Wirtschaft

Stabile Auftragslage in Europa ABB sitzt auf vollen Büchern

Der Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB kann im Unterschied zu seinem deutschen Rivalen Siemens nicht meckern. Die Orderbücher füllen sich weiter: Der Auftragseingang erhöht sich um neun Prozent. Ein stärkerer Dollar sowie Transaktionskosten und Abschreibungen brocken den Schweizern aber unterm Strich einen kräftigen Gewinnrückgang ein.

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ABB-Chef Joseph Hogan.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der anhaltende weltweite Stromnetzausbau und die fortschreitende Rationalisierung der Industrie nähren beim Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB den Optimismus. "Der makroökonomische Ausblick bleibt zwar unsicher, doch die positiven Entwicklungen in China, die anhaltende Stärke des US-Marktes und unsere robuste Performance in Europa stimmen uns im Hinblick auf den kurzfristigen Ausblick zuversichtlicher als noch vor drei Monaten", sagte Konzernchef Joe Hogan.

Zwar brach der Überschuss im zweiten Quartal wegen des stärkeren US-Dollars und Abschreibungen im Zusammenhang mit der Übernahme von Thomas & Betts um 27 Prozent auf 656 Mio. US-Dollar ein. Auch der Umsatz blieb mit einem Plus von sechs Prozent auf 9,7 Mrd. US-Dollar hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Der Auftragseingang der Züricher legte mit einem Anstieg von neun Prozent auf 10,1 Mrd. US-Dollar aber stärker als erwartet zu, während die Orders beim Münchner Rivalen Siemens um ein Viertel einbrachen.

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Hogan äußerte sich zufrieden: "Die Quartalszahlen machen deutlich, dass wir mit unserem ausgewogenen Geschäftsportfolio, unserer breiten regionalen Aufstellung und einem soliden Kostenmanagement auch in uneinheitlichen Märkten solide Ergebnisse erzielen können", erklärte er.

Die Anleger ließen sich von der Zuversicht des Managements anstecken: Die ABB-Aktie legte im frühen Handel knapp drei Prozent zu, während die Anteilsscheine von Siemens um gut drei Prozent nachgaben.

Starker Ordereingang aus China und USA

In fast allen Regionen investierten die Kunden weiter in die Modernisierung von Stromnetzen und die Steigerung der industriellen Produktivität, erklärte ABB. In den Energietechniksparten habe sich der Auftragseingang in den meisten Schlüsselmärkten wie den USA, Brasilien, China und Indien stabil gezeigt oder verbessert. Auch in Europa sei der Auftragseingang für Energietechnik stabil geblieben. Im Automationsgeschäft habe die Übernahme von Thomas & Betts ABB einen wesentlich besseren Zugang zum wichtigen nordamerikanischen Markt verschafft. Die Zuwächse in Ländern wie Großbritannien, Norwegen und in Osteuropa hätten zudem die rückläufige Industrietätigkeit in Südeuropa mehr als aufgehoben.

Die Ungewissheit hinsichtlich der kurzfristigen Wachstumsaussichten für Europa, die Schwellenmärkte und die USA mache es zwar weiterhin schwierig, verlässliche Prognosen für die kommenden Monate zu treffen, betonte ABB. Das Ergebnis des zweiten Quartals gebe aber aus mehreren Gründen Anlass zur Hoffnung. So sei der Auftragseingang in Europa robust geblieben. In China, wo die Nachfrage zuletzt schwach war, seien die Aufträge in wichtigen Energie- und Automationsgeschäften gestiegen, in den USA hätten die Orders über das gesamte Portfolio hinweg angezogen. Zudem gebe es Anzeichen dafür, dass der Preisdruck auf dem Markt für Energietechnik nachlasse.

Das Management sei deshalb vorsichtig optimistisch, dass im restlichen Jahresverlauf ein Wachstum und eine Rentabilität entsprechend den Zielen bis 2015 möglich sei, solange sich keine weiteren negativen Entwicklungen im makroökonomischen Umfeld ergäben. Der längerfristige Ausblick für die wichtigen Absatzmärkte von ABB bleibe positiv.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

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