Wirtschaft

Sorgenfalten über der Lesebrille Analysten zur Deutschen Bank

Die Deutsche Bank blickt zufrieden auf das abgelaufene Jahr zurück: Das Investmentgeschäft läuft prächtig, und die befürchteten Kreditausfälle bleiben weitgehend aus. Trotz des imposanten Milliardengewinns runzeln Beobachter die Stirn.

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Verspiegelte Fassade: Bedenken, die dahinter geäußert werden, dringen selten an die Öffentlichkeit.

(Foto: dpa)

Deutsche Bank
Deutsche Bank 7,09

Die Deutsche Bank hat die Finanzkrise überraschend schnell hinter sich gelassen und im vergangenen Jahr fünf Milliarden Euro verdient. Grund für die rasche Erholung von den Rekordverlusten im Krisenjahr 2008 war die Anleiheflut klammer Staaten und Firmen, die dem Investmentbanking satte Erträge in die Kassen spülte. Im Schlussquartal kam das Kapitalmarktgeschäft allerdings etwas ins Stottern, da die Handelsaktivität im November und Dezember spürbar an Fahrt verlor. Zusätzlich belastete die angekündigte britische Bonussteuer - sie trieb die Personalkosten im Investmentbanking um 225 Mio. Euro nach oben.

Vor diesem Hintergrund fielen die Einschätzungen der Beobachter skeptisch aus. "Kritisch sehe ich vor allem die Marktanteilsverluste im Investmentbanking. Das macht nicht viel Hoffnung, dass die Deutsche Bank ihre hochgesteckten Ziele für 2011 erreichen wird", sagte zum Beispiel Bank-Analyst Dirk Becker von Kepler Capital Markets.

"2010 wird kein einfaches Jahr werden, vor allem nicht für Investmentbanken. Es gibt in jeder Division Baustellen, keine Sparte hat sich so entwickelt, wie ich erwartet habe", stellte Becker fest.

"Insgesamt sind die Zahlen leicht unter den Erwartungen", betonte auch Georg Kanders von der WestLB. "Insbesondere das Vorsteuerergebnis enttäuscht. Der Nettogewinn von 1,3 Mrd. Euro ist aber sehr positiv. Dadurch stärkt die Deutsche Bank ihre Kapitalbasis.

Wohl keine neuen Aktien

Der positive Effekt aus dem höheren Nettoergebnis wiege die Enttäuschung über das Vorsteuerergebnis auf, meinte der WestLB-Analyst. "Mit der jetzigen Kernkapitalausstattung dürften Spekulationen über eine baldige Kapitalerhöhung aufhören."

Auch in den Analyseabteilungen der Privatbanken ließ man sich nicht vom Überschuss des Branchenprimus ablenken. "Ich sehe die Zahlen mit gemischten Gefühlen", gestand Konrad Becker von Merck Finck & Co. Der höher als erwartete Nettogewinn sei natürlich positiv. "Enttäuschend sind aber die Erträge im Investmentbanking", hielt Becker fest. Sie seien im vierten Quartal stärker zurückgegangen als erwartet, insbesondere im Bereich Sales & Trading.

Abgemagerte Melkkuh

"Das wirft die Frage auf, wie diese Paradedisziplin für die Deutsche Bank in den nächsten Quartalen läuft. Sicher ist, dass 2010 kein einfaches Jahr für die Deutsche Bank wird. Es wird sicher schwieriger für sie werden, in 2010 die Ergebnisse von 2009 wieder zu erreichen."

In die selbe Kerbe schlug Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Die Ergebnisse im vierten Quartal lagen unter den Erwartungen. (...) Der Grund dafür waren geringe Umsätze in Sales & Trading. Die Zahlen enthalten eine Einmalbelastung von 225 Mio. Euro für die Bonus-Steuer im Vereinigten Königreich." Kayser spielt damit vor allem auf mögliche Belastungen aus zukünftigen Regulierungsvorhaben oder anderen Veränerungen in den Rahmenbedingungen an.

Quelle: n-tv.de, rts

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