Wirtschaft

Erbauer der Allianz-Arena kriegt die Kurve nicht Bauriese Alpine ist pleite

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picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das österreichische Baukonzern Alpine Bau ist finanziell am Ende. Das Unternehmen, das hierzulande vor allem für den Bau der Münchner Allianz-Arena bekannt ist, meldet Insolvenz an. Die betroffenen Mitarbeiter müssen um ihre Jobs bangen. Zumindest für einige gibt es den ersten Hoffnungsschimmer: Ein Wettbewerber meldet Interesse am Österreich-Geschäft an.

Die Rettung der österreichischen Alpine ist gescheitert - das Salzburger Unternehmen hat beim Handelsgericht Wien Insolvenzantrag gestellt. "Der Antrag wurde von der Alpine Bau GmbH eingebracht", sagte ein Sprecher des Kreditschutzverbandes (KSV) am Morgen. Die Alpine Bau ist das wichtigste Unternehmen aus der Alpine-Holding-Gruppe.

Beabsichtigt sei die Sanierung und Fortführung des Unternehmens, hieß es. Die Alpine Bau GmbH beschäftigt rund 6500 Mitarbeiter, die gesamte Alpine-Gruppe rund 15.000 Personen im In- und Ausland.  Auf Grundlage eines von Restrukturierungsberatern erstellten Konzeptes soll nun versucht werden, einen Teil der Arbeitsplätze zu retten. Der Schaden beläuft sich ersten Schätzungen zufolge auf bis zu 2,6 Mrd. Euro. "Es ist vorstellbar, dass dies die größte Insolvenz der Nachkriegsgeschichte wird", sagte der Sprecher der KSV.

"Dieses Unternehmen ist nicht nur operativ das wichtigste der Alpine-Gruppe, an dem hängen auch bis zu 200 ausländische Tochtergesellschaften", hieß es weiter. Ob und wie viele dieser Töchter ebenfalls Insolvenz anmelden müssen, sei noch offen.

Bekannt ist der zweitgrößte Baukonzern Österreichs Alpine vor allem für den Bau seiner Fußballstadien. Das Unternehmen hat nicht nur die Münchener Allianz Arena gebaut, sondern zeichnete auch für die österreichischen Europameisterschaftstadien in Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt verantwortlich sowie für die polnischen EM-Stadien Danzig und Posen sowie für das Nationalstadion in Warschau. Aber auch im Infrastruktur- und im Hochbau sind die Salzburger aktiv.

Teile sollen verkauft werden

Unmittelbar nach der Insolvenzankündigung meldete der österreichische Wettbewerber Porr Interesse an Unternehmensteilen an. "Die Porr ist daran interessiert, Teile der Alpine oder ein Gesamtkonstrukt für Österreich sinnvoll zu übernehmen", sagte ein Sprecher. Die Auslandstöchter seien für die Porr nicht interessant, auch kein einziges Auslandsprojekt, ausschließlich die Österreich-Sparte, wie Porr-CEO Karl-Heinz Strauss dem österreichischen "Wirtschaftsblatt" sagte. Gespräche hierzu würden laufen. Porr rechnet noch mit weiteren Interessenten.

Österreichs größter Baukonzern Strabag hat kein Interesse an der insolventen Baufirma. Eine Übernahme von Teilen wäre kartellrechtlich problematisch, sagte eine Sprecherin.

Alpine ist im vergangenen Jahr unter anderem wegen der mauen Baukonjunktur und Verzögerungen bei wichtigen Projekten in Schieflage geraten. Allein bei seinen Anleihegläubigern steht Alpine mit 290 Mio. Euro in der Kreide.

Der Sprecher des österreichischen Kreditschutzverbands bezifferte die Passiva auf insgesamt 2,6 Mrd. Euro: Neben Verbindlichkeiten in Höhe von 1,7 Mrd. Euro kämen Garantien und Haftungen über rund 850 Mio. Euro hinzu. "Das ist im Baugeschäft so üblich, dass es zu einem größeren Projekt verschiedene Haftungen von Kreditinstituten gibt", sagte der KSV-Sprecher.

Zu den größten Kreditgebern von Alpine gehören die zur italienischen Bankgruppe UniCredit zählende Bank Austria sowie die Erste Group. Auch andere österreichische Kreditinstitute haben der Alpine Bau mit Haftungen unter die Arme gegriffen. "Diese Eventualverbindlichkeiten müssen nicht in voller Höhe schlagend werden, das kann auch nur die Hälfte sein", sagte der KSV-Sprecher. "Die 2,6 Mrd. Euro wären aus meiner Sicht ein Maximalbetrag."

Auch die Republik Österreich hat Haftungen im Ausmaß von 150 Mio.  Euro übernommen. Es sei aber noch nicht klar, in welchem Ausmaß diese wirksam werden würden. "Das hängt von der Quote ab und die steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums.  

Verkauf von Töchtern floppt

Erst im März hatte sich Alpine auf einen Rettungsplan mit seinen Gläubigern und der spanischen Mutter FCC geeinigt. FCC brachte 250 Mio. Euro ein, die Gläubiger verzichteten auf Forderungen über insgesamt 150 Mio. Euro. Doch wegen des schleppenden Verkaufs der Töchter Alpine-Energie, der Sanierungsbautochter Hazet und der Spezialtiefbau-Tochter benötigte der Baukonzern zusätzliche Unterstützung. Von dem Verkauf der Töchter hatte sich Alpine einem Insider zufolge einen Erlös von mehreren Hundert Millionen Euro erhofft.

Dass die Banken nun die Notbremse ziehen, kommt überraschend. Erst Anfang der Woche hatte sich Alpine zuversichtlich gezeigt, das Ruder doch noch herumreißen zu können und hatte über eine Verständigung über weitere Restrukturierungsschritte berichtet.

Gegründet wurde Alpine 1965, 2006 übernahmen die Spanier die Mehrheit. Seit vergangenen Jahr sind sie die alleinigen Eigentümer. Die spanische Konzernmutter FCC hat der österreichischen Zeitung  "Der Standard" zufolge in den vergangenen sieben Jahren bereits mehr als 700 Mio. Euro in Alpine gesteckt - inklusive Kaufpreis und Finanzspritzen. Dabei habe die 1903 gegründete FCC selbst Finanzprobleme.

Handel mit Anleihen ausgesetzt

Die Wiener Börse setzte nach der Insolvenzankündigung den Handel mit Anleihen des Baukonzerns aus. Die Orders würden gelöscht und müssten neu erteilt werden, teilte die Wiener Börse mit.

Alpine hat drei Unternehmensanleihen mit einem Volumen von 290 Mio. Euro auf dem Markt. Die Anleihen haben eine Laufzeit von fünf Jahren und sind mit 5,25 beziehungsweise sechs Prozent verzinst.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts/DJ

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