Technik

Erster Einsatz von Sonys neuer Konsole So spielt sich die Playstation 4

Die Playstation 4 kommt am 29. November in den Handel. Foto: Oliver Berg

Ein komfortabler Controller - nur zum Akku laden mit Kabel.

(Foto: dpa)

Spieler in Deutschland räumen schon ihre Wohnzimmer auf, denn ab nächste Woche Freitag steht die Playstation 4 in den Läden. n-tv.de hat den Controller bei Sony vorab in die Hand genommen und sich von der Spielkonsole einen ersten Eindruck verschafft. Der ist nicht nur positiv.

Spezifikationen der Playstation 4

  • AMD 64-Bit CPU mit acht Kernen
  • Radeon Grafikchip mit 1,84 TFLOPs
  • 8 Gigabyte Arbeitsspeicher
  • 500 Gigabyte Festplatte
  • Bluray-/DVD-Laufwerk
  • WLAN / Ethernet / 2x USB 3.0 / Bluetooth 2.1
  • HDMI / Analog AV / Digital Output (Optical)

In den USA ist die Playstation 4 ein paar Tage a uf dem Markt, und damit vor der Xbox One, die weltweit ab dem 22. November in den Läden steht. Sony lässt sich in Deutschland eine Woche länger Zeit. Und die hat das Unternehmen genutzt, um in München der Presse die neue Konsole samt einer Auswahl von Launch-Titeln an die Hand zu geben. Natürlich sind das nicht alle Spiele, die zum Start verfügbar sein werden, aber die kleine Sammlung gibt eine Richtung vor.

Hardware und Grafik

Wir bekamen eine Debug-Version zur Verfügung gestellt, also die Hardware, die Spieleentwickler nutzen. Das gilt besonders für das Betriebssystem, das einige Funktionen der Verkaufsversion nicht bietet. Die Hardware der Konsole ist identisch. Die Social Media Elemente etwa waren nicht vorhanden. Dazu gehören etwa das Teilen von Screenshots und Videos für Freunde aus dem eigenen Spiel heraus.

Das Innenleben der PS4 ist stark, leise, aber etwas energiehungriger. Während die Konsole Filme in Ultra HD und damit 3840 mal 2160 Bildpunkten auf entsprechende Flachbildfernseher werfen kann, sieht es bei Software anders aus. "Spiele in 4K wird es in dieser Konsolengeneration nicht geben", sagt Guido Alt, Pressesprecher von Sony Deutschland. Das liegt neben höheren Entwicklungskosten vor allem an den Hardwarespezifikationen: So kann der Verbindungsstandard HDMI 1.4 nicht mehr als 24 Frames pro Sekunde darstellen. Das bedeutet: Das von der Konsole gelieferte Bild würde auf dem Fernseher ruckelig wirken, selbst wenn das Innere der PS4 stark genug wäre, solch hohe Auflösungen bei Spielen flüssig darzustellen. Das Nadelöhr ist das Anschlusskabel.

Die Grafik in Full HD von 1920 mal 1080 Bildpunkten sieht allerdings gestochen scharf aus. Unterschiede zu schnellen PCs sind nicht erkennbar. Eindrucksvoll etwa ist die Darstellung und der Detailreichtum der Umgebung in "Killzone: Shadow Fall". Auch "Assassin's Creed: Black Flag" macht einen sehr schicken Eindruck. Und das nahezu ruckelfrei.

Der Controller

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Der Controller ist schlank und griffig.

Der Dualshock 4 liegt gut in der Hand. Während sich der Vorgänger bei manchen Einsätzen etwas eckig gab, hat Sony nun an den richtigen Stellen abgerundet. Schlank ist das Steuergerät geblieben. Ein komfortables Gefühl. Das Touchpad in der Mitte kommt bislang kaum zum Einsatz. Seltsam ist am Anfang, dass an dieser Stelle die vertrauten mittleren Knöpfe "Select" und "Start" fehlen. Dafür gibt es nun links und rechts vom Pad einen "Share"- und einen "Options"-Knopf.

