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Internet Domscheit-Berg akzeptiert Rauswurf aus dem CCC

Berlin (dpa) - Der WikiLeaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg will gegen seinen Ausschluss aus dem Chaos Computer Club nicht weiter vorgehen. «Wenn man mich da als Mitglied nicht mehr mag, dann werde ich das auch so akzeptieren».

Dies antwortete der Netzaktivist am Dienstag auf eine E-Mail-Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings betrachte er sich weiter als Mitglied des örtlichen CCCB (Chaos Computer Club Berlin).

Der CCC-Vorstand begründete seine Entscheidung vom 13. August damit, dass Domscheit-Berg den Eindruck erweckt habe, der CCC habe «eine Art Sicherheitsüberprüfung» für seine Whistleblower-Plattform OpenLeaks übernommen. Damit habe er den guten Ruf des Vereins missbraucht.

Beide Seiten deuteten jedoch an, dass der eigentliche Grund tiefer reicht und die Umstände von Domscheit-Bergs Bruch mit der Enthüllungsplattform WikiLeaks betrifft. Dabei wurden im vergangenen Jahr auch Kopien brisanter Informationen mitgenommen - laut Domscheit-Berg aus Sorge um den Schutz der Whistleblower, die diese Daten WikiLeaks übergeben hatten. Whistleblower sind Informanten, die brisante Informationen aus ihrem Umfeld öffentlich machen wollen.

Diese Dokumente seien inzwischen alle vernichtet, erklärte Domscheit-Berg. «Die Schlüssel zu diesem Material wie auch das Material selbst wurden gelöscht», schrieb er. Hintergrund dieser persönlichen Entscheidung seien «gravierende Fehler auf Seiten von WikiLeaks bei der Behandlung von Quellenmaterialien, schon zu der Zeit, in der ich noch da war». Ein Fehler sei es auch gewesen, dass die internen Mitteilungen von US-Botschaften in aller Welt von WikiLeaks veröffentlicht worden seien. «Dies ist verantwortungslos und grob fahrlässig.»

Nach Angaben von Wikileaks enthielt das bis August 2010 zurückgehende Material unter anderem 60 000 E-Mails der rechtsextremen NPD und «Interna von rund 20 Neo-Nazi-Organisationen». Außerdem seien darunter fünf Gigabyte an Daten der Bank of America gewesen, erklärte Wikileaks über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Zu dem Datensatz habe weiterhin die US-Liste von Personen gehört, denen der Zutritt zu Flugzeugen verwehrt bleibt. Das Material sei «unersetzlich», kritisierte Wikileaks.

Neben den rund 3500 Dokumenten wurde auch die ursprünglich für WikiLeaks entwickelte Software für das Einreichen von Dokumenten entwendet. Diese ist nach Darstellung Domscheit-Bergs Schöpfung des WikiLeaks-Aussteigers mit dem Pseudonym «Architekt». Diese Software werde jetzt «in erweiterter und angepasster Form bei OpenLeaks verwendet». Bei einem mehrtägigen Test von OpenLeaks sei es nicht gelungen, die Plattform zu knacken, erklärte Domscheit-Berg. «Wir haben viel Feedback bekommen, das uns hilft, das Projekt weiter zu entwickeln.» Der OpenLeaks-Gründer kündigte an, die Ergebnisse des Tests in den nächsten Tagen im Blog des Projekts darzulegen.

Quelle: ntv.de, dpa

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