Kurznachrichten

Traditionspflege der Bundeswehr Diskussion um Kasernennamen ist nicht neu

In der Debatte um die Verherrlichung der Wehrmacht innerhalb der Bundeswehr wird - wieder einmal - über die Benennung von Kasernen mit den Namen umstrittener Nazi-Offiziere gestritten.

Die Bundesregierung sah den Umgang mit der Wehrmacht nach eigenen Angaben bis zuletzt im sogenannten Traditionserlass von 1982 "eindeutig" geregelt. Nun will das Verteidigungsministerium allerdings prüfen, ob der Erlass überarbeitet werden soll.

In einer Antwort von 2011 auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag erklärt die Regierung, selbst keine "Bewertung" zu umstrittenen Kasernennamen abzugeben. Dies sei Sache der Bundeswehr. Die Frage, ob ein Wehrmachtssoldat pflichtgemäß oder aus nationalsozialistischer Überzeugung heraus handelte, lasse sich "in vielen Fällen nicht leicht beantworten". Antworten darauf blieben deshalb "spekulativ", heißt es in der Drucksache 17/6015.

Die Bundeswehr prüfte ab 1995 Kasernennamen und gab bis 2016 viele problematische Namen auf. Den Auftakt machte 1995 die einstige Dietl-Kaserne im bayerischen Füssen. Sie war benannt nach dem Generaloberst und Gebirgsjäger Eduard Dietl, den Adolf Hitler selbst als "treuen Freund" und "Nationalsozialisten dem Herzen nach" bezeichnete hatte.

Noch heute sind von der Nazi-Propaganda gefeierte Kriegshelden umstrittene Namenspatrone. Dazu gehören etwa der Jagdflieger Hans-Joachim Marseille (Kaserne in Appen, Schlesweig-Holstein) oder der heroisierte "Panzerknacker" Dirk Lilienthal (Kaserne in Delmenhorst, Niedersachsen).

Bei ihnen stellt sich ebenso wie bei Generalfeldmarschall Erwin Rommel (Kaserne in Augustdorf, Nordrhein-Westfalen) die Frage, inwieweit sie nah am Hitler-Regime standen oder nur getreu ihrer soldatischen Pflichten handelten. Als "Wüstenfuchs" wurde Rommel auch von seinen Gegnern als Stratege im nordafrikanischen Panzerkrieg geachtet.

Auch die Umbenennung der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover wird immer wieder gefordert. Der General Otto Albert Theodor von Emmich war nach Angaben des Militärgeschichtlichen Forschungsamts der Bundeswehr im Ersten Weltkrieg am völkerrechtswidrigen Überfall auf Belgien beteiligt. Unter seinem Kommando gab es demnach im August 1914 "kriegsvölkerrechstwidrige" Hinrichtungen von Zivilisten.

Quelle: n-tv.de, AFP

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