Technik
Die "WikiCon" lockt Hobby- und Profiautoren der Plattform nach Karlsruhe.
Die "WikiCon" lockt Hobby- und Profiautoren der Plattform nach Karlsruhe.(Foto: dpa)
Sonntag, 24. November 2013

Mehr Frauen gewünscht: Wikipedia sucht neue Autoren

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia findet viele Nutzer, aber es mangelt an Autoren. Die Qualität der Artikel nimmt ab, der Frust nimmt zu. Auf der "WikiCon" beraten Wikipedianer über die Zukunft ihres Projektes. Mehr Frauen und weniger Eigenvermarktung stehen auf der Agenda.

Schillernde Wikipedia-Szene: Exzellente Artikel, ehrenamtliches Engagement und kreative Gemeinschaft sind die eine Seite. Ständiger Frust, tiefe Kränkungen und persönliche Verletzungen die andere. Ein wichtiges Thema auf der größten Versammlung deutschsprachiger Wikipedia-Autoren war denn auch eine positive Gestaltung von Streitkultur.

Video

Wenn das klappt - darin waren sich viele der rund 300 Teilnehmer einig -, lassen sich wieder mehr Experten zur Mitarbeit bewegen. Die Qualität der Artikel ist der wichtigste Maßstab für den dauerhaften Erfolg der vor mehr als zwölf Jahren gegründeten Online-Enzyklopädie. Die "WikiCon 2013" endete am Sonntag in Karlsruhe.

Autoren und Qualität schwinden

Die Wikipedia schwächelt: Die Zahl der aktiven Bearbeiter von Artikeln ist seit 2007 um ein Drittel zurückgegangen, wie eine Untersuchung des MIT zur englischsprachigen Ausgabe ergab. Auf der WikiCon weist ein Referent nach, dass auch die Qualität zurückgeht, gemessen am eigenen Maßstab der Zahl "exzellenter Artikel" in der deutschsprachigen Ausgabe: Die meisten wurden schon 2004 erstellt, mehr als 450. In diesem Jahr erhielten bislang nur sechs Beiträge diese besondere Auszeichnung.

Für viele ist das Schreiben eines Wikipedia-Artikels eine Sache, die mit persönlichem Stolz verbunden ist - was anderen dann nicht unbedingt gefällt. "Streit ist das Treibmittel unserer Redaktionstätigkeit", meint ein Wikipedia-Autor bei dem Treffen. Allerdings sagen auch WikiCon-Teilnehmer, dass sie sich aus Angst vor Pöbeleien auf Nischenthemen konzentrieren, sich von politisch umstrittenen Themen fernhalten. Dies, aber auch Anonymität und Textlastigkeit der Wikipedia stoßen vor allem Frauen ab.

Mehr Wikipedianerinnen

"Die Technik ist keine große Hürde für Frauen, sie kommen damit klar", sagt Silvia Stieneker, die im Frauencomputerzentrum Berlin (FCZB) jeden Monat das Schreiben und Bearbeiten von Wikipedia-Artikeln unterstützt. Es sei aber wichtig, über Frusterlebnisse in Wikipedia zu sprechen, und das gehe am besten im richtigen Leben. Jetzt will Stienecker unter der Bezeichnung WikiWomen ein Netzwerk von Wikipedianerinnen aufbauen.

Pavel Richter ist Vorstandvorsitzener der Wikimedia Deutschland.
Pavel Richter ist Vorstandvorsitzener der Wikimedia Deutschland.(Foto: dpa)

Bislang stellen Frauen nur etwa neun Prozent der Aktiven. An der deutschsprachigen Wikipedia beteiligen sich etwa 6000 Menschen regelmäßig, dem harten Kern der Community gehören etwa 1000 an. Expertenwissen gepaart mit dem Engagement vieler - das hat die Wikipedia auf Rang sechs der größten internationalen Webseiten gebracht.

Sich dort positiv zu präsentieren, ist auch für Firmen und Organisationen wichtig. Immer wieder kommt es zu Sperrungen von Wikipedia-Autoren, die im Auftrag von PR-Agenturen geschönte Beiträge verfassen oder bestehende ändern. "Paid Editing", bezahltes Schreiben, wird das in der Szene genannt.

Regelwerk gefordert

Der Sozialwissenschaftler Dirk Franke, Wikipedia-Aktiver der ersten Stunde, ist nun dabei, mit vielen anderen das Regelwerk für die Autoren so zu ändern, "dass man den PR-Leuten klar sagt, was geht und was nicht, dass Wikipedia-Artikel neutral sein müssen und dass alles belegt sein muss". Das verwirrende Dickicht der 7000 Regelseiten soll gelichtet werden. Mit einem klareren Verfahren etwa für Sperrungen von Nutzern soll auch die Streitkultur verbessert werden. Bis zum Jahresende soll ein Ergebnis vorliegen.

"Als Vorstand von Wikimedia Deutschland finde ich es toll, dass sich die Community darum kümmert", sagt Pavel Richter, der die Geschäfte des Vereins leitet, der hinter der Wikipedia steht. Als Wikipedianer finde er auch, dass die Regeln "sehr ins Kraut geschossen" seien. "Kürze und Prägnanz sind für einen Enzyklopädie-Artikel extrem wichtig. Das sollte auch für das Regelwerk gelten."

Quelle: n-tv.de