Wirtschaft

Herbstgutachten 1,2 Prozent im Jahr 2010

Die deutsche Wirtschaft wird sich im kommenden Jahr nach Ansicht der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute besser entwickeln als bislang angenommen. Die Lage habe sich stabilisiert, doch bestünden weiter Risiken. Anders als die fünf Wirtschaftsweisen sehen die Institute Chancen für Steuersenkungen.

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Die Wirtschaft hat sich diesen Sommer wieder stabilisiert.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

In ihrem in Berlin vorgestellten Herbstgutachten rechnen die Institute wie bereits im Vorfeld angenommen für 2010 mit einem Plus der Wirtschaftsleistung von 1,2 Prozent. Für dieses Jahr gehen sie noch von einem Minus von 5,0 Prozent aus.

Kritisch sehen die Institute die Staatsverschuldung. Für das kommende Jahr fürchten sie eine nochmals deutlich höhere Verschuldung. Trotzdem sehen sie Chancen für Steuersenkungen. Sie warnen aber davor, diese auf Pump zu finanzieren. Entlastungen seien denkbar, würden aber "eine sehr ehrgeizige Sparpolitik" voraussetzen, heißt es.

Diese Aussage steht der der fünf "Wirtschaftsweisen" entgegen. Diese hatten in der Vorwoche vorausgesagt, dass Union und FDP mittelfristig nicht um Steuererhöhungen herumkommen würden.  Davor warnen die acht am Herbstgutachten beteiligten Institute ausdrücklich: "Eine größere Belastung mit Steuern und Sozialabgaben würde die Arbeitskosten erhöhen und die Arbeitsnachfrage dämpfen."

Sowohl die Institute als auch die fünf Wirtschaftsweisen beraten die Regierung in Wirtschaftsfragen. Die Bundesregierung will am Freitag ihre korrigierte Prognose vorstellen. Der Bund hat bisher ein Minus bei der Wirtschaftsleistung von sechs Prozent prognostiziert.

Kurzarbeit wirkt als Puffer

Das Auslaufen der Kurzarbeit treibt nach Einschätzung der Institute im kommenden Jahr die Arbeitslosigkeit nach oben. Der Höhepunkt des Stellenabbaus sei für den Jahresauftakt zu erwarten, weil dann viele Unternehmen über die Verlängerung der Kurzarbeit entscheiden müssten.

"Bei anhaltend schwacher Auftragslage ist es wahrscheinlich, dass sich viele Unternehmen zu Entlassungen durchringen müssen", so die Experten. Allerdings werde der Anstieg nicht so stark ausfallen wie noch vor einem halben Jahr befürchtet: Im Jahresschnitt erwarten die Wirtschaftsforscher 4,1 Mio. Arbeitslose und damit durchschnittlich 600.000 mehr als in diesem Jahr.

Der Arbeitsplatzabbau werde einerseits im Jahresverlauf durch die wieder anziehende Produktion gedrosselt. Zudem dürften die Firmen den Einsatz der Kurzarbeit weniger rasch zurückfahren als in früheren Rezessionen. Dabei spiele eine Rolle, dass die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes verlängert und die Zugangsbedingungen erleichtert wurden. Im Jahresschnitt sei daher immer noch mit 600.000 Kurzarbeitern zu rechnen, nach 1,2 Mio. 2009.

Der Konsum komme in der Folge weniger stark unter Druck als im Frühjahr befürchtet: Für kommendes Jahr sagen die Experten nun ein Minus von 0,2 Prozent voraus, nach minus 1,2 Prozent im April. Dabei profitierten die Verbraucher von steigenden Reallöhnen, weil die Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherung steuerlich abgesetzt werden können. Zudem dürften die Verbraucherpreise wegen der schwachen Konjunktur kaum steigen. Nach dem Ende der Abwrackprämie dürfte aber auch die Sparquote wieder zulegen.

Entscheidung zu Exitstrategien

In ihrem Gutachten fordert die Ökonomen desweiteren, jetzt über Ausstiegsstrategien aus den konjunkturfördernden Maßnahmen zu entscheiden. "Die Institute halten es für geboten, dass die wirtschaftspolitischen Instanzen bereits jetzt über Strategien entscheiden", wie die außergewöhnlichen Maßnahmen zur Bekämpfung von Finanzkrise und Rezession beendet werden sollten. Es gelte, "negativen Effekten für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung vorzubeugen".

Quelle: n-tv.de, ddi/dpa/rts/AFP

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