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Monarchie Geburtstag mit Streit: Rumäniens Ex-Monarch wird 90

Bukarest (dpa) - Rumäniens Ex-König Michael I. steht ein ungemütlicher 90. Geburtstag bevor. Bei der offiziellen Feierstunde im Parlament wird beispielsweise Staatspräsident Traian Basescu nach eigener Ankündigung fehlen. Die beiden Männer mögen sich nicht.

Dagegen wird Michael von den oppositionellen Liberalen und Sozialisten hofiert. Michael war Rumäniens König von 1940 bis Ende 1947 und als Kind von 1927 bis 1930.

Zuletzt hatte Basescu behauptet, dass Michael mit am Holocaust schuld sei. Dies stimmt nach Ansicht von Historikern nicht. Außerdem ist der Präsident mit einem Neffen Michaels befreundet, den die Familie des Ex-Königs wiederum ablehnt.

Zu Michaels Geburtstagsfest sind zahlreiche gekrönte Häupter aus aller Welt eingeladen. Wer von ihnen zugesagt hat, war zunächst unklar. Nach dem Festakt im Parlament sind ein Gala-Abend in der Bukarester Oper sowie ein von der Nationalbank ausgerichtetes Galadinner geplant.

Michael wurde am 25. Oktober 1921 im Karpatenort Sinaia geboren. Seinen bedeutendsten Schritt als König machte er am 23. August 1944, im Alter von 22 Jahren. Er ließ den damaligen Regierungschef, Marschall Ion Antonescu (1882-1946), verhaften und erklärte dem bis dahin mit Rumänien verbündeten Deutschland den Krieg.

Im Verhältnis zu Nazi-Deutschland verfolgte die Königsfamilie keine einheitliche Linie. Michaels Vater und Amtsvorgänger Carol II. buhlte um Hitlers Gunst. Michaels Mutter Elena (1896-1982) half bei der Rettung vieler rumänischer Juden vor der Deportation durch die Nazis und wird deshalb in Israel als «Gerechte unter den Völkern» anerkannt.

1947 dankte Michael auf Druck der Kommunisten ab und floh in die Schweiz, wo er den größten Teil seines Exils verbrachte. Basescu und andere Gegner werfen Michael diese Abdankung als Landesverrat vor. Diese Fraktion der Kritiker schwärmt eher für Antonescu.

Seinen Lebensunterhalt verdiente Michael im Exil mit Geflügelzucht, als Testpilot sowie als Börsenmakler. Nach dem Fall des Kommunismus verweigerten ihm die damals in Rumänien regierenden Wendekommunisten zunächst die Einreise. 2001 kam es jedoch zur Versöhnung und Michael bekam zahlreiche enteignete Immobilien zurück. In Mai 2011 brach Michael seine Beziehungen mit dem deutschen Adelshaus Hohenzollern-Sigmaringen ab, legte die entsprechenden Titel nieder und nennt sich nun nur noch «Michael von Rumänien». Er wolle dem Königshaus einen nationalen und unabhängigen Charakter verleihen, erklärte er dazu.

In Rumänien hat die Monarchie kaum noch Anhänger. Viele Monarchisten nehmen Michael nicht nur die Versöhnung mit dem Ex-Kommunisten und früheren Staatschef Ion Iliescu übel, sondern auch, dass er den Sohn eines früheren Kommunisten als Schwiegersohn akzeptiert hat. Ex-Schauspieler Radu Duda heiratete Michaels älteste Tochter Margareta und tritt seither hauptberuflich als Sprecher des Königshauses auf. 2009 kandidierte Duda zudem erfolglos für das Amt des Staatspräsidenten.

Michael ist mit Prinzessin Anne von Bourbon-Parma verheiratet. Das Paar hat fünf Töchter. So manche Rumänen meinen, eine Rückkehr zur Monarchie hätte mehr Chancen gehabt, wenn Michael einen männlichen Stammhalter hätte vorweisen können.

Quelle: n-tv.de, dpa