Technik

iPhone verliert Marktanteile Rutscht Apple in die Krise?

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iPhone oder nicht iPhone?

(Foto: AP)

Weltweit sinkt der Marktanteil des iPhone, vor allem in den USA muss Apple einen schmerzhaften Rückgang hinnehmen. Schwimmen dem Unternehmen die Felle davon oder was bedeuten die Zahlen?

Das Magazin "Techcrunch" hat bei "Kantar Worldpanel" die neuesten Statistiken zu den weltweiten Smartphone-Verkäufen abgerufen und verglichen. Die Zahlen sprechen scheinbar eine deutliche Sprache: In fast allen wichtigen Ländern hat Android erneut deutlich zulegen können, während der Anteil, den Apples iPhone hält, weiter zurückgegangen ist.

In Europa sieht es für Apple insgesamt mit einem minimalen Wachstum noch recht gut aus. Hier halten die iOS-Smartphones aktuell 19,1 Prozent, im März 2013 waren es 19 Prozent. In Großbritannien können die iPhones ihren Anteil sogar um 3,4 Prozentpunkte auf 32,1 Prozent steigern und gegenüber Android, das von 58,4 auf 56,2 Prozent fällt, aufholen. Herbe Verluste muss Apple dagegen in Italien einstecken, wo der iPhone-Marktanteil innerhalb eines Jahres um sieben Prozent auf 12,9 Prozent gestürzt ist. Android steigerte sich dort um acht Prozent und hält jetzt 70,7 Prozent.

Herbe Verluste im Heimatland

In Deutschland ging es für Apple ebenfalls weiter bergab, der iOS-Marktanteil beträgt jetzt 15,3 Prozent, ein Minus von 1,6 Prozentpunkten. Mit 77 Prozent laufen in der Bundesrepublik mehr als drei Viertel aller zwischen März 2013 und März 2014 verkauften Smartphones unter Android. Hierzulande schlägt sich Windows Phone mit 6,5 Prozent (+0,5) auf Platz 3 sehr achtbar, europaweit steigert sich Microsofts OS sogar um 1,6 Prozentpunkte auf einen Anteil von 8,1 Prozent.

Bitter ist für Apple vor allem der Absturz in den USA von 43,7 auf 35,9 Prozent, während Android um satte 8,3 Prozent zulegt. Auch in China sackte das iPhone um 5,4 Prozentpunkte auf 17,9 Prozent ab, 80 Prozent aller verkauften Smartphones im Reich der Mitte waren Android-Geräte. Für den Rest des Jahres könnte sich dort die Lage für Apple aber noch deutlich verbessern, da sich dann der im Januar unterschriebene Vertrag mit China Mobile positiv auf die iPhone-Verkäufe auswirken sollte.

iPhone trotzt der Statistik

Insgesamt ist der Abwärtstrend für das iPhone zwar nicht zu übersehen. Es wäre allerdings ein Fehler, sinkende Marktanteile mit einer Krise gleichzusetzen. Denn was die absoluten Zahlen betrifft, konnte Apple 2013 erneut Rekorde verzeichnen und verkaufte auch im ersten Quartal 2014 mit 43,7 Millionen Geräten 6,3 Millionen iPhones mehr als im ersten Quartal 2013.

Die sinkenden Marktanteile sind vor allem dem Umstand geschuldet, dass der Smartphone-Markt bei den Top-Geräten weitgehend gesättigt ist. Laut Statista gibt es in Deutschland bereits 40,4 Millionen Smartphone-Nutzer. Das bedeutet, jeder Zweite - Kinder und Senioren inbegriffen - hat eins. Trotzdem geht der Branchenverband Bitkom davon aus, dass in diesem Jahr erneut rund 30 Millionen neue Smartphones in Deutschland online gehen. Jetzt kaufen aber vor allem Menschen Geräte, die sich bisher keins leisten konnten oder wollten. Es handelt sich also überwiegend um günstige Smartphones, die unter Android oder Windows Phone laufen. Weltweit ist dieser Trend in ärmeren Ländern noch weitaus stärker.

Apple ist im Vorteil

Trotz zurückgehender Marktanteile darf Apple dem "Peak Smartphone" aber wahrscheinlich sogar gelassener entgegensehen als andere Hersteller, denn es kann sich zumindest auch in diesem Jahr aus dem Preiskrieg heraushalten, der unter anderem Samsung, HTC, Sony oder LG bevorsteht. Apple denkt nicht daran, seine Preise zu senken. "Wir verkaufen keinen Ramsch", sagte CEO Tim Cook. Apple biete als Einstiegsgerät sein älteres Modell iPhone 4S an, es habe sich in Entwicklungsländern gut verkauft.

Apple hat einen weiteren großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, der eigentlich eine Schwäche ist: Das aktuelle Flaggschiff iPhone 5S geht weg wie warme Semmeln, obwohl Apple mit dem vier Zoll kleinen Display des Geräts nicht "das bietet, was die Verbraucher wollen", wie das Unternehmen in internen Dokumenten zugab. Apple kann das aber im Spätsommer mit neuen iPhone-Modellen mit großen Bildschirmen nachholen. Smartphones, die nicht nur stärker und besser sind, sondern auch ein völlig neues Design bieten. Davon kann die Konkurrenz, die statt Revolutionen nur Evolutionen ins Rennen schickt, nur träumen. Und obwohl einige iPhone-Nutzer abgesprungen sind, hat Apple besonders treue Kunden, die vielleicht das iPhone 5s übersprungen, aber nicht die Marke gewechselt haben. Wahrscheinlich stößt auch das iPhone bald an seine Grenzen, aber nicht in diesem Jahr.

Quelle: ntv.de