Wirtschaft

Pleite in Medikamentenstudie Anleger strafen Morphosys ab

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"Der Wirkstoff war als einer der Hoffnungsträger für Morphosys gesehen worden", sagt ein Aktienhändler.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

In der Wirkstoff- und Medikamentenforschung arbeiten Pharmariesen und Biotech-Unternehmen Hand in Hand. Das drückt die Kosten – ein Garant für Erfolge sind die Kooperationen aber nicht. Morphosys-Anleger nehmen sich deshalb die Aktien zur Brust.

Aktien des Biotech-Unternehmens Morphosys kommen unter die Räder. Die Papiere des TecDax-Titels sackten in der Spitze um mehr als 13 Prozent ab. Sie waren damit im Tech-Index mit Abstand der größte Verlierer. Als Grund nannten Händler den Rückschlag in einer Medikamentenstudie. 

Wie Morphosys mitteilte, hat das mit dem Partner Novartis am weitesten entwickelte Medikamentenprojekt in der für die Zulassung relevanten klinischen Studie nicht die erhoffte Wirkung erzielt. Das Studienziel bei der Behandlung von Patienten mit der seltenen Muskelerkrankung sporadische Einschlusskörpermyositis (sIBM)  wurde nicht erreicht.

Aktienhändler: Verluste angemessen

Eine Entscheidung über das weitere Entwicklungsprogramm mit dem Antikörper Bimagrumab hat Novartis noch nicht getroffen. Sollte das Projekt endgültig floppen, entgehen Morphosys daraus erfolgsabhängige Zahlungen sowie die mögliche Umsatzbeteiligung an dem Medikament.

"Der Wirkstoff war als einer der Hoffnungsträger für Morphosys gesehen worden", sagte ein Aktienhändler auf dem Frankfurter Börsenparkett. Er hielt den deutlichen Abschlag deshalb für angemessen: Zweistellige Kursverluste seien angebracht. Immerhin habe der Zulassungsantrag für Bimagrumab noch dieses Jahr erfolgen sollen.

Tests auch in anderen Gebieten

Experten hatten Bimagrumab zur Behandlung von sIBM jährliche Spitzenumsätze von 400 bis 890 Millionen Dollar zugetraut. Bei einer Marktzulassung hätte Morphosys eine Umsatzbeteiligung von etwa fünf Prozent gewunken.

Morphosys arbeitet bereits seit 2004 mit Novartis zusammen. Die beiden Unternehmen haben derzeit insgesamt elf Antikörperprojekte in der klinischen Entwicklung. Bimagrumab zur Behandlung der sporadischen Einschlusskörpermyositis - eine Erkrankung, die durch fortschreitende Muskelschwäche- und Schwund gekennzeichnet ist - war am weitesten vorangeschritten. Das Mittel konnte in der Studie jedoch keine entscheidende Verbesserung der Beweglichkeit der Patienten erreichen. Derzeit gibt es noch keine zugelassene Behandlung für sIBM.

Novartis testet Bimagrumab auch noch in anderen Gebieten wie Muskelschwund nach Hüftoperationen. Derzeit laufende klinische Studien werden aktuell nicht gestoppt. Neben Novartis arbeitet Morphosys auch mit anderen großen Pharmakonzernen wie Roche, GlaxoSmithKline, Bayer und Boehringer Ingelheim in der Medikamentenforschung zusammen. Durch diese Kooperationen finanziert die Gesellschaft ihre firmeneigenen Antikörper-Projekte in den Feldern Krebs und entzündliche Erkrankungen.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