Wirtschaft
Donnerstag, 21. Januar 2010

Opel bestätigt: Aus für Antwerpen

Die Geschäftsleitung will das Werk mit seinen rund 2500 Beschäftigten nun doch schließen. Der Schritt kommt nicht überraschend. Opel-Chef Nick Reilly hatte harte Einschnitte angekündigt. Der europäische Betriebsrat erklärte sich solidarisch mit Antwerpen. Die Entscheidung soll nicht einfach hingenommen werden.

Trauernde Opel-Mitarbeiter: Die Produktion in Antwerpen soll in einigen Monaten auslaufen.
Trauernde Opel-Mitarbeiter: Die Produktion in Antwerpen soll in einigen Monaten auslaufen.(Foto: REUTERS)

Der Autobauer Opel hat sich nach einer langen Hängepartie zu einer Entscheidung durchgerungen. Das Werk im belgischen Antwerpen wird nun doch geschlossen. "Wir sind uns der Tragweite bewusst, die diese Ankündigung für die Beschäftigten in Antwerpen und ihre Familien hat und fühlen mit ihnen", sagte Opel-Chef Nick Reilly nach der außerordentlichen Betriebsversammlung. Die Produktion soll in den kommenden Monaten auslaufen. Weitere Werksschließungen sind laut Reilly nicht geplant. In dem Werk in Antwerpen mit rund 2500 Beschäftigten wird der Opel Astra hergestellt.

In den vergangenen Tagen hatten sich die Medienberichte bereits gehäuft, dass der neue Opel-Chef in Antwerpen hart durchgreifen wird. Angeblich soll der entsprechende Beschluss, das Werk zu schließen, bereits Anfang der Woche gefasst worden sein.

Den Berichten zufolge wurden die Betriebsräte der europäischen Standorte am Montag in einer Telefonkonferenz vom Konzernbetriebsratsvorsitzenden Klaus Franz über Reillys Pläne informiert. Am Dienstag soll dann auch Opel-Chef Reilly selbst den Arbeitnehmervertretern gesagt haben, dass er die Schließung Antwerpens einleiten wolle. Das hatten mit den Plänen befasste Personen durchsickern lassen.

Der Schrecken ohne Ende ist zu Ende. Das Management darf sich wohl auf massive Proteste einstellen.
Der Schrecken ohne Ende ist zu Ende. Das Management darf sich wohl auf massive Proteste einstellen.(Foto: REUTERS)

Die Schließung von Antwerpen kommt nicht überraschend, auch wenn die in Antwerpen beschäftigten Opelaner die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben hatten. Schon seit längerem ist bekannt, dass die Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) den Standort schließen will. Reilly selbst hatte die Opelaner auf harte Einschnitte vorbereitet. Gelichzeitig hatte das neue Management aber stets betont, auch nach Alternativen für eine Schließung zu suchen.

Der Sanierungsplan von Opel sieht nach früheren Betriebsratsangaben aus Deutschland vor, im laufenden Jahr etwa 8300 der 48.000 Stellen in Europa abzubauen, vor allem in Deutschland und Belgien. Reilly will die Überkapazitäten in Europa um 20 Prozent kappen und die Kosten so weit senken, dass Opel und die Schwestermarke Vauxhall 2011 wieder die Chance haben, die Gewinnschwelle zu erreichen.

Die Schließung von Antwerpen sei ein "notwendiger Schritt" auf dem Weg zum Neuaufbau von Opel, sagte Reilly. Er spiegle "die harte Realität der derzeitigen Geschäftssituation" wider, so der Manager mit Blick auf die erwartete Schwäche des westeuropäischen Automobilmarktes in diesem Jahr. Die Wahl sei auf Antwerpen gefallen, da die dort produzierten Autos auch an anderen Standorten gefertigt werden könnten.

Ärger vorprogrammiert

Der europäische Betriebsrat von Opel will sich gegen die geplante Schließung des Werks im belgischen Antwerpen wehren. Die Beschäftigten würden bei der Sanierung von Opel keine Beiträge leisten, kündigten die Arbeitnehmervertreter an. "Wir solidarisieren uns mit den Kollegen in Antwerpen", hieß es in der Mitteilung.

Die Beschäftigten sollten europaweit jährlich 265 Mio. Euro an Lohnzugeständnissen erbringen. Allerdings hatten sie gefordert, dass Opel auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. In Antwerpen arbeiten rund 2600 Menschen.

Quelle: n-tv.de