Technik

Bis zu 30 Euro Pfand für SIM-Karte Provider kassieren ab

Der Abschied vom Mobilfunkanbieter kann teuer werden. Weil die Firmen keine "Deaktivierungsgebühren" für SIM-Karten mehr verlangen dürfen, erheben manche ein SIM-Kartenpfand bis zu 30 Euro. Dem kann man nur entgehen, wenn man vorher die AGB durchgelesen hat.

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Die alte SIM-Karte kann noch was wert sein.

(Foto: Klaus Stricker, pixelio.de)

Ohne SIM-Karte läuft beim Handy fast nichts. Was kaum jemand weiß: Der Chip ist oft nur eine Leihgabe. Die Mehrheit der Anbieter verlangt die Karte zum Ende der Laufzeit zurück – und einige kassieren ein Pfand, wenn man die Karte behält. Das hat jetzt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen festgestellt, als sie das Vorgehen von 25 Providern und Netzbetreibern untersucht hat.  

Während es zehn Unternehmen ihren Kunden überlassen, was sie mit den ausrangierten Mikrochips anstellen, fordern 15 in ihren Geschäftsbedingungen die Rückgabe. Sieben von ihnen untermauern diese Aufforderung mit einem deftigen Kartenpfand. Wer seine SIM-Karte nicht zurückschickt, zahlt bei Talkline 9,97 Euro, die Drillisch AG verlangt bei sechs ihrer Partner- und Tochterunternehmen satte 29,65 Euro.


Fragwürdige Begründungen


Meist werden die Beträge mit einer der beiden letzten Rechnungen eingezogen. Nur wer den Pfand-Posten in den AGB entdeckt und die SIM-Karte retour schickt, bekommt das Geld erstattet. Bei Talkline bleibt den Kunden dafür eine Frist von 14 Tagen, bei der Drillisch-Gruppe verfällt das Pfand nach drei Wochen. Letztere begründet die fragwürdige Praxis ausgerechnet mit dem Datenschutz: "Da sich auf der SIM-Karte kundenunabhängige Daten Dritter befinden, ist ein Rückforderung sinnvoll", so Peter Eggers von der Drillisch AG. Es sei auch im Interesse der Kunden, die Karten "fachgerecht unbrauchbar" zu machen. Eigenhändig mit einer Schere die Daten zu zerstören, trauen die Drillisch-Firmen ihren Kunden offenbar nicht zu - im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten.

Eine andere Begründung des Pfands führt Talkline ins Feld. Das gehe auf eine Verpflichtung zurück, "das Eigentum an den SIM-Karten für den jeweiligen Netzbetreiber zu bewahren". Den Netzbetreibern O2 und Vodafone ist diese Verpflichtung allerdings "nicht bekannt". Folglich werden deren eigene Kunden nicht mit Rückforderungen behelligt.

Uneinheitliche Regelung


Die Verbraucherschützer gehen davon aus, dass die Pfandregelung von verschiedenen Gerichten gekippte "Deaktivierungsgebühr" für SIM-Karten ersetzen soll. Dafür spreche auch ein Kuriosum: Wer eine Basic-Karte beim Drillisch-Ableger Simply geordert hat, entgeht dem Kartenpfand, wer sich für Easy entschieden hat, zahlt erst einmal 29,65 Euro.

Andere Anbieter verlangen zwar die Rückgabe, verzichten aber auf Gebühren. So etwa die Provider Base, Blau und Medion (Aldi-Talk), die ihre "Verantwortung gegenüber der Umwelt" sowie die ökologischen Aspekte ihrer Produkte bemühen, um eine Rückgabe zu begründen. Der "Elektroschrott" werde von ihnen umweltgerecht entsorgt. Wer seine Karte dennoch selbst bei der Sammelstelle abgibt, muss aber nicht mit Strafe rechnen.

Quelle: ntv.de, ino