Wirtschaft
Montag, 05. Oktober 2009

Nach dem Tod von Reinhard Mohn: Bertelsmann bewahrt Tradition

15497249.jpgNach dem Tod von Bertelsmann-Patriarch Reinhard Mohn will der Konzern die partnerschaftliche Unternehmenskultur fortführen. "Diese Kultur, die die Partnerschaft zwischen Unternehmer und Mitarbeiter mit ihren vielfältigen Facetten in den Mittelpunkt stellt, ist das Fundament, auf dem Bertelsmann groß und außergewöhnlich erfolgreich geworden ist ­ und auf dem es auch nach dem Tode Reinhard Mohns weiter aufbauen wird", schrieb der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Hartmut Ostrowski, in einem Brief an die Mitarbeiter. Reinhard Mohn war am Samstag im Alter von 88 Jahren gestorben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte am Montag an, sie werde der Witwe Liz Mohn in einem persönlichen Gespräch ihr Mitgefühl und ihre Trauer ausdrücken. Die Kanzlerin habe eine sehr enge, vertrauensvolle Beziehung zur Familie Mohn, sagte Vize- Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Die Bundesregierung würdigte den Unternehmer als eine herausragende Persönlichkeit. Er habe eine Weltmarke geschaffen und die Bundesrepublik in den vergangenen Jahrzehnten mitgeprägt.

"Man muss Menschen überzeugen""Die Unternehmenskultur ist für uns das größte Vermächtnis Reinhard Mohns", schrieb Ostrowski. "Sie ist sein Lebenswerk ­ und wir alle profitieren jeden Tag davon." In einer Ansprache vor Mitarbeitern sagte Ostrowski am Montag: "Reinhard Mohn hat dafür Sorge getragen, dass die Kontinuität unseres Hauses auch nach seinem Tod gewahrt werden wird." Er habe Sorge getragen, dass der Vorstand, unterstützt von Aufsichtsrat und Familie, das Unternehmen sicher weiterführen könne.

"Unermüdlicher Einsatz"

Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Gunter Thielen, würdigte in einem Schreiben an die Beschäftigten den "unermüdlichen Einsatz" Mohns. Dieser sei auch nach seinem Tod ein Auftrag, "in seinem Sinne weiter zu wirken und auch in Zukunft mit seiner Stiftung wirkungsvolle Impulse für Veränderungen und Reformen zu setzen".

2msb0744.jpg7399777143417256776.jpgBis zuletzt war Reinhard Mohn Mitglied der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Bertelsmann AG und Mitglied des Kuratoriums der Bertelsmann Stiftung. Im Unternehmen und im Rathaus der Stadt Gütersloh wurden Kondolenzbücher ausgelegt.

Mohn steht für eine der großen Erfolgsgeschichten im Deutschland der Nachkriegszeit. Er leitete den Konzern von 1947 bis 1981 und repräsentierte zusammen mit seiner Ehefrau Liz Mohn die fünfte Generation der Unternehmer- und Stifterfamilien Bertelsmann und Mohn. Aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt, übernahm er 1947 ein marodes Unternehmen.

Die Erfolgsgeschichte begann mit der Idee des "Bertelsmann- Leserings" 1950. Mit 60 Jahren zog Mohn sich aus dem Tagesgeschäft zurück, 1991 gab er auch seinen Sitz im Aufsichtsrat auf und widmete sich ganz der 1977 gegründeten Bertelsmann-Stiftung. Die Mehrheit des Aktienkapitals der Bertelsmann AG ließ er 1993 auf die Bertelsmann Stiftung übertragen, die heute mit 76,9 Prozent größter Aktionär ist. Der Rest liegt bei der Familie, deren Sprecherin Liz Mohn ist.

Quelle: n-tv.de