mit Googles VR-Brille "Cardboard" folgen kann.

Snapdragon 810 und großes Display

Laut Hersteller wird das Smartphone einen Fingerabdruck-Scanner haben, der "blitzschnell" reagieren und damit auch Apples TouchID ausstechen soll. Fünf verschiedene Abdrücke soll ein Nutzer registrieren können, vermutlich für verschiedene Schnellzugriffe. Ob sich der Scanner an der Front oder Rückseite befindet, ist nicht klar. Auch ob er in einem physischen Home-Button untergebracht oder unsichtbar unterhalb des Displays liegt, ist unklar. Der Chiphersteller Qualcomm hatte auf dem Mobile World Congress 2015 einen Ultraschall-Fingerabdruck-Scanner vorgestellt, der auch Glas, Aluminium oder Edelstahl mühelos durchdringt. Die "Snapdragon Sense ID" soll nicht nur unsichtbar, sondern auch schnell und sicherer sein als herkömmliche Technologien. Sense ID ist bereits mit den aktuellen Snapdragon-Prozessoren kompatibel, erste Geräte werden aber frühestens im Herbst erwartet. Im OnePlus Two wird ein Snapdragon 810 zum Einsatz kommen, der wegen Überhitzungsproblemen in der Vergangenheit in die Kritik geraten war - eine Taktrate von maximal 1,8 Gigahertz soll den Chip (Version 2.1) im Two davor bewahren.

Sicher ist auch, dass das OnePlus Two über einen USB-C-Anschluss verfügen wird. Der einheitliche Anschluss findet immer mehr Verbreitung, das Two wäre das erste Smartphone mit den Universal-Stecker, über den sowohl Daten als auch Strom übertragen werden können. Wie das Smartphone aussehen wird, ist noch nicht bekannt. Erste Bilder, die "Phonearena" zugespielt wurden, zeigen angeblich Vorder- und Rückseite sowie den Metallrahmen des Geräts, jedoch mit einem deutlich anderen Design als noch beim Vorgänger. Kenner vermuten deshalb, dass es sich bei dem Bild auch um das Moto X (2015) von Motorola handeln könnte. Jüngst bei "Technobuffalo" veröffentlichte Pressebilder des Moto G (2015) weisen deutliche Ähnlichkeiten auf. Die Größe des Displays wird auf 5,5 bis 5,7 Zoll geschätzt - das One hatte einen 5,5-Zoll-Bildschirm.

Der Preis des Two ist noch geheim, bislang ist nur klar, dass das Gerät "sicher mehr als 322 Dollar" kosten wird, wie der Hersteller in einem Forumseintrag mitteilte. Trotzdem dürfte es deutlich weniger als vergleichbare Flaggschiffe kosten. Doch das Schnäppchen müssen die Nutzer mit Geduld bezahlen: Wer ein OnePlus Two kaufen möchte, kann sich schon jetzt darauf gefasst machen, dass es ähnlich kompliziert wie beim Vorgänger wird. Auch dieses Mal will der Hersteller auf das viel kritisierte Einladungssystem setzen, um die Produktion optimal angleichen zu können. Interessenten können also nur hoffen, das OnePlus die Nachfrage realistischer einschätzt als im vergangenen Jahr.

Quelle: n-tv.de, jwa

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