Wirtschaft

Gemeinschaftswährung am Ende? Briten entscheiden auch über Euro

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Was geschieht, wenn die Briten aussteigen? Ein Szenario ist das Auseinanderbrechen der Währungsunion.

(Foto: dpa)

Großbritannien stimmt nächste Woche nicht nur über den Verbleib in der EU ab. Ein Brexit könnte auch der Anfang vom Ende des Euro sein. Anleger sollten sich mit Sachwerten positionieren.

Der 23. Juni wird nicht nur für die Europäische Union, sondern auch für den Euro zur Nagelprobe. Wenn die Briten mehrheitlich für den Ausstieg aus der EU votieren, kann das schnell Nachahmer finden. Ein Kandidat wäre Österreich, wo gerade die politisch rechtsextreme FPÖ versucht, das Präsidentenamt zu ergattern. Auch verschiedene osteuropäische Länder und nicht zuletzt Griechenland sind Wackelkandidaten.

Zwar gehören Großbritannien oder Ungarn nicht der Europäischen Währungsunion an. Sollte die Europäische Union aber auseinanderbrechen, würde dies fast zwangsläufig auch eine veränderte Zusammensetzung der europäischen Gemeinschaftswährung nach sich ziehen. Wahrscheinlich stünde am Ende das Aus für den Euro. Es wäre gleichzeitig wohl der Beginn neuer Währungen.

Gründe für eine Währungsreform sind in der Regel politische Ursachen und/oder eine extrem hohe Inflationsrate sowie eine stark steigende Staatsverschuldung. Von einer massiven Geldentwertung kann zurzeit kaum die Rede sein – auch wenn die Preise für Vermögen, also für Aktien, Immobilien und zuletzt für Gold, spürbar gestiegen sind. Politische Schwierigkeiten sind dagegen nicht von der Hand zu weisen und die Schulden der Staatshaushalte nehmen in Europa weiter zu. Sie werden garantiert irgendwann wieder zu einem beherrschenden Thema an den Finanzmärkten avancieren.

Déjà-vu

Eine Währungsreform ist beileibe nichts Ungewöhnliches – vor allem die Deutschen verfügen über umfangreiche Erfahrungen damit. Bei der Währungsumstellung von 1871 bis 1873 ging es in erster Linie darum, die Währungseinheiten Taler, Gulden, Kreuzer und Groschen zu vereinheitlichen.

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Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 1990er-Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

Im Jahr 1924 löste dann die Rentenmark die Mark ab. Der Tauschkurs lag bei 1 zu 1 Billion. Diese Maßnahme beendete erst einmal die vorangegangene Hyperinflation. Und der Wechselkurs zum US-Dollar erreichte wieder das Niveau von 1914.

Am 20. Juni 1948 ersetzte schließlich die Deutsche Mark in den drei westlichen Besatzungszonen die Reichsmark. Über Nacht füllten sich die Auslagen in den Geschäften, da die Menschen der neuen Währung wieder einen realen Wert zubilligten. Drei Tage später wurden übrigens die Reichmarkbestände in der Sowjetischen Besatzungszone mit Klebemarken gekennzeichnet. Dadurch sollte ein Inflationsschub durch das Überschwappen von jetzt im Westen "wertlosen" Reichsmark nach Ostdeutschland verhindert werden. Die Einführung der D-Mark in Ostdeutschland folgte erst 42 Jahre später.

Große Unterschiede bei Sachwerten

Bei einer Währungsreform bieten Immobilien, Aktien und Gold den besten Schutz. Wohneigentum lässt sich zurzeit außerdem durch die niedrigen Zinsen historisch günstig finanzieren