Ein eingebauter Lautsprecher sowie ein Kopfhöreranschluss wie beim X360-Pad kommen hinzu. Die Vertiefungen in den beiden Gummi-Analogsticks ist nur die ersten paar Minuten ungewohnt, danach zeigen sich die Vorteile - die Griffigkeit ist ein ganzes Stück besser als beim PS3-Controller.

Für eine optional angeschlossene Playstation-Kamera sowie die Bewegungssensoren der Steuergeräte hat Sony auch ein paar Spielereien eingebaut. Im sogenannten Playroom gibt es Minititel für die Wohnzimmerunterhaltung, etwa eine Art Air Hockey, bei dem durch Neigungen der Controller das Spielfeld verändert wird - und der Puck sich entsprechend bewegt.

Die Spiele

Das Herz einer Konsole sind, wie überraschend, die verfügbaren Spiele. Besonders die Exklusivtitel sind interessant, denn von denen hängt oftmals auch die Kaufentscheidung ab. Sony präsentierte auf der Veranstaltung eine Mixtur aus AAA-Titeln und Indiegames. Im Einzelnen waren dies:

  • Killzone: Shadow Fall (Ego-Shooter, exklusiv für PS4)
  • Assassin's Creed: Black Flag (Action-Adventure)
  • Knack (Action-Arcade, exklusiv)
  • Contrast (Puzzle-Jump'n'Run)
  • Resogun (Sidescroller-Arcade, exklusiv)
  • Octodad (Geschicklichkeit)
  • Hohokum (Puzzle-Arcade)

Das grafische Feuerwerk unter den exklusiven Launch-Titeln brennt eindeutig "Killzone: Shadow Fall" ab. Die Macher des Ego-Shooters haben nicht mit Details gespart: Schüsse sausen endeutig sichtbar am Spieler vorbei, Glassplitter fliegen durch die Gegend, die Wandverkleidung flattert nach Durchschüssen halb zerfetzt im Wind. Und kommen die KI-Gegner von vorne nicht an den Kopf des Einsatzkommandos heran, suchen sie sich andere Wege und nehmen ihn ins Kreuzfeuer.

"Assassin's Creed: Black Flag" ist bereits auf anderen Plattformen erschienen, insofern gibt es hier abgesehen von der hervorragenden Optik kaum Neues. Was das Spiel natürlich nicht weniger gut macht. Es macht richtig Spaß, als Pirat auf dem Meeren herumzuschippern und die Schiffe englischer Rotröcke zu entern.

Glibbern auf dem Bildschirm

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Haut nicht nur Orks einfach um: der vielteilige Protagonist in Knack.

(Foto: Sony)

Der Exklusivtitel "Knack" ist indes sehr kurzweilig und bunt. Ein aus Einzelteilen zusammengesetzter Protagonist läuft durch eine Fantasiewelt und verleibt sich Materialien ein, die seinen Körper und seine Kampfkräfte verändern. Ein typischer Konsolentitel. "Resogun" ist ein Sidescroller wie am Spielautomaten, nur grafisch besser: Die außerirdischen Angreifer der Sentients wollen die letzten Menschen töten, der Spieler muss sie mit seinem Raumschiff verteidigen.

"Octodad" ist ein Geschicklichkeitsparcours im Alltag eines Oktopusses, der sich in der menschlichen Welt zurechtfinden muss - ohne Knochen glibbert er sich über den Bildschirm, und es ist eine Aufgabe, seine Gliedmaßen unter Kontrolle zu halten. "Hohokum" ist das künstlerischste der vorgestellten Titel. Ein Wurm gleitet in der Draufsicht durch eine 2D-Welt, die sich durch Berührungen verändert. In Begleitung ertönt ein hypnotisch-atmosphärischer Soundtrack. Die Belohnung ist ein aufkommendes Gefühl der Zeitlosigkeit.

Mit einer hervorragenden Idee überzeugt "Contrast": In dem Jump'n'Run übernimmt der Spieler in den Welten von Licht und Schatten im Stil der 1920er Jahre das Mädchen Didi. Und damit auch die Suche nach ihrem Vater. Ein hervorragend, surrealistisch-burlesk gestaltetes Puzzle-Spiel. Aber auch nicht exklusiv für Sonys neue Konsole.

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In den USA bereits im Verkauf: die PS4.

(Foto: AP)

Es ist ein relativ dünnes Spieleportfolio für die PS4, was die einflussreichen Spielemedien in den USA schon kritisch kommentiert haben. Einen Einfluss auf den Verkaufstart in Deutschland am 29. November sieht Alt nicht. "Die PS2 ist mit fünf Titeln gestartet und hat sich exzellent verkauft", sagt der Sony-Mann.

Exklusivität in der Pipeline

Exklusiv für die neue Playstation sind zudem folgende Blockbuster angekündigt: "Infamous: Second Son" (Action-Adventure), "Driveclub" (Rennspiel), "The Order: 1886" (Action-Adventure), "Deep Down" (Action-Rollenspiel) und "Gran Turismo 6" (Rennspiel). Dazu kommen einige Gratistitel, etwa der Zombie-Shooter "Blacklight: Retribution", "DC Universe Online", "Planetside 2" und "Warframe". Als ein Schlüsselspiel für die NextGen-Konsolen gilt "Watch Dogs", doch Ubisoft musste die Veröffentlichung auf das kommende Jahr verschieben.

Einen neuen Weg geht Sony mit dem PS4-Start, was Spiele von kleineren Studios angeht. So können die Entwickler ihre Titel selbst im Playstation Network veröffentlichen. Einige Titel sind bereits angekündigt, etwa "Don't Starve", das unter PC-Spielern viel Aufsehen erregt hat. Eine Gesamtübersicht der in den USA bereits verfügbaren Spielen gibt es hier.

Online-Gebührenpflicht mit Boni

Die Vorgeschichte der PS4 war ein bisschen wie im Märchen: Der Riese kommt mit der Keule, doch wendige Widersacher schlagen dem Monstrum ein Schnippchen. So muss es sich für Microsoft im Sommer angefühlt haben, als Sony seine neue Playstation 4 in Los Angeles vorstellte. Im Groben gesprochen sagten die Japaner bei der Fachmesse E3: Wir bieten mit unserer Spielkonsole das Gleiche wie die Konkurrenz, aber werden die Spieler nicht noch mehr zu Melkkühen machen. Und das trotz überaus durchwachsener Zeiten für den Konzern.

Der gebührenpflichtige Playstation Plus Service, der bei der PS4 für Mehrspielerpartien zwingend erforderlich ist, hat zwei Seiten. Die Japaner verlangen für ein Jahr Mitgliedschaft rund 50 Euro. Guido Alt, PR-Chef von Sony Deutschland, sieht vor allem, dass Abonnenten monatlich für jede Sony-Plattform - also PS3, PS4 und den Handheld PS Vita je ein Gratis-Spiel bekommen. Allerdings lässt das Unternehmen damit solche Kunden außen vor, die schlicht online gegen ihre Freunde oder andere antreten wollen. Die sind weder an Mehrkosten, noch an anderen Titeln interessiert.

Insgesamt macht die PS4 einen guten Eindruck. Inwiefern sie sich von der Xbox One abheben wird? Abwarten heißt hier die Devise. Denn wenn die beiden Konsolen auf dem Markt sind, mit kompletter Funktionalität unter die Lupe kommen und die ersten Verkaufszahlen eintrudeln - dann kann sich zeigen, ob Sony richtig gepokert hat. Am Preis wird es nicht liegen: Der liegt mit 399 Euro exakt 100 Euro unter dem von Microsofts neuer Hardware.

Quelle: n-tv.de

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