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Technik Übelkeit beim Spielen oft abtrainierbar

Mainz (dpa/tmn) - Schnelle Bewegungen in Videospielen oder Filmen, große Bildschirmdiagonalen und ein geringer Abstand zum Display und prompt steigt die Übelkeit in einem auf - die Cinerama Sickness. Doch dagegen können Spieler etwas tun.

Die verhängnisvolle Kombination, die einigen Menschen die Blässe ins Gesicht treibt und für ein flaues Gefühl in der Magengegend sorgt ist die sogenannte Gaming oder Cinerama Sickness. Sie ist eine «vollkommen natürliche Reaktion» und in der Regel abtrainierbar, sagte Diplom-Psychologe Behrang Keshavarz von der Universität Mainz. «Es gibt nur einen ganz geringen Prozentsatz Menschen, die nicht trainierbar sind.»

Um eine Gewöhnung zu erreichen, sollte man sich regelmäßig wieder an Spielen oder Filmen probieren, die Übelkeit hervorrufen. «Das ist das beste Training», erklärte Keshavarz, der in der Abteilung Allgemeine Experimentelle Psychologie Bewegungskrankeiten erforscht. «Der Organismus passt sich an.» Hilfreich könne dabei sein, den Sitzabstand zum Display zu vergrößern, so dass im Gesichtsfeld nicht nur der Fernseher ist, oder auch auf eine kleinere Bildschirmdiagonale umzusteigen.

Motion Sickness, also die klassische Reise- und Bewegungskrankheit, wie man sie von schaukelnden Schiffen oder der Fahrt auf kurvigen Straßen kennt, ist der Überbegriff für solche Phänomene. Immer geht es um unterschiedliche Wahrnehmungen von Augen, Gleichgewichtssinn im Innenohr oder Informationen über die Lage der Muskeln. «Wenn die Rückmeldungen dieser Systeme nicht übereinstimmen, gibt es einen Konflikt », erklärte der Forscher.

Bei der Gaming oder Cinerama Sickness signalisiert das Auge, dass man sich schnell bewegt, der Gleichgewichtssinn im Innenohr meldet aber stilles Sitzen. Die Folge: Übelkeit als Warnsignal, dass etwas nicht stimmt. Weitere Symptome: Schwitzen, Blässe, müde Augen, verschwommenes Sehen und Benommenheit, so der Psychologe. «Ein Erbrechen ist bei den visuellen Varianten der Motion Sickness aber sehr sehr selten.» Die Symptome könnten im ungünstigsten Fall noch bis zu zwei Tage anhalten.

Grundsätzlich leiden nicht viele Erwachsene an dem Phänomen. «Es ist ein großes Problem, vorherzusagen, wem schlecht wird und wem nicht», sagte Keshavarz. Erst einmal sei längst nicht jeder empfänglich für das Gefühl der scheinbaren Selbstwegung (Vection). «Nur, wer dieses Gefühl hat, dem kann überhaupt schlecht werden», so der Forscher.

Seine Probanden lässt Kesharvarz unter anderem vor einer Großbildleinwand virtuell Achterbahn fahren. Die Ergebnisse: Die Geschwindigkeit und die Frequenz der Bewegung im Bild spielen eine Rolle. «Rotationen um verschiedene Achsen untersuchen wir gerade.» Außerdem gilt: «Je größer das Bild, das Sie wahrnehmen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen schlecht wird.» Und: «Je näher jemand am Bildschirm sitzt, desto eher wird ihm schlecht.»

Fest stehe, dass Frauen eher übel wird als Männern. Außerdem seien kranke, erkältete Menschen anfälliger als gesunde, erklärte der Forscher. «Der Realitätsgrad ist nur eingeschränkt mit der Übelkeit verbunden.» Und auch eine hohe Auflösung befördert diese nicht, im Gegenteil: Bei schlechter Bildqualität wird mehr Leuten übel.

Quelle: ntv.de, dpa