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Prozesse gegen betagte NS-Verbrecher Historiker kritisiert "reinen Aktionismus"

Der Historiker Michael Wolffsohn hat sich gegen eine juristische Verfolgung von hochbetagten NS-Verbrechern ausgesprochen. Seiner Meinung nach führen die Prozesse dazu, dass die einstigen Verbrecher "quasi als Märtyrer" dastünden.

Der Historiker Michael Wolffsohn hat sich gegen eine juristische Verfolgung von hochbetagten NS-Verbrechern ausgesprochen. Diese Prozesse seien "reiner Aktionismus", sagte er dem Deutschlandradio Kultur. Die NS-Fahndungsstelle in Ludwigsburg hatte angekündigt, dass sie nach ihren Vorermittlungen 30 Verfahren gegen mutmaßliche Nazi-Verbrecher an die Staatsanwaltschaften abgeben will. Diese müssen dann entscheiden, ob sie Anklage erheben wollen. Den früheren Aufsehern des Konzentrationslagers Auschwitz wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen.

Wolffsohn meinte, die Prozesse führten dazu, dass die einstigen Verbrecher "quasi als Märtyrer" dastünden. So sei beispielsweise beim Gerichtsverfahren gegen den ehemaligen KZ-Wächter John Demjanjuk die allgemeine Reaktion eher Mitleid gewesen. "Wollen wir freiwillig uns so etwas noch einmal antun?", fragte Wolffsohn, der selbst aus einer jüdischen Familie stammt. "Neunzigjährige vor Gericht zu stellen bringt überhaupt nichts." Man erreiche sehr viel mehr mit der Ächtung der Täter. Notwendig sei die kontinuierliche Fortsetzung der historischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen. "Darauf kommt es an."

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Quelle: ntv.de, dpa

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