Wirtschaft

Porto de Santos Brasiliens Hafen-Flaggschiff

Santos_Hafen.jpg

Santos ist der größte Hafen Lateinamerikas.

(Foto: ZB)

José Roberto Correia Serra muss oft aufstehen, wenn er Besuchern die Entwicklung des Hafens von Santos erklären will. In seinem Büro hängt direkt gegenüber dem Schreibtisch eine Panorama-Luftaufnahme vom größten brasilianischen Hafen. Sie misst etwa zwei Mal zweieinhalb Meter, ist aber schon drei Jahre alt.

 

Hafen_Santos.jpg

Santos sieht sich als Multifunktionshafen.

(Foto: REUTERS)

Es hält den Präsidenten der staatlichen Hafengesellschaft CODESP deshalb nicht lange auf dem Stuhl, wenn er über die Veränderungen der letzten Jahren spricht. Noch öfter läuft Serra zu dem Bild, wenn er über die Zukunft spricht: Neue Container-Terminals, Fahrrinnen-Vertiefung, Ausbau der Liegeplätze. "In den nächsten vier bis fünf Jahren stehen etwa fünf Mrd. Reais (1,7 Mrd. Euro) an privaten und staatlichen Investitionen an", sagt der frühere Hafen-Vizeminister.

 

Santos_Hafen_Container.jpg

2008 wurden in Santos 81 Mio. Tonnen umgeschlagen.

(Foto: REUTERS)

Der "Porto de Santos" ist auch der größte Hafen Lateinamerikas. Über ihn werden rund 27 Prozent aller Im- und Exporte Brasiliens abgewickelt. Güter im Wert von 92 Mrd. US-Dollar gingen 2008 über die insgesamt 13 Kilometer langen Kaikanten. Soja, Zucker, Gefrierfleisch, Mehl, Autos, Schwefel, Düngemittel - das Portfolio ist groß. Allerdings spielt Santos mit einem Umschlag von 81 Mio. Tonnen (2008) international in der unteren Liga. "2009 wäre ein Ergebnis auf Vorjahresniveau wirklich ein gutes Resultat", sagt Serra. Ein Hafen wie Hamburg schlug 2008 rund 140 Mio. Tonnen um, und der internationale Spitzen-"Port of Singapur" meldet jährlich mehr als 500 Mio. Tonnen.

 

Dennoch steigerte der knapp 70 Kilometer südlich von Brasiliens pulsierendem Wirtschaftszentrum São Paulo gelegene Hafen seit 2005 seinen Umschlag um knapp zehn Mio. Tonnen. Weniger stürmisch verlief dagegen das Container-Geschäft, das 2008 bei knapp 2,7 Mio. Standardcontainern (TEU) lag, aber durch die Krise deutlich in die Flaute geriet: Rund 26 Prozent Minus lautet die ernüchternde Bilanz im ersten Quartal 2009. Trotzdem sind die Erwartungen Serras groß: "Bis 2015 rechnen wir mit mehr als einer Verdopplung des Container-Umschlages auf sechs Mio. TEU." Von Reeder-Seite wird dies als "sehr, sehr optimistisch" gewertet. Die Branche rechnet zwar auch mit einer Verdopplung des maritimen Verkehrsvolumens - allerdings in einem Sieben-Jahres-Rhythmus.

 

Die deutsche Großreederei Hamburg Süd orderte vor drei Jahren zehn neue 7000 TEU fassende Containerschiffe für ihre Südamerika-Flotte, die bis 2011 in Dienst gestellt werden. Der Regionaldirektor des Südamerika-Ostküsten-Geschäftes von Hamburg Süd, Julian Thomas, erwartet derzeit allerdings einen Rückgang im Container-Geschäft von 15 Prozent für 2009. "Die nächsten zwei Jahre werden eher schwach." 2008 war Hamburg Süd mit einem Umschlag von 1,4 Mio. Containern Marktführer an der Ostküste.

 

Trotz des deutlichen Rückgangs im Segment Container seien in Santos die Terminal-Gebühren, eine der wesentlichen Kostenfaktoren für Reedereien, aber nicht gesunken. "In Buenos Aires sind die Gebühren dagegen massiv gefallen", sagt Thomas mit Blick auf die konkurrierenden Terminalbetreiber in der argentinischen Hauptstadt. In Santos seien die Terminals wegen der viel zu geringen Stellplatz-Kapazität trotz des deutlichen Volumenrückgangs immer noch weitgehend ausgelastet. Die Betreiber stünden deshalb weniger unter Druck.

 

Bis 2010 soll die Fahrrinne des Seekanals, die derzeit 13,10 und 13,40 Meter Tiefe misst, durchgängig auf 15 Meter vertieft werden. "Darauf warten wir dringend", sagt Thomas. Dann könnten die Schiffe voll beladen die Terminals anlaufen. Die neuen 7000 TEU-Schiffe haben einen Tiefgang von 13,50 Meter, brauchen aber darüber hinaus zur Sicherheit immer eine satte "Handbreit Wasser unter dem Kiel".

 

In Brasiliens Hafen Nummer Eins werden nicht nur Container sowie Schütt-, Stück- und Flüssiggut umgeschlagen. "Wir sind ein Multifunktionshafen", sagte Serra. Und so arbeitet Santos auch an seinem Ruf als Kreuzfahrt-Hub und denkt wegen der "gewaltigen Nachfrage" (Serra) an den Ausbau der Kapazitäten. In der Saison 2008/2009 zählte Santos 757.000 Passagiere und damit fast 30 Prozent mehr als in der Saison zuvor. Das Kreuzfahrt-Ziel Brasilien ist beliebt: 2010 wird erstmals auch das zur Carnival-Gruppe gehörende Rostocker Kreuzfahrtunternehmen Aida Cruises am Passagier-Terminal in Santos anlegen.

Quelle: n-tv.de, Helmut Reuter, dpa