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Montag, 04. August 2014

Managementfehler vorgeworfen: Bilfinger-Chef Roland Koch wirft hin

Es ist eine schlechte Nachricht zu viel: Deutschlands zweitgrößter Baukonzern muss unter Roland Kochs Führung erneut seine Gewinnziele revidieren. Koch zieht die Konsequenzen und tritt zurück. Sein Nachfolger wird ein alter Bekannter.

Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch tritt überraschend als Chef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger zurück. Wie der MDax-Konzern mitteilte, soll Koch zum 8. August ausscheiden und vorübergehend durch das Mitglied des Aufsichtsrates, Herbert Bodner, ersetzt werden. Bodner hatte bereits vor dem Amtsantritt Kochs Mitte 2011 an der Spitze von Bilfinger gestanden. Nach Zustimmung des Aufsichtsrats am Donnerstag will Koch am Freitag seinen Posten niederlegen.

Hintergrund ist eine erneute Gewinnwarnung. Wegen einer nochmals reduzierten Ergebnisprognose in der Kraftwerkssparte muss der Konzern seine Gewinnvorhersagen abermals anpassen. Ende Juni hatte Bilfinger seine Ziele schon einmal revidiert. Nun gehen die Mannheimer von einem um 25 Millionen Euro reduzierten bereinigten Konzernergebnis zwischen 205 und 220 Millionen Euro aus. Gleichzeitig habe es Unstimmigkeiten mit dem Aufsichtsrat über den künftigen Kurs des Konzerns gegeben, erklärte Koch in einer Mitteilung des Unternehmens.

"Das Vertrauen ist erschüttert"

"Für ein unverändert erfolgreiches Unternehmen wie Bilfinger ist Berechenbarkeit am Kapitalmarkt ein wichtiges Gut", erklärte Koch der Mitteilung zufolge. "Durch zwei kurz aufeinanderfolgende Gewinnwarnungen, für die ich als Vorstandsvorsitzender einstehe, ist dieses Vertrauen erschüttert." Er hoffe, mit seinem Rücktritts-Angebot eine schnelle Normalisierung herbeiführen zu können, und sei von der erfolgreichen Zukunft des Unternehmens überzeugt.

Vertreter der Anteilseigner hatten zuvor einem Vorschlag des Aufsichtsrates zugestimmt, ein vorzeitiges Ausscheiden Kochs zu empfehlen. Am Donnerstag soll das Kontrollgremium den Schritt dann offiziell beschließen.

Vom 11. August 2014 an bis zum 31. Mai 2015 soll Aufsichtsratsmitglied Herbert Bodner interimistisch den Vorstandsvorsitz übernehmen. Sobald ein Nachfolger für Koch gefunden ist, soll Bodner wieder in den Aufsichtsrat zurückkehren, hieß es.

Koch setze auf Sparkurs

Vor drei Jahren hatte Koch als Seiteneinsteiger die Führung bei Bilfinger übernommen. Seither brachte er mehrere Umstrukturierungs- und Sparprogramme auf den Weg. Im Herbst 2013 kündigte das Unternehmen an, 1250 von weltweit insgesamt 9000 Stellen zu streichen. Rund 800 davon waren in Deutschland angesiedelt. Ende Juli hatte der IG-Metall-Vorstand und bisherige Bilfinger-Aufsichtsrat Holger Timmer dem Ex-Politiker in der "Wirtschaftswoche" gravierende Managementfehler vorgeworfen.

Bilfinger hat derzeit vor allem Probleme mit den Folgen der Energiewende. Besonders stark ist die zur Kraftwerkssparte gehörende Fertigung von Hochdruckrohrleitungen betroffen.

Das Mannheimer Unternehmen setzte mit dem Hochdruckrohrleitungs-Bau zuletzt rund 400 Millionen Euro um. Für die jüngste Gewinnwarnung war nach Konzernangaben auch ein verlorener Auftrag in Südafrika verantwortlich.

Quelle: n-tv.de