Technik

Neues Web-Protokoll v6 Was Nutzer wissen sollten

Vielen Internet-Nutzern ist nicht bewusst, dass sich demnächst der grundlegende Adress-Standard für ihre Wege im Netz ändert. Was die Umstellung für sie bedeutet, im Überblick.

Die verfügbaren IP-Adressen für jedes Gerät im Internet sind so gut wie aufgebraucht. Deshalb wird aus IPv4 nun IPv6. (Bild: dpa)

Weil der Vorrat an verfügbaren Adressen mit dem bisherigen Standard IPv4 (Internet-Protokoll, Version 4) erschöpft ist, wird IPv6 eingeführt. Dieses stellt eine nahezu unendlich große Vielfalt an Adressen bereit. Christoph Meinel vom Hasso-Plattner-Institut (HPI) der Universität Potsdam erklärt, was Nutzer wissen sollten.

Warum sind IP-Adressen nötig?

Damit Geräte im Internet Daten austauschen können, benötigen sie eine eindeutige maschinenlesbare Adresse. Diese wird nach einem Standard vergeben, dem Internet-Protokoll (IP). Weil Menschen sich diese Nummernkombinationen schlecht merken können, gibt es für Websites zusätzlich Domainnamen, zum Beispiel www.bundesregierung.de. Wenn Nutzer einen solchen Namen im Browser aufrufen, wird er von einem speziellen Server in die IP-Adresse umgewandelt.

Was ist der Unterschied zwischen IPv4 und IPv6?

Bisher werden IP-Adressen in vier Blöcken mit jeweils bis zu drei Ziffern dargestellt, zum Beispiel 217.79.215.248. Das künftige Internet-Protokoll, Version 6 (IPv6), stellt die Adressen nicht mit Ziffern im Dezimalsystem dar, sondern hexadezimal, zu erkennen an Kombinationen von Ziffern und Buchstaben. Es handelt sich um acht Blöcke, die mit Doppelpunkten voneinander getrennt sind, also zum Beispiel 2001:db8:0:0:0:0:1428:57ab.

Kommt mein Computer mit dem neuen Standard zurecht?

In den meisten Fällen ja. Voraussetzung ist allerdings ein IPv6-fähiges Betriebssystem. Dies ist ab Windows Vista gewährleistet, bei Windows XP kann die Unterstützung nachinstalliert werden. Auch das Mac-OS-X-Betriebssystem (ab 10.2) und Linux verstehen IPv6.

Kommt auch mein DSL-Zugang damit zurecht?

Bisher in vielen Fällen noch nicht. Die gängigen Router, wie sie von den Telekommunikationsfirmen bei der Bestellung eines DSL-Pakets geliefert werden, sind auf das alte Protokoll IPv4 eingestellt. Bei der verbreiteten Fritzbox des Herstellers AVM zum Beispiel kann man die IPv6-Unterstützung mit einem Firmware-Update erreichen, also mit einer neuen Version der Geräte-Software. Beim Kauf eines neuen Routers sollte man darauf achten, dass er mit IPv6 zurechtkommt.

Muss ich bei der Umstellung mit Problemen rechnen?

In der Regel nicht. Die Internet-Nutzung wird auch nach Beginn der Umstellung nicht beeinträchtigt - so versprechen es zumindest die Zugangsanbieter. Sie haben ihr Netz so eingerichtet, dass die Datenpakete alle Nutzer erreichen, ob sie nun mit IPv4 oder mit IPv6 losgeschickt werden. Sie verwenden Netzgeräte, die beide Standards unterstützen, man spricht dabei von Dual-Stack-Technik. Alternativ können auch Software-Lösungen wie Tunneltechniken verwendet werden.

Was bedeutet IPv6 für den Datenschutz?

Die meisten Internet-Nutzer sind derzeit mit ständig wechselnden IP-Adressen im Netz unterwegs. Die "dynamische Adressenverwaltung" wurde aus der Not geboren, weil beim bisherigen Standard IPv4 die Adressen knapp sind. Für Datenschützer ist das positiv: Bei wechselnden IP-Adressen kann man nicht so leicht festhalten, auf welchen Wegen jemand im Internet unterwegs ist.

IPv6 bietet jedoch einen nahezu unendlichen Vorrat an IP-Adressen. Damit wird es theoretisch möglich, jedem Computer, jedem Handy und jedem anderen Gerät eine lebenslang einheitliche IP-Adresse zuzuweisen. Um den damit verbundenen Datenschutzbedenken zu begegnen, sieht das neue Protokoll "Privacy Extensions" vor, die verhindern sollen, dass man ein Gerät über längere Zeit hinweg im Netz identifizieren kann. Bei Windows sind diese Privatsphäre-Erweiterungen standardmäßig aktiviert, auf einem Mac- oder einem Linux-Rechner müssen sie erst eingerichtet werden.

Quelle: n-tv.de, dpa