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Springt der Funke via Twitter über? Weltrevolution - oder doch nicht

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Bilder von Polizeigewalt sorgen im Netz für Empörung.

Der politische Frühling in den arabischen Ländern scheint - jedenfalls aus europäischer Sicht - langsam zuende zu gehen. Dafür organisiert sich in der Folge der Ereignisse in Spanien, wo Tausende seit Wochen friedlich gegen die politische und ökonomische Misere demonstrieren - im alten Kontinent der Widerstand. Auf Twitter macht das Schlagwort #worldrevolution die Runde.

Polizisten in schwarzer Kampfmontur hinter mannshohen Schutzschilden prügeln mit Gummiknüppeln am Boden sitzende Jugendliche, verfolgen Flüchtende und schießen ihnen mit Gummigeschossen hinterher. Solche Szenen sind auf den Videos zu sehen, die aktuell im Internet verbreitet werden. Wer sie sieht, kann den Eindruck gewinnen, die Revolution habe bereits begonnen.

Notlandung, Terroranschlag, Aufbegehren

Hauptverbreitungskanal ist einmal mehr der Kurznachrichtendienst Twitter, über den die Welt zuerst von der Notlandung im Hudson River, die Terroranschläge in Mumbai oder eben vom Aufbegehren der Völker in Tunesien oder Ägypten erfahren hat. Aber auch lokale Nachrichtenseiten wie die katalonische 3cat24.cat bringen solche Szenen, so dass man wohl davon aus gehen kann, dass die Aufnahmen authentisch sind.

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Videos von

Hintergrund ist offenbar, dass die Polizei ein seit etwa zwei Wochen bestehendes Camp von Demonstranten auf der zentralen Plaza Cataluna geräumt hat. Nach unbestätigten Berichten soll es dabei 66 Verletzte gegeben haben. Die Empörung in der gut vernetzten Protestbewegung ist groß - wie sich leicht etwa anhand des Twitter-Hashtags #spanishrevolution oder #acampadabcn nachvollziehen lässt.

Soli-Kundgebungen in Paris, Rom, Berlin

Schon sind Solidaritäts-Kundgebungen in europäischen Metropolen angesetzt, wird dazu aufgerufen, auch in Paris, Rom und Berlin zentrale Plätze zu besetzen oder vor den Botschaften Spaniens gegen die Polizeigewalt zu protestieren. Mancher erhofft sich von den Aktionen, die auf Sonntag abend terminiert sind, den Beginn einer globalen Revolte (wie er etwa in dem französischen Pamphlet "Der kommende Aufstand" beschworen wird).

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Aber so richtig kommt das Ganze wohl doch noch nicht in Fahrt. Der Hashtag #worldrevolution erfreut sich noch nicht wirklich großer Beliebtheit. Der gleichnamige Twitter-Account hat derzeit nicht einmal 150 Follower. Und die auf Twitter fleißig verbreitete Adresse https://www.world-revolutions.info/ ist gleich ganz und gar offline.

So werden die Blütenträume von einer besseren Welt wohl nicht auf einen Schlag Wirklichkeit - und schon gar nicht diesen Sonntag. Aber ein Anfang ist gemacht, wenn sich die Protestierer am Aufruf des Greisen Stéphane Hessel orientieren. Der 93-Jährige, der einst die UN-Menschenrechtscharta mitverfasste und vielen jungen Kapitalismuskritikern und Pazifisten als Vorbild gilt, landete bekanntlich Anfang des Jahres einen literarischen Überraschungserfolg mit einem Büchlein von wenigen Seiten Umfang. Der Titel: "Idigne Vous!", zu deutsch: "Entrüstet euch!".

Quelle: n-tv.de

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