Technik

"Es lebe Ogg Vorbis!" Player für gefeiertes Audioformat

"MP3 ist tot, es lebe Ogg Vorbis!" - mit solchen Begeisterungsstürmen wird im Internet derzeit ein vergleichsweise neues Audioformat gefeiert.

Ogg Vorbis bietet eine bessere Klangqualität als MP3 und benötigt für vergleichbare Ergebnisse nur die Hälfte des Speicherplatzes. Doch außerhalb von Internet und Computer fristet Ogg Vorbis bislang ein Dasein als Mauerblümchen. Passende Abspielgeräte liefern nur wenige Hersteller, obwohl das Format als "Open Source"-Projekt frei von Lizenzgebühren ist und bereits in viele Softwareplayer eingebunden worden ist.

"Die ersten Erfahrungen mit Ogg Vorbis sprechen nicht dafür, dass es sich zum großen Renner entwickelt", sagt Bernhard Taubenberger, Pressesprecher der Elektronik-Handelskette Saturn mit Sitz in Ingolstadt. Während sich MP3-Stücke in nahezu allen erdenklichen Geräten vom CD-Discman bis zur Armbanduhr abspielen ließen, gebe es bislang nur sehr wenige Geräte, die das neue Format unterstützten und problemlos liefen. Zudem sei der Markt in dieser Hinsicht stark umkämpft - auch das Microsoft-Format Windows Media Audio (WMA) verbreite sich derzeit stark und trete in Konkurrenz zu MP3.

"Im Internet ist Ogg Vorbis aber stark im Kommen", sagt Thomas Vehmeier aus Köln, der auf seiner Internetseite Vorbissimo.de Links zum Thema bietet. Der Vorteil dieses Formates sei einerseits die bessere Klangqualität. "Mit Ogg Vorbis passen bis zu doppelt so viele Musikstücke in guter Qualität auf einen Datenträger - gerade bei Geräten mit nur 128 Megabyte Speicherplatz ist das praktisch."

Zudem handelt es sich bei Ogg Vorbis um das Ergebnis eines so genannten Open-Source-Projektes. Das heißt, dass zum einen der Quellcode des Programms offen liegt. Zum anderen darf die Software kostenlos weitergereicht werden. Ogg Vorbis ist deshalb auch frei von Lizenzgebühren, was es eigentlich für Anwender sowie wie für Soft- und Hardwarehersteller gleichermaßen interessant machen müsste.

Doch die meisten Geräte sind derzeit nur in Asien oder Nordamerika zu haben. Der koreanische Hersteller iRiver bietet auch in Deutschland tragbare CD-Spieler, Flash-Player und Festplattengeräte an, die von Haus aus mit Ogg Vorbis umgehen können. Dazu gehört zum Beispiel der iHP-140 mit 40 Gigabyte großer Festplatte. Der Preis liegt bei rund 600 Euro.

Kunden können ihre Produkte außerdem mit einem kostenlosen Update aufrüsten. Bei älteren Geräten sei dies aber nur zum Teil möglich, erklärt Andrea Asam, Pressesprecherin von iRiver mit Deutschlandsitz in Düsseldorf. Anders als der MP3- oder WMA-Codec benötige Ogg Vorbis einen bestimmten Arbeitsspeicher, um die zuvor kleingerechneten Audioinformation wieder auszupacken. Über diesen Speicher verfügen einfache Geräte oft nicht.

So sind bislang fast nur Geräte in der gehobenen Preisklasse für Ogg Vorbis tauglich - einfache MP3-Sticks seien dagegen ab 50 Euro erhältlich, sagt Marco Weißflog, Saturn-Fachverkäufer in Berlin. Festplattenspieler seien dabei wesentlich teurer, böten aber riesige Speicherkapazitäten. Allerdings seien Festplatten grundlegend anfälliger für Erschütterungen beim Joggen als Flashspeicher-Geräte.

Grundsätzlich sollten Kunden auf die Laufzeit eines Gerätes und hochwertige Akku-Batterien achten. Auch die Bedienfunktionen spielten eine Rolle: Während einfache Flashspeicher-Sticks teilweise nur zwei Tasten zum Abspielen und zur Titelanwahl besäßen, böten aufwendigere Geräte größere Displays und ein umfangreiches Menü zum Editieren von Titeln.

Wer dagegen einen PDA oder ein Smartphone besitzt, kann auch damit unterwegs die Vorteile von Ogg Vorbis nutzen. Im Internet steht kostenlose Software bereit, die den Taschencomputer in einen Walkman verwandelt und ihn mit dem neuen Audioformat vertraut macht.

Quelle: ntv.de