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Literaturnobelpreisträger Nobelpreisträger Handke: Es ging um Gerechtigkeit für Serbien

Drei Wochen vor der Verleihung des Literaturnobelpreises hat sich der österreichische Schriftsteller Peter Handke (76) ausführlich zu seiner umstrittenen pro-serbischen Haltung während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien geäußert.

Es sei um "Gerechtigkeit für Serbien" gegangen, sagte er im Interview der Wochenzeitung "Die Zeit". "Wie konnte Deutschland Kroatien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina anerkennen, wenn auf dem Gebiet mehr als ein Drittel orthodoxe und muslimische Serben lebten? So entstand ein Bruderkrieg, und es gibt keine schlimmeren Kriege als Bruderkriege." Die Berichterstattung über Serbien sei damals monoton und einseitig gewesen.

Handke hatte sich stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. 2006 hielt er bei der Beerdigung des sechs Jahre zuvor gestürzten serbischen Führers Slobodan Milosevic eine Rede. Die Bekanntgabe der Verleihung des Nobelpreises für 2019 an ihn stieß Anfang Oktober weltweit auf ein geteiltes Echo. Zur Preisverleihung am 10. Dezember in Stockholm sind Proteste angekündigt.

"Kein Wort von dem, was ich über Jugoslawien geschrieben habe, ist denunzierbar, kein einziges. Das ist Literatur", betonte Handke. "Ich bin Jugoslawe von meiner Mutter her und vom Bruder meiner Mutter, der in Maribor studiert hatte. Der Großvater hat bei der Volksabstimmung in Kärnten für den Anschluss an Jugoslawien votiert. Jugoslawien hat für mich etwas bedeutet. Und wenn man mir jetzt mit Serbien kommt, ist man unredlich. Ich bin wegen Jugoslawien hin." Handke sagte, er habe niemals Sympathien für Milosevic geäußert: "Ich habe mich keinen Augenblick verbeugt, weder innerlich noch äußerlich." Er habe Milosevic nur ein einziges Mal gesehen, als Gefangenen in Den Haag, wo Milosevic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagt war. "Ich wollte ihn anhören. ... Ich habe mir angehört, was er zu sagen hatte."

Zu seiner Teilnahme an Milosevics Beerdigung sagte der Nobelpreisträger: "Natürlich war ich da. Er hat bei einer der letzten Abstimmungen dafür votiert, Jugoslawien nicht aufzulösen. Sein Begräbnis war auch das Begräbnis von Jugoslawien. Hat man vergessen, dass dieser Staat gegen das Hitler-Reich gegründet worden ist?"

Quelle: n-tv.de, dpa

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