Wirtschaft

Seit Jahren ohne Perspektive 2,6 Millionen Deutsche dauerhaft in Hartz IV

67818188.jpg

1,4 Millionen Menschen in Deutschland leben seit mehr als acht Jahren in Hartz IV.

(Foto: picture alliance / dpa)

Für fast 2,6 Millionen Deutsche ist das Leben mit Arbeitslosengeld II der Normalzustand. Das belegen neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt seit über acht Jahren von Hartz IV - teilweise, obwohl sie einer Arbeit nachgehen.

Millionen von Menschen in Deutschland leben dauerhaft von Hartz-IV-Leistungen. Ende des vergangenen Jahres gab es rund 1,44 Millionen Bezieher, die bereits seit mehr als acht Jahren Arbeitslosengeld II erhielten, wie die "Saarbrücker Zeitung" unter Berufung auf Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) berichtete. Fast 2,6 Millionen Menschen erhielten die Leistung bereits länger als vier Jahre. Das waren rund 44 Prozent aller Hartz-IV-Empfänger.

Zu den Betroffenen zählen neben Langzeitarbeitslosen auch Beschäftigte, die so wenig verdienen, dass sie zusätzlich Anspruch auf Hartz IV haben, sowie Minderjährige in Bedarfsgemeinschaften, die nicht als erwerbsfähig gelten. Laut Bericht könnte die Zahl allerdings noch sehr viel höher liegen. Denn all jene langjährigen Bezieher von Leistungen, die zwar zunächst eine kurzfristige Beschäftigung hatten, aber nach mehr als 31 Tagen wieder arbeitslos wurden, sind in der Statistik nicht erfasst.  

Die Daten der Bundesagentur hatte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, angefordert. Sie kritisierte, dass der Regelsatz für Alleinstehende von 404 Euro im Monat - exklusive der Miete - viel zu knapp berechnet sei. Erst in der vergangenen Woche hatte das Bundeskabinett eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes um fünf Euro ab dem kommenden Jahr beschlossen. Für Paare soll es statt 364 dann 368 Euro pro Partner geben.

Erhöhung als minimal kritisiert

Grundlage der Berechnung ist eine neue amtliche Statistik über die Lebensverhältnisse von Privathaushalten, die der Hartz-Berechnung zugrunde gelegt wird. Auch der Anstieg von Preisen und Gehältern wird berücksichtigt. Einfließen würden laut Sozialministerium aber auch Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2014. Das Gericht hatte die Sätze als noch verfassungsgemäß gebilligt, aber Nachbesserungen angemahnt. So sollen nun Kosten für ein Auto besser berücksichtigt werden.

Der Sozialverband VdK Deutschland hatte die Erhöhung als minimal kritisiert. "Der Gesetzentwurf enttäuscht, da er keine signifikanten Verbesserungen bei der Ermittlungsmethode und somit schlussendlich für die Leistungsempfänger aufweist", sagte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Auch der Sozialverband Deutschland bezeichnete die Berechnungsmethode als ungenügend. Der wirkliche Bedarf werde nicht ermittelt, sagte Präsident Adolf Bauer. Der Paritätische Wohlfahrtsverband hatte eine Erhöhung auf 520 Euro verlangt.

Quelle: ntv.de, jug/AFP/dpa