Wirtschaft

Experten sind zuversichtlich Besonnenheit regiert an Pariser Börse

Die Marktreaktion auf den Terror von Paris fällt verhalten aus: kein Ausverkauf, kein Crash. Nach einem deutlicheren Abschlag zu Handelsbeginn berappeln sich die Kurse - auch an der Pariser Börse.

Die Börse in Paris zeigt sich unbeeindruckt von den jüngsten Terroranschlägen. Zwar starteten die Aktien im französischen Leitindex Cac 40 schwach, bereits im frühen Handel schmolzen die Verluste aber auf 0,1 Prozent zusammen. Der Index pendelte sich dann um den Stand von 4800 Zählern ein. Er zeigte sich damit kaum verändert. Zu Handelsbeginn hatte einen Abschlag von 1,2 Prozent aufgewiesen. Ein ähnliches Bild wies der Dax auf.

CAC40
CAC40 4.792,04

Zu den größten Verlierer gehörten die Papiere der Hotelkette Accor, die um zeitweise rund 6 Prozent absackte - am Ende aber mit einem Abschlag von knapp 2 Prozent aus dem Handel gingen. Ein Hotel des Konzerns musste Berichten zufolge am Samstag nach einem Bombenalarm kurz evakuiert werden. Dieser hatte sich als Fehlalarm erwiesen.

Nach den Attentaten mieden Anleger auch Aktien von Luxuskonzernen: Die Titel des Puma-Mehrheitseigners Kering büßten 1,6 Prozent ein, für LVMH - bekannt für Marken wie Louis Vuitton, Bulgari, TAG Heuer oder Hennessy - ging es um 1,8 Prozent nach unten.

Volkswirte zuversichtlich

Die Antwort des französischen Staates auf die Terroranschläge werde wohl in zusätzlichen Ausgaben für die Polizei und das Militär bestehen, schrieb Volkswirt Holger Schmieding von der Privatbank Berenberg. Kurzfristig jedoch dürfte sich dies wohl kaum auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auswirken. Derweil könnte die Notwendigkeit, auf diese ernste Herausforderung zu reagieren, zu einem etwas höheren Haushaltsdefizit führen.

Auch Volkswirt Malcolm Barr von der US-Bank JPMorgan sieht keine großen wirtschaftlichen Auswirkungen, falls die Anschläge nicht der Auftakt zu einer ganzen Terrorserie seien. Umsatzrückgänge im Einzelhandel, im Tourismus oder in der Reisebranche könnten zumindest teilweise durch steigende Ausgaben in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

"Die Erfahrung zeigt, dass solche Terrorakte die konjunkturelle Entwicklung in den westlichen Volkswirtschaften nicht aus der Spur bringen", erklärte ein Marktexperte. Unmittelbar nach den Anschlägen in London 2005 sei der private Konsum im Sommer genauso kräftig gestiegen wie im Schnitt der vier Vorquartale. Ähnlich sei dies auch nach dem Anschlag auf einen Bahnhof in der spanischen Hauptstadt Madrid im Jahr 2004 gewesen.

Bei Selbstmordattentaten und Bombenexplosionen in der Pariser Innenstadt am Freitagabend sind mindestens 129 Menschen ums Leben gekommen. Die französische Luftwaffe flog in Reaktion darauf ihre bislang schwersten Angriffe auf Stellungen des Islamischen Staats (IS) in Syrien. Frankreich gehört zu den Gründungsmitgliedern der US-geführten Koalition gegen den IS und hat sich seit dem Beginn an Luftangriffen im Irak und in Syrien beteiligt. Die Extremisten-Miliz bezeichnete die Attentate als Vergeltung dafür.

Quelle: ntv.de, bad/dpa/rts