Wirtschaft

Ist der Veggie-Hype vorbei? Beyond Meat legt Crash hin

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Seit dem Börsenstart Anfang Mai hat die Beyond Meat-Aktie, die zu 25 US-Dollar ausgegeben wurde, über 500 Prozent zugelegt.

(Foto: REUTERS)

Nach einer beispiellosen Börsenrally brechen die Aktien von Beyond Meat massiv ein. Analysten, die gerade noch das große Potenzial des veganen Burger-Herstellers angepriesen haben, stufen die Titel zurück. Wie verunsichert die Anleger sind, zeigen die dramatischen Kursausschläge.

Es war nicht klar, wann es passiert. Aber dass es passieren würde, stand wohl außer Frage: Nach einem Höhenflug von satten 500 Prozent innerhalb von fünf Wochen stürzten die Papiere des Börsen-Neulings Beyond Meat am Dienstag in New York über 25 Prozent ab.

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Es war der bislang schlimmste Börsentag des veganen Burger-Herstellers seit seinem Börsengang Anfang Mai. Zwei Milliarden Dollar Börsenwert lösten sich schlagartig in Luft auf. Viele Börsianer hielten die enorme Marktkapitalisierung der Aktien angesichts der Geschäftszahlen des Fleischersatz-Herstellers offenbar nicht mehr für gerechtfertigt.

Den Appetit auf die Aktie verdorben haben dürfte die US-Investmentbank JP Morgan Chase mit ihrer neuen Aktienempfehlung, in der sie die Titel von "Übergewichten" auf "Neutral" zurückgestuft hat. Die Analysten sind nicht nur überzeugt, dass die Konkurrenz auf dem Markt für Fleischersatz "aggressiver" werden wird. Sie weisen auch darauf hin, dass nach Ablauf der sechsmonatigen Sperrfrist im Oktober 2019, mehr Aktien von Beyond Meat verfügbar sein werden, was den Preis zusätzlich belasten dürfte. Das "außergewöhnliche Umsatz- und Ergebnispotenzial" werde durch den aktuellen Wert der Aktie deshalb nun gespiegelt, hieß es.

Viele Finanzmarktteilnehmer erwischte diese Herabstufung auf dem falschen Fuß. Zwar hatten die Titel in den vorangegangenen beiden Handelstagen noch einmal gigantische 70 Prozent zugelegt. Aber nur eine Woche zuvor hatte JP Morgan in einer Studie auch sehr viel Optimismus verbreitet. Die Wachstumsmöglichkeiten seien "außergewöhnlich", hieß es da. Aufgrund seiner langen Erfahrung könnte das 2009 gegründete Unternehmen die Produktionskosten schneller senken als die Konkurrenz. In 15 Jahren könne der Markt auf 100 Milliarden US-Dollar explodieren und der Umsatz von Beyond Meat im selben Zeitraum auf 5 Milliarden US-Dollar nach oben schießen.

Warnungen in den Wind geschrieben

Laut der jüngsten Kursempfehlung von JP Morgan liegt der faire Wert nun bei 121 US-Dollar. Bei zuletzt 133 Dollar an der Nasdaq gibt es somit immer noch Luft nach unten. Andere Analysehäuser sind weitaus zurückhaltender. Die Empfehlungen von Jefferies und Goldman Sachs zum Beispiel lauten auf "Halten" beziehungsweise "Neutral". Das mögliche Potenzial von Beyond Meat sei "mehr als fair eingepreist", heißt es bei Goldman Sachs. Weil es "erhebliche Risiken" bei der anvisierten Produktionssteigerung und der Abgrenzung von Wettbewerbern gebe, liegt das Kursziel bei lediglich 67 US-Dollar.

Trotzdem spekulieren Anleger auf mehr. Einen Tag nach dem Crash notiert das Papier schon wieder sieben Prozent höher. Dass Beyond Meat noch keinen Gewinn macht, stört dabei offenbar immer noch nicht. In den Büchern steht ein Verlust von knapp sieben Milliarden US-Dollar. Und die Konkurrenz schläft nicht: Impossibel Foods zum Beispiel hat eine Kooperation mit Burger King geschlossen. Außerdem wollen große Lebensmittelmultis wie Tyson Foods - der bislang Lebensmittel aus Rind-, Schweine- und Hähnchenfleisch entwickelt hat - sowie Nestlé ebenfalls eigene fleischlose Alternativen testen. All das dürfte das Wachstum von Beyond Meat in Zukunft bremsen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Beyond Meat mit seiner Produktion nicht hinterherkommt, die Nachfrage ist schon jetzt zu hoch. Das Unternehmen wird seine erste Fabrik in Europa erst 2020 in den Niederlanden eröffnen. Von dort soll dann der europäische Markt bedient werden. Es ist ein Rennen gegen die Uhr.

Ruhe wird deshalb vorerst wohl nicht einkehren. Auch aus einem anderen Grund steht der Börsen-Hype um Beyond Meat auf tönernen Füßen. Ignoriert wurden zum Beispiel die Warnungen, dass die Kursexplosion in den vergangenen Wochen auf das Konto eines sogenannten Short Squeeze ging. Spekulanten, die nach den deutlichen Kurssteigerungen auf fallende Kurse gewettet und Aktien leer verkauft hatten, mussten ihre Positionen bei gleichzeitig steigenden Kursen glatt stellen - was die Kurse weiter in die Höhe trieb. Die jüngste Kurskorrektur kam mit Ansage.

Prominente fachen den Hype an

Der Börsenhype von Beyond Meat hat allerdings auch andere Gründe. Rasantes Umsatzwachstum, zuversichtlicher Ausblick, prominente Fans: Es ist der Cocktail aus dem Börsen-Fantasien gemixt sind. Dass Microsoft-Mitgründer Bill Gates oder Hollywood-Star Leonardo DiCaprio als Investoren und Fürsprecher an Bord sind, hat der Kursentwicklung sicherlich ebenfalls viel Schub gegeben.

Aber manchen Anleger führt das vielleicht auch in die Irre. Alleinstellungsmerkmale zu verteidigen, den Massenmarkt in Hypergeschwindigkeit zu überrollen, bevor die Konkurrenz aufschlägt, ist für junge Unternehmen immer ein Wettlauf gegen die Zeit. Diese Lektion haben schon andere Börsen-Lieblinge schmerzhaft erfahren.

Auch Tesla wurde immer wieder gehypt und fallen gelassen. Der E-Auto-Pionier, der ein Startup unter den Auto-Giganten geblieben ist, kommt bei seiner Produktion nur schwerfällig voran. Gleichzeitig belastet das Wachstum die Finanzen. "Es ist schwierig, mit einer hohen Wachstumsrate profitabel zu sein", räumte Tesla-Chef Elon Musk erst jüngst ein. Auch er hat seine Erfahrungen mit Shortsellern gemacht. Tesla gehört zu den Aktien, gegen die in den USA am häufigsten gewettet wird.

Angeblich hat das jedoch auch seine Vorteile. Es gibt Experten, die Leerverkäufe als wichtiges Korrektiv am Markt verteidigen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass Leerverkäufer Kursexzesse nach oben abschwächen. Im besten Fall platzen die Spekulationsblasen und die Aktienbewertungen fallen auf ein gesundes Niveau. Frei von Turbulenzen wird dieser Weg auch für Beyond Meat nicht sein.

Quelle: n-tv.de

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