Wirtschaft

Die eigene Auflösung als Ziel Bad Bank der HRE liefert

Inzwischen trägt die Krisen-Bank einen neuen Namen.

Rund 5000 Kredite vermachte die HRE der "Bad Bank".

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Aufgabe ist schwierig: Toxische Papiere im Wert von 175 Milliarden Euro müssen zu Geld gemacht werden. Doch die Bad Bank der verstaatlichten HRE kommt voran. Dank niedriger Zinsen finden inzwischen selbst die schlimmsten Papiere wieder Interessenten.

Drei Jahre nach ihrer Gründung hat die Bad Bank der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate ein ungewöhnliches Problem: Je besser sie arbeiter, desto schneller verlieren die Beschäftigten ihren Job. Denn wenn die Abwicklungsanstalt die verwertbaren Altlasten der HRE wieder an den Mann gebracht hat, gibt es für sie nichts mehr zu tun. Geplant ist das Ende der FMS Wertmanagement zwar erst für 2020. Der Aufbau von neuen Stellen ist aber bereits abgeschlossen. "Wir haben den Zenit überschritten", sagt Vorstandschef Christian Bluhm. Die Auflösung der Bad Bank hat er schon fest im Blick.

Sorgen um ihre Zukunft müssen sich die derzeit rund 140 Mitarbeiter aber auch nach dem Ende der Bad Bank kaum machen - denn ihre Arbeit kann sich sehen lassen: Begonnen hatten sie Anfang Oktober 2010 wie ein Start-up-Unternehmen mit einer Handvoll Mitarbeitern und einer großen Mission. Sie sollten den Giftmüll der verstaatlichten Hypo Real Estate im Wert von 175 Milliarden Euro wieder zu Geld machen und die Steuerzahler in Deutschland damit vor horrenden Verlusten bewahren.

Risikopapiere für 47 Milliarden abgebaut

Bis jetzt gelang das sehr viel besser als erwartet. Inzwischen hat die Abwicklungsanstalt Risikopapiere und Kredite im Wert von rund 47 Milliarden Euro abgebaut. "Gigantisch", nennt Vorstandschef Bluhm die Summe. Er hätte selbst nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde als er das schwere Erbe der HRE übernahm - und erstmal geschockt war, was er in den Büchern fand. Finanzierungen für Mautbrücken, Zollstraßen und Tunnel gehörten zu den 5000 Krediten, die ihnen die HRE vermachte. "In Gold verwandeln lassen sich solche Portfolien nicht", fasste er damals zusammen.

Zu Hilfe kam ihm und seiner Mannschaft aber nun auch das günstige Umfeld: Investoren sind angesichts mickriger Zinsen wieder deutlich risikofreudiger geworden und greifen auch bei Anleihen oder Krediten zu, die früher kaum verkäuflich waren. Auch andere Bad Banks profitieren von diesem Effekt. In kleine Häppchen zerlegt, lassen sich derzeit sogar wieder Finanzprodukte zu Geld machen, die in der Krise als hochproblematisch galten. Auch das Geschäft mit großen Immobilienfinanzierungen für Einkaufscenter oder Bürogebäude in den USA läuft wieder rund. Für 2012 überwies die Abwicklungsanstalt dem Bund schon einen Gewinn von 17 Millionen Euro und auch für das laufende Jahr kann der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin mit einer Überweisung aus München rechnen.

Bund wird Anleihen übernehmen müssen

Trotzdem ist klar, dass die Aufgabe bis zum Schluss schwierig bleibt. Vor allem in Italien lauern noch immer hohe Risiken. "Unser Portfolio baut sich mitnichten von selbst ab", sagt Bluhm. "Unsere Leute sind in der ganzen Welt unterwegs, um das Geld zurückzuholen." Etliche Anleihen mit XXL-Laufzeiten wird er dem Bund hinterlassen müssen, wenn er die Tür der Abwicklungsanstalt eines Tages schließt.

Bei einem Verkauf unter Zeitdruck würden diese Langläufer zuviel Wert verlieren. Auf 70 Milliarden bis 80 Milliarden Euro schätzt er den Sockel, den er dem Bund am Ende als "stille Reserve" übergeben muss. "Aber das ist dann nicht mehr so schwer zu verwalten." Er war schon immer überzeugt davon, dass die Gründung der Abwicklungsanstalt der richtige Schritt war, um die HRE zu sanieren und später wieder zu verkaufen. "Ohne Bad Banks würden die aus der Krise entstandenen Lasten für den Steuerzahler zweifelsohne viel schlimmer ausfallen."

Quelle: ntv.de, sko/Daniela Wiegmann, dpa

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