Wirtschaft

Milde Strafen in Dublin Banker müssen Sozialarbeit leisten

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Das Finanzgebaren der Bank belastete den europäischen Steuerzahler mit rund 30 Milliarden Euro: Die Anglo-Irish-Bank wird abgewickelt (Archivbild).

(Foto: picture alliance / dpa)

Mehr als 600 Millionen Euro sollen die beiden Angestellten der irischen Skandalbank Anglo Irish in illegale Kreditgeschäfte gelenkt haben, um den wahren Zustand des Geldhauses zu vertuschen. Jetzt ist das Urteil gefallen.

Das Strafmaß erscheint bemerkenswert: Zwei Manager der früheren Anglo Irish Bank, die ein irisches Gericht des Kreditbetrugs für schuldig befunden hatte, müssen Sozialarbeit leisten. Die beiden Männer könnten ihre Strafe auf diese Weise ableisten, befand das Gericht in Dublin.

Die Rolle der irischen Finanzaufsicht sei in dem Fall so zwielichtig gewesen, dass es unfair wäre, die beiden Angeklagten nun ins Gefängnis zu stecken, hieß es. Gemessen an den Maßstäben des deutschen Strafrechts kommen die beiden Anglo-Irish-Banken damit vergleichsweise glimpflich davon. Die Ableistung von Sozialstunden kommt hierzulande vor allem bei jugendlichen Straftätern als sogenannte Erziehungsmaßregel zum Einsatz.

Dabei werden die beiden Anegklagten deutlich härter bestraft als ihr Vorgesetzter auf höchster Konzernebene: Der Anglo-Irish-Verwaltungsratschef Sean FitzPatrick war im selben Prozess freigesprochen worden. Ihm war vorgeworfen worden, den Börsenkurs der Bank geschönt zu haben.

Insgesamt weckt das Urteil unangenehmen Erinnerungen an eines der dunkelsten Kapitel aus den Zeiten der großen Finanzkrise ab 2008: Die Anglo Irish Bank hatte beim Beinahe-Zusammenbruch der irischen Finanzbranche eine Schlüsselrolle eingenommen. Die nun verurteilten Angestellten der Bank spielten dabei eine tragende Rolle.

Strohfeuer im Krisensturm

Die beiden Männer hatten im Juli 2008 Kredite an insgesamt 16 Investoren mit dem Ziel vergeben, dass die Kreditnehmer mit dem Geld wieder Aktien der Bank kaufen. So sollte der Börsenkurs des wankenden Instituts - illegal und wenig nachhaltig - gestützt werden.

Bei dem haarsträubenden Rettungsgeschäft zur Stabilisierung eines aus den Fugen geratenen Kreditinstituts ging es um ein Volumen von 619 Millionen Euro. Die Manager hatten auf "nicht schuldig" plädiert. Die Finanzaufsicht hatte selbst ein Interesse an den Stützungskäufen, sagte der Richter.

Inmitten der Finanzkrise musste die Bank mit einer Summe von 30 Milliarden Euro aus den Mitteln der öffentlichen Hand gestützt werden. Die Kraftanstrengung hatte dazu beigetragen, den irischen Staatshaushalt tiefer in den Schuldensumpf zu treiben, was das Euro-Land im Nordwesten des gemeinsamen Währungsgebiets ähnlich wie Portugal oder Griechenland an Rand eines Staatsbankrotts gebracht hatte.

Nicht als "Verachtung"

Die Anglo Irish Bank befindet sich inzwischen in der Abwicklung. In Deutschland war das Institut auch durch Telefonmitschnitte führender Bank-Angestellter bekannt geworden. Auf den Bändern war zu hören, wie irische Banker 2008 über die "Fucking Germans" sprachen - kurz bevor ihr Haus unter anderem auch durch Steuergeld aus Deutschland vor der Pleite bewahrt werden musste.

Die Bundesregierung investierte indirekt Milliarden in die Stabilisierung des irischen Bankensystems, um die EU vor schlimmeren Auswirkungen zu bewahren. Die Mitschnitte waren im vergangenen Sommer bekannt geworden. Der Vorfall schlug hohe Wellen: Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich empört über die irischen Pöbel-Banker. Vor Journalisten sagte sie, sie habe für die Äußerungen "wirklich nur Verachtung" übrig.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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