Banker auf den BarrikadenBranche gegen Boni-Bremse
Die internationale Finanzbranche stemmt sich gegen den britischen Plan einer 50-prozentigen Sondersteuer auf Banker-Boni. Hinter den Kulissen versuchen Branchenvertreter das Schlimmste zu verhindern.
"Steuern sind grundsätzlich ein sehr stumpfes Instrument", sagte Richard Waugh vom Internationalen Bankenverband IIF bei der Vorstellung eines von ihm mitverfassten Zwischenberichts über Reformen der Branche. Der Chef der kanadischen Bank of Nova Scotia warnte vor ungewollten Nebenwirkungen solcher Maßnahmen.
Die Institute befürchten, dass unterschiedliche Vergütungsregeln in einzelnen Ländern zu Wettbewerbsverzerrungen führen. "Wir brauchen weltweit gleiche Bedingungen", betonte Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, der ebenfalls an dem IIF-Bericht mitgearbeitet hat.
Die britische Regierung hatte am Mittwoch die Finanzwelt in der Londoner City mit dem Plan schockiert, Banker-Boni von mehr als 25.000 Pfund auf der Arbeitgeberseite mit einer zusätzlichen 50-prozentigen Sondersteuer zu belegen.
An der kurzen Leine
Dies wäre das bislang härteste Vorgehen weltweit gegen exzessive Prämien in der Finanzbranche, die wegen ihrer kurzfristigen Ausrichtung als eine Ursache für die schwere Krise der vergangenen beiden Jahre gelten. Die Regierung in London musste einige Banken mit Milliardensummen stützen.
Nach Einschätzung von Beobachtern will die Labour-Regierung ein halbes Jahr vor den Wahlen mit einem harten Vorgehen gegen die stark kritisierten Banker-Boni bei den Wählern punkten.
Medienberichten zufolge plant Frankreich ein ähnliches Vorgehen. In Deutschland, wo die Millionengehälter auf der Empfängerseite bereits mit dem Spitzensatz von fast 50 Prozent besteuert werden, sind bislang keine Pläne für eine Sonderabgabe bekannt.
Deutschland ziert sich
Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" ist die schwarz-gelbe Koalition gegen eine solche Maßnahme. Bundesbank-Präsident Axel Weber sprach sich in dieser Woche auch gegen eine Sondersteuer aus. Wichtiger sei es, die Anreizstrukturen in den Banken stärker am langfristigen Erfolg auszurichten, sagte er. Dies erreiche man nicht mit einer Besteuerung der Boni.
Als Reaktion auf die Krise haben die deutschen Großbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank bereits Änderungen in ihren Vergütungsstrukturen angekündigt. Sie werden ihre Prämien künftig nicht mehr an kurzfristigen Gewinnen, sondern am langfristigen Erfolg und an den Risiken ausrichten. Dabei kann der Bonustopf in Verlustjahren auch wieder schmelzen. Wie der IIF unterstützt auch der deutsche Bankenverband BdB die Bemühungen, die Boni stärker langfristig auszurichten.