Wirtschaft

Die Macht der Ratingagenturen Bofinger gegen S&P gegen Politik

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"Das Hauptproblem ist die mangelnde Bereitschaft der Politik zu grundlegenden Lösungen", sagt der Wirtschaftsweise Peter Bofinger.

REUTERS

Die Entscheidungen der Ratingagenturen polarisieren: Während Moody's Portugals Kreditwürdigkeit deutlich herunterstuft, verteidigt der S&P-Deutschlandchef Hinrichs das Vorgehen der Agenturen in der Schuldenkrise. Der Wirtschaftsweise Bofinger fordert eine "grundlegende Lösung" - von der Politik.

Griechenland mehrmals herabgestuft, nun bei Portugal das gleiche Vorgehen: Die Kritik an den Ratingagenturen wächst deutlich. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat die Schlüsselstellung der Ratingagenturen in der Griechenland-Krise kritisiert und die Euro-Länder zum Gegensteuern aufgefordert. "Das Hauptproblem ist die mangelnde Bereitschaft der Politik zu grundlegenden Lösungen", sagte Bofinger der "Saarbrücker Zeitung".

Für die Währungsunion sei ein einheitliches Finanzierungsinstrument notwendig. "Es würde schon reichen, griechische Anleihen in Anleihen des Euro-Rettungsfonds zu tauschen. Dann wäre die Macht der Ratingagenturen über Griechenland gebrochen", meinte Bofinger. "Nur handelt es sich dabei um eine Art Vorstufe für Euro-Bonds, und da winken finanzstarke Euro-Länder wie Deutschland ab", fügte er einschränkend hinzu.

Nach Ansicht Bofingers lassen sich Ratingagenturen prinzipiell durch andere Instrumente zur Begutachtung der Kreditwürdigkeit ersetzen. "Nötig wären dann ein umfassendes eigenständiges Rating der Banken und Versicherungen und eine akribische Überprüfung dieser Ergebnisse durch die staatliche Finanzaufsicht", erläuterte der Experte.

Schäuble fordert Konsequenzen

Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kritisierte das Vorgehen der Ratingagentur im Fall Portugals scharf und forderte Konsequenzen. Die Herabstufung des hoch verschuldeten Landes sei sachlich nicht begründet, sagte Schäuble und fügte hinzu: "Wir müssen den Einfluss der Ratingagenturen begrenzen." Das Oligopol von Moody's, Fitch und Standard & Poor's müsse gebrochen werden.

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Ratingagenturen haben's derzeit nicht leicht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Bundesregierung sei von der Herabstufung genauso überrascht worden wie viele andere Akteure auch, sagte Schäuble. Portugal sei bei der Umsetzung des von der EU und dem Internationalen Währungsfonds gefordertem Sparpakets auf Kurs und sei dem Zeitplan sogar voraus.

S&P verteidigt sich

Die US-Agentur Standard & Poor's konterte in der Diskussion um die Macht der Ratingagenturen. S&P- Deutschlandchef Torsten Hinrichs verteidigte seine Branche: "Wir stufen Länder nicht immer herab, wenn sie Geld einsammeln müssen, sondern wir haben eine kontinuierliche und andauernde Überwachung aller Schuldner an den Märkten", sagte er der "ARD".

Die Bewertung von Ländern und anderer Kapitalmarktteilnehmer sei "absolut wichtig" für Investoren. "Nur so ist gewährleistet, dass die Investoren sich ein breites Bild machen können über die Qualitäten an den Kapitalmärkten und eine Wahl treffen können, in welche Papiere sie investieren wollen."

Weltweit gebe es rund hundert Ratingagenturen, sagte der Deutschlandchef von S&P. "Die Bedeutung, die den großen Dreien weltweit zugemessen wird, haben diese sich erarbeitet über die Treffgenauigkeit ihrer Ratings über die letzten Jahrzehnte."

"Ramsch" aus Portugal

Die Ratingagentur Moody's hatte am Dienstag die langfristigen Staatsanleihen von Portugal um vier Stufen von "Baa1" auf "Ba2" abgestuft - und damit auf "Ramsch"-Niveau. Diese Anleihen gelten somit nun als "nicht geeignet für ein Investment".

Die Agentur begründete ihre Entscheidung unter anderem mit dem gestiegenen Risiko, dass Portugal vor der Rückkehr an den Kapitalmarkt ein zweites Hilfspaket beantragen müsse. Zudem nehme die Wahrscheinlichkeit zu, dass eine Einbeziehung des privaten Sektors die Voraussetzung für das Zustandekommen eines solchen Pakets wäre.

Darüber hinaus besteht laut Moody's das Risiko, dass Portugal die nicht in der Lage sein werde, die mit Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU vereinbarten Ziele zur Reduzierung von Defizit und Verschuldung voll zu erreichen.

Quelle: n-tv.de, bad/rts/dpa

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