Wirtschaft

"Alternative zur Amazon-Marktmacht" Bastei-Lübbe an Weltbild-Teilen interessiert

Weltbild ist zusammen mit seinem Partner Hugendubel in Deutschland der zweitgrößte Buchhändler. Nach der Insolvenz stehen die Zeichen auf Zerschlagung. Nicht nur Bastei-Lübbe steht bereit.

Der Verlag Bastei-Lübbe hat Interesse, Teile des insolventen Medienunternehmens Weltbild zu übernehmen. "Sollte es zur Zerschlagung des Unternehmens kommen, könnten wir möglicherweise Teile des Online-Geschäfts weiterführen", sagte Bastei-Vorstand Thomas Schierack der Beilage "Christ und Welt" der Wochenzeitung "Die Zeit". Er würde gerne "eine Alternative zur Marktmacht" des Internethändlers Amazon etablieren.

Weltbild hatte zusammen mit Partnern ein eigenes Lesegerät für elektronische Bücher auf den Markt gebracht. Schierack sagte, Weltbild habe noch vor wenigen Jahren als "Vorzeigeunternehmen" gegolten. Der kirchliche Konzern sei überdies ein guter Kunde von Bastei-Lübbe.

Thalia steht bereit

Laut einem Bericht des "Manager Magazins" prüft auch der Eigentümer der Buchhandelskette Thalia, der Finanzinvestor Advent, einen Einstieg bei Weltbild. Voraussetzung sei eine Zerschlagung des insolventen Unternehmens, berichtete das Magazin unter Berufung auf nicht näher benannte Finanzkreise. Das Filialgeschäft, das knapp 30 Prozent des Umsatzes ausmacht, könnte infolge der Insolvenz Hugendubel zufallen. Die Buchläden sind bisher nicht von der Insolvenz betroffen. Der "WirtschaftsWoche" zufolge ist in der Satzung der DBH Buch-Handels-Gesellschaft, in der beide Partner ihr Filialgeschäft gebündelt haben, ausdrücklich geregelt, dass ein Gesellschafter Anteile einziehen kann, sollte der andere Insolvenz anmelden.

Ob Hugendubel davon Gebrauch mache, sei jedoch fraglich. So unterschieden sich die Sortimente von Weltbild und Hugendubel deutlich. Der Münchner Buchhändler Hugendubel hatte schon seit längerem eine Herauslösung seiner 77 Filialen aus dem DBH-Verbund angestrebt. "Die geplante Aufspaltung der DBH ist mit der Insolvenz von Weltbild vorläufig in der ursprünglichen Form hinfällig", sagte ein Hugendubel-Sprecher dem Magazin. Nun würden neue Szenarien geprüft und Gespräche mit Geschäfts- und Finanzierungspartnern geführt.

Noch keine Prognose

Weltbild ist mit 6300 Beschäftigten zusammen mit seinem Partner Hugendubel in Deutschland der zweitgrößte Buchhändler nach der Douglas-Tochter Thalia und hatte am 10. Januar Insolvenz angemeldet, nachdem die katholischen Gesellschafter eine weitere Finanzierung für die Sanierung abgelehnt hatten. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sagte Anfang vergangener Woche, er könne noch keine Prognose zu den Sanierungsaussichten abgeben.

Die Gesellschafter von Weltbild sind zwölf Bistümer, die Soldatenseelsorge Berlin und der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD). Das Unternehmen hatte seit längerem keine Gewinne mehr erwirtschaftet. Grund dafür war nach Unternehmensangaben die Umstellung zu einem Online- und Digitalgeschäft.

Quelle: n-tv.de, bad/AFP/rts