Wirtschaft

Papiere im Rally-Modus Bankaktien: Trump löst Turnaround aus

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Der nächste Präsident der USA: Donald Trump.

(Foto: imago/UPI Photo)

An diesen Anblick müssen sich Anleger erst noch gewöhnen: Bankaktien sind wieder weit oben in den Gewinnerlisten zu finden. Zuletzt haben sich die Perspektiven für die Institute deutlich verbessert. Aber Risiken bleiben.

Selbst schlechte Nachrichten steckt die Aktie der Deutschen Bank derzeit weg. Die Verkaufsempfehlung der Citigroup zu Wochenbeginn belastete den Wert nur kurz. Stärker im Fokus stehen ohnehin die aktuellen Verhandlungen mit den US-Behörden. Mit etwas Glück könnte das Institut noch vor dem Amtsantritt von Donald Trump am 20. Januar 2017 eine Einigung im US-Hypothekenstreit erzielen.

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Als Kurskatalysator der vergangenen Wochen ist vor allem der kräftige Zinsanstieg zu sehen. Ausgehend vom Rekordtief im September legten die Papiere der Deutschen Bank um knapp 80 Prozent zu. Mit den steigenden Zinsen in Europa verbessern sich die Perspektiven für die hiesigen Institute, weil sich die Zinsmarge von sehr niedrigen Niveaus aus allmählich erholt.

Ende September lagen die Zinsen für zehnjährige deutsche Anleihen noch bei minus 0,15 Prozent, aktuell werden 0,27 Prozent aufgerufen. Noch kräftiger schossen zuletzt die Zinsen in den USA nach oben. Investoren setzen darauf, dass der künftige US-Präsident Donald Trump mit einem Billionenschweren Konjunkturprogramm die Wirtschaft deutlich ankurbeln und damit die Inflation kräftig anheizen wird. Entsprechend flüchten Investoren aus Anleihen, weshalb die Zinsen kräftig zulegen. Vom Zinsanstieg profitiert die Deutsche Bank zudem über ihr Handelsgeschäft. Mit den größeren Schwankungen am Anleihenmarkt steigt auch das Handelsvolumen. So legten die Umsätze am US-Anleihenmarkt im November um rund 17 Prozent gegenüber dem Oktober zu.

Kreditausfallversicherungen sinken

Rückenwind erfährt die Deutsche Bank auch von der Rally am Aktienmarkt. Die Frankfurter sind stärker als jedes andere hiesige Institut vom Investmentbanking abhängig. Die verbesserten Perspektiven für die Deutsche Bank spiegeln die Credit Default Swaps (CDS), also Kreditausfallversicherungen auf das Institut, wider. Damit sichern sich Investoren gegen einen Ausfall ab oder wetten eben genau darauf. Zuletzt sind die CDS von 254 Basispunkten im September auf 185 Basispunkte gesunken. Ein Basispunkt bei CDS zur Absicherung von zehn Millionen Euro für fünf Jahre gegen einen Ausfall bedeutet eine Zahlung von 1.000 Euro pro Jahr. Die Absicherung gegen einen Ausfall der Deutschen Bank kostet also "nur" noch 185.000 Euro pro Jahr. Damit ist der Preis zwar deutlich höher als bei etlichen Konkurrenten. Umso mehr sind Investoren aber erleichtert, dass die CDS auf die Deutsche Bank im Rückwärtsgang sind.

Wichtige Signalgeber

Ob die Rally bei den Bankaktien anhalten wird, dürfte frühzeitig die Entwicklung der Zinsstrukturkurve zeigen. Je höher der Zinsaufschlag für länger laufende Staatsanleihen im Vergleich zu kürzer laufenden, desto besser die Aussichten. Wenn der Zinsaufschlag steigt und die Zinsstrukturkurve steiler wird, deutet das auf eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Genau das ist in den vergangenen Monaten in den USA passiert: Inzwischen ist die Zinsstrukturkurve so steil wie letztmalig vor einem Jahr. Sollte sich der Trend fortsetzen, dürfte das die Bankaktien weiter stützen.

Die Frage ist allerdings, wie lange der Trend anhalten wird. Immerhin sind die Schulden des privaten Sektors, also der privaten Haushalte und der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, zuletzt auf den Rekord von 47 Billionen Dollar gestiegen. Das sind herbe 252 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Sollten Sorgen aufkommen, dass Trumps Konjunkturprogramm wegen der hohen Staatsverschuldung von knapp 20 Billionen Dollar möglicherweise etwas kleiner ausfallen könnte als bislang erwartet, könnte der Zinsanstieg deutlich langsamer werden, und gleichzeitig die Zinsstrukturkurve flacher. Das würde die Rally am gesamten Aktienmarkt und damit auch bei den Bankaktien ins Stocken bringen.

Anleger sollten die Entwicklung bei den Zinsen genau beobachten. Von ihr wird es hauptsächlich abhängen, wie es bei den Bankaktien weitergeht. Zumindest kurzfristig könnte der Aufwärtstrend bei den Papieren weitergehen.

Quelle: n-tv.de