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Websites abgeschaltet Redtube-Abmahner tauchen ab

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Ob Redtube-Abmahner jemals vor Gericht stehen, ist noch offen. Einige von ihnen fürchten aber wohl juristische Konsequenzen und verlassen das sinkende Schiff.

(Foto: dpa/kwe)

Für die Strippenzieher im Redtube-Fall wird die Luft immer dünner, weshalb sich einige von ihnen offenbar absetzen und Spuren verwischen. Unterdessen wird das äußerst fragwürdige Gutachten veröffentlicht, auf das Kölner Richter hereingefallen sind.

Offenbar haben Hintermänner der Redtube-Abmahnwelle Muffensausen bekommen und sich aus dem Staub gemacht. Die Website des angeblichen Rechteinhabers "The Archive AG" ist nicht mehr erreichbar und Chef Philipp Wiik hat seinen Direktoren-Hut an den beninischen Staatsangehörigen Nounagnon Sedjro Crespin weitergereicht, wie dem Schweizer Handelsamtsblatt zu entnehmen ist. Dass der Afrikaner jemals an den ebenfalls neuen Firmensitz im Schweizer Weisslingen kommt, ist wenig wahrscheinlich.

Wo sich Philipp Wiik derzeit aufhält, ist unbekannt. Möglicherweise hat sich der Deutsche bereits aus der Schweiz abgesetzt, da ihm dort die Justiz große Unannehmlichkeiten bereiten könnte. Das Gleiche gilt für seinen Gesellschafter-Kollegen Ralf Reichert, Geschäftsführer von Intergroove. Die Weitergabe der IP-Adressen durch The Archive AG sei offenbar illegal gewesen und verstoße gegen Schweizer Gesetze", berichtete das "Schweiz Magazin". Es beruft sich dabei auf ein Urteil des Bundesgerichts in Lausanne aus dem Jahr 2010, wonach IP-Adressen eindeutig Personendaten sind und damit unter das Datenschutzgesetz fallen. Ebenso ist es privaten Unternehmen in der Schweiz nicht erlaubt, heimlich IP-Adressen auszuforschen.

Zweifelhafte Lizenzen

Sollten Schweizer Behörden Ermittlungen aufnehmen, würden sie wahrscheinlich auch wie Blogger Klemens Kowalski von Kowabit.de schnell merken, dass an den Pornofilm-Lizenzen, die The Archive innezuhaben behauptet, etwas mächtig faul ist. Angeblich hat es die Rechte von der Berliner Firma Hausner Productions gekauft, dessen Inhaber Oliver Hausner sie von der spanischen Serrato Consultores S.L. erworben haben möchte. Die Firma hat ihren Sitz in Barcelona, nicht allzu weit entfernt vom spanischen Intergroove-Büro. Möglicherweise waren die Spanier nie im Besitz von Lizenzen an den in den Abmahnungen aufgezählten Streifen. Wie der "Stern" berichtet, hat die US-Produktionsfirma eines der Filme bestritten, jemals exklusive Rechte verkauft zu haben.

Für die Kölner Staatsanwaltschaft dürfte aufschlussreich sein, dass die Website von itGuards, das angeblich mit einer Software namens GLADII die IP-Adressen von Redtube-Streamern ermittelte, ebenfalls nicht mehr online ist. Ihre Adresse leitet zu "Wix" um, einem Anbieter für Webseiten-Baukästen. Dass die Websites von The Archive AG und itGuards praktisch gleichzeitig vom Netz gegangen sind, ist kaum verwunderlich. Schließlich lagen sie auf demselben Server und hatten denselben Verwalter. [Update 27.01.14] Die Seite von itGuards ist wieder online, zeigt aber wie zuvor nur nichtssagende Informationen.

Gutachten "nichtssagend und dünn"

Auch den Gutachtern, die GLADII 1.1.3 die Funktionstüchtigkeit bescheinigt haben, könnte der Boden unter den Füßen allmählich sehr heiß werden. Die Anwaltskanzlei MMR hat jetzt beim Landgericht Köln durchgesetzt, dass es das Gutachten ihrer Münchner Kollegen von Diehl & Partner veröffentlichen darf. Die Anwälte von MMR halten es für "nichtssagend und dünn".

Darin werde lediglich ausgeführt, "dass Test-Downloads von drei Medien-Hostern durchgeführt wurden", schreiben sie. "Anschließend soll mit einem Web-Browser das Web-Interface der Software GLADII 1.1.3 angesurft worden sein. Dort seien dann die entsprechenden Informationen, insbesondere die IP-Adressen, von denen der Abruf der Downloads erfolgte, angezeigt worden. Die entscheidende Frage, wie der Traffic zwischen Nutzer und Medien-Hoster protokolliert wurde, wird gar nicht angesprochen." Die Juristen finden auch bemerkenswert, dass in der Antragsschrift zur Herausgabe der zugehörigen Nutzerdaten Redtube überhaupt nicht erwähnt wird. Die Richter hätten dies also "in keinem Fall" anordnen dürfen.

Dass in dem Gutachten nicht steht, wie die IP-Adressen legal ermittelt werden konnten, ist nicht erstaunlich, Experten halten dies schlicht für unmöglich. Der Sachverständige müsste dies eigentlich wissen, schließlich behauptet er, er sei "mit den Technologien der Informationsverarbeitung und Informationsübertragung über das Internet in einem Maß vertraut, welches über das für die vorliegende Untersuchung notwendige Maß weit hinausgeht." Udo Vetter vom "law blog" bemerkt dazu: "Ich vermute, mit dem Satz hat er sich keinen Gefallen getan."

Quelle: n-tv.de

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