Wirtschaft

Verdi erhebt schwere Vorwürfe Aus für Quelle war vermeidbar

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Die Entscheidung ist bereits gefallen - ob sie zwingend war, muss nun geklärt werden.

(Foto: AP)

Die Schließung des Versandhauses Quelle hätte nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi durch schnelleres und entschlosseneres Handeln verhindert werden können. "Das war zum Haare raufen! Diese Liquidation wäre nicht notwendig gewesen", sagte die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende, Margret Mönig-Raane, der "Passauer Neuen Presse". Die bayerische Staatsregierung habe sich sehr bemüht, dem Unternehmen über die schwere Zeit zu helfen. "Das hätte ich mir von allen Beteiligten gewünscht, auch von den Banken und von der Bundesregierung", sagte Mönig-Raane. So hätte Quelle mit einer Staatsbürgschaft geholfen werden können.

Entscheidend für das endgültige Aus für Quelle war nach Ansicht der Gewerkschafterin auch, dass die Abwicklung des Massekredits zum Druck des neuen Quelle-Katalogs nicht schnell genug erfolgt sei. Je mehr über die Probleme berichtet worden sei, desto mehr Kunden seien abgesprungen, sagte Mönig-Raane der Zeitung. Deshalb müsse jetzt ein einstmals solides und starkes Unternehmen abgewickelt werden. Davon seien tausende Mitarbeiter bei Quelle und in den Servicegesellschaften betroffen. Für sie forderte Mönig-Raane "schnelle und unbürokratische Hilfen". "Was an Weiterbildung, Qualifizierung und Vermittlung möglich ist, muss gemacht werden", sagte sie.

Letztes Kapitel aufgeschlagen

Innerhalb von wenigen Wochen soll das traditionsreiche Unternehmen nun abgewickelt sein. "Wir müssen funktionsfähig bleiben für die nächsten vier bis sechs Wochen", sagte Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Die meisten der verbliebenen Mitarbeiter würden schon zum 1. November keinen Lohn mehr erhalten. "Wir werden uns sehr bemühen, einen geordneten Ausverkauf zu machen", sagte Görg. Es soll vor allem im Internet starke Rabatte geben, um die Kunden zum Kaufen zu animieren.

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So leer wie dieses Regal sind die Lager bei Quelle noch nicht - starke Rabatte sollen das ändern.

(Foto: AP)

Der Insolvenzverwalter hatte keinen Investor für Quelle gefunden. Nun werden die meisten der 10.500 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren. Betroffen ist vor allem Bayern. Damit rückt die Frage nach der Zukunft der Mitarbeiter in den Mittelpunkt. Dazu wollen die bayerische Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) und der bayerische Arbeitsagentur-Chef Rainer Bomba Stellung nehmen.

Kontinuierlich sinkender Umsatz

Die Finanzierung der Transfergesellschaft, in der die Betroffenen weiterqualifiziert werden sollten, ist mit dem Quelle-Aus ebenfalls gescheitert. Viele der Mitarbeiter würden erstmal in die Arbeitslosigkeit gehen, sagte Bomba. "Einige hundert, vielleicht tausend werden wir vermitteln können, aber es gibt kein zweites Versandhaus, das die jetzt aufnehmen kann."

Ausschlaggebend für das Aus waren laut Görg die gescheiterten Verhandlungen über die Finanzierung des Versandgeschäfts, das sogenannte Factoring. Dabei werden die Kundenforderungen von der Hausbank vorfinanziert. Außerdem habe Quelle einen starken Kundenverlust verzeichnet. "Was wir am wenigsten erwartet hatten, war der kontinuierlich sinkende Umsatz", sagte Görg.

Quelle: n-tv.de, nne/AFP/dpa

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23.04.09