Wirtschaft
Montag, 07. September 2009

Wirbel in der Branche: Abu Dhabi investiert in Chips

Das Emirat Abu Dhabi treibt die weltweite Konsolidierung in der Halbleiter-Branche voran. Das kleine Land am persischen Golf drängt damit weiter an die Spitze der internationalen Chipindustrie.

abudhabi.jpgDie staatseigene Advanced Technology Investment Company (ATIC) will den Auftragsfertiger Chartered Semiconductor aus Singapur für umgerechnet 1,8 Mrd. Dollar übernehmen, wie die Unternehmen in der Nacht zum Montag bekanntgaben.

Nur Monate zuvor hatte ATIC mehrheitlich die Fabriken des Prozessoren-Herstellers AMD übernommen und will diese mit Fremdaufträgen besser auslasten. In der Halbleiter-Industrie ist es wegen der enormen Investitionen weit verbreitete Praxis, dass Entwicklung und Produktion getrennt laufen.

Die Wirtschaftskrise hatte die Konsolidierung in der Chip-Branche noch beschleunigt. Denn mit einem Schlag war ein großer Teil des Geschäfts weggebrochen, milliardenschwere Verluste liefen auf, ohnehin schwankende Firmen wie der deutsche Speicherchip-Hersteller Qimonda gerieten ins Wanken.

Aktuell sucht der japanische Elektronikkonzern Toshiba eine Möglichkeit, seine Kosten bei den Chips zu drücken und erwägt laut der japanischen Wirtschaftzeitung "Nikkei" die Auslagerung von Teilen der Produktion an Chartered Semiconductor.

Neue Partner in Dresden

Die Übernahme könnte auch dem AMD-Gemeinschaftsunternehmen in Dresden einen neuen Partner bescheren: Das Emirat ist unter anderem auch an der AMD-Tochter Globalfoundries in der sächsischen Hauptstadt beteiligt. Eine Fusion mit Globalfoundries sei nicht ausgeschlossen, teilte der Staatsfonds ATIC weiter mit.

Mit der Übernahme in Singapur setzt Abu Dhabi seine Bemühungen fort, an die Spitze der internationalen Chipindustrie vorzudringen. Globalfoundries in Dresden begrüßte den Zukauf als einen wichtigen Schritt in diese Richtung. "Wir sehen das als eine ganz große Chance, schneller zum Marktführer aufzuschließen", sagte die Sprecherin von Globalfoundries Europa, Karin Raths, mit Blick auf den bisherigen Branchenprimus Taiwan Semiconductor Manufacturing (TSMC).

Zusammen mit dem heimischen Konkurrenten United Micro Electronics (UMC) beansprucht TSMC bisher rund zwei Drittel des 20 Mrd. Dollar schweren Foundry-Marktes. Als Foundry werden Auftragsfertiger bezeichnet, die ohne nennenswerte Entwicklung für andere Firmen Chips herstellen.

Der defizitäre Konzern Chartered Semiconductor in Singapur, der jetzt von Abu Dhabi umworben wird, produziert unter anderem Chips für die Spielekonsole Xbox 360 von Microsoft. Das Chartered-Direktorium will das Atic-Angebot annehmen. Parallel dazu verhandelt der japanische Elektronikkonzern Toshiba Kreisen zufolge mit Chartered und Globalfoundries über eine Produktionsauslagerung bei Halbleitern der nächsten Generation.

Abu Dhabi und die perfekte Ehe

"Die Übernahme erlaubt es Atic, die einander ergänzenden Geschäftsfelder von Chartered und Globalfoundries optimal zu nutzen", erklärte der Staatsfonds aus Abu Dhabi. Zu den angesprochen Geschäftsfeldern zählen demnach die Kundenbeziehungen und bestimmte Fertigungslinien von Chartered ebenso wie die Kompetenzen von Globalfoundries in den Bereichen innovativer Technologien, der Volumenfertigung und der globalen Organisation des Unternehmens.

Der größte Auftraggeber des Werks in Dresden mit rund 2600 Beschäftigten ist nach Angaben von Globalfoundries-Sprecherin Raths AMD selbst. Ende Juli sei aber auch eine Vereinbarung mit STMicroelectronics abgeschlossen worden. Advanced Micro Devices (AMD) hatte seine Werke - und damit auch den Standort in Dresden - in Globalfoundries ausgegliedert. Atic hatte insgesamt 2,1 Mrd. Dollar in das Joint Venture investiert und baut derzeit auch eine neue Anlage in New York.

Experten rechnen mit einer weiteren Konsolidierung bei den Auftragsherstellern, die noch nicht so weit fortgeschritten ist wie in der übrigen Chip-Branche. Der Halbleitersektor, in dem auch der deutsche Infineon-Konzern tätig ist, erholt sich gerade von einer schweren Krise.

Intel und AMD hoffen auf UmschwungAls Zeichen der weiteren Konsolidierung begann am Montag der Verkauf von Anteilen des weltweit nach Intel zweitgrößten Chipherstellers, Hynix. Bis Ende des Jahres solle ein Favorit für den defizitären Konzern feststehen, teilte die Korea Exchange Bank mit. Spekuliert wurde auch über ein Interesse von Samsung Electronics aus Südkorea an dem US-Konzern Rambus.

 

Quelle: n-tv.de