Technik
Donnerstag, 17. Februar 2011

MeeGo "keineswegs tot"?: WeTab startet Software-Shop

Die Macher des deutschen Tablet-PCs WeTab haben eine Art Software-Shop ins Netz gestellt. Allerdings ist dort bislang keine Software zu haben. Die muss erst geschrieben werden - für MeeGo, dem Betriebssystem, dem Nokia vor ein paar Tagen abgeschworen hat.

Ziemlich schmucklos - vor allem aber bislang leer: der frisch gelaunchte "WeTab Market"
Ziemlich schmucklos - vor allem aber bislang leer: der frisch gelaunchte "WeTab Market"

Die Münchner 4tiitoo AG hat einen "WeTab Market" gestartet. "Zur Unterstützung der Dynamik der MeeGo-Entwicklung bietet er allen Entwicklern ein Zuhause für MeeGo-Apps", sagte 4tiitoo-Chef Tore Meyer auf der Mobilfunkmesse Mobile World Congress (MWC) in Barcelona.

Nokia setzt jetzt auf Windows

MeeGo wurde gemeinsam von Intel und Nokia entwickelt und sollte eigentlich die Basis der neuen Smartphone-Generation von Nokia bilden. In der vergangenen Woche war Nokia-Chef Stephen Elop jedoch auf Windows Phone als neues strategisches Betriebssystem umgestiegen. Auch der scheidende Google-Chef Eric Schmidt hätte sein System Android gerne auf Nokia-Handys gesehen und will dem Hersteller "die Tür offen halten".

Im September 2010 wurden die ersten WeTabs an die Kunden übergeben.
Im September 2010 wurden die ersten WeTabs an die Kunden übergeben.

Dennoch ist Meyer zuversichtlich: Mit dem Strategiewechsel von Nokia sei MeeGo keineswegs tot, sagte er. "Es gibt eine sehr aktive Entwickler-Gemeinde und eine klare Unterstützung von Intel." Allerdings ist der Chip-Riese bislang nicht als Hersteller von Handys oder Tablet-PCs in Erscheinung getreten.

Stephan Odörfer, Technikchef von 4tiitoo, räumte ein, dass auch viele Entwickler der Nokia-Systeme Symbian und Qt durch die Entscheidung von Nokia zunächst verunsichert gewesen seien. "Das klare Engagement des größten Partners Intel zu MeeGo im Rahmen des Mobile World Congresses und die Eröffnung des WeTab Markets für MeeGo-Apps ist ein klares Signal, dass MeeGo trotz der Entwicklungen der letzten Woche weiter Fahrt aufnimmt."

Pfeifen im Walde?

Für den WeTab Store nimmt 4tiitoo nun Registrierungen der Entwickler entgegen. Im März soll der Online-Laden für die Öffentlichkeit freigeschaltet werden. Der von 4tiitoo vermarktete Tablet-Computer WeTab wurde im März 2010 vom damaligen Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen mit viel PR-Wirbel angekündigt, aber erst nach mehreren Verzögerungen im September 2010 ausgeliefert.

Seit der missglückten Premiere wurde die Software für das WeTab mehrfach aktualisiert, etliche Fehler wurden beseitigt. Die anfangs versprochene Einbindung des Betriebssystems Android ist allerdings offenbar vom Tisch, jedenfalls wird sie von den Verantwortlichen nicht mehr erwähnt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Konkrete Zahlen zu Absatz und Nutzung der - entgegen den ursprünglichen Ankündigungen dann über ein Kilogramm schweren Rechen-Bretter - wurden bislang nicht veröffentlicht. Dafür kamen dem Projekt erst Geschäftsführer von Ankershoffen und später auch der Partner Neofonie abhanden. Viele Beobachter glauben nicht mehr daran, dass sich aus dem "Skandal-Tablet" noch ein brauchbares Produkt entwickeln wird.

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Quelle: n-tv.de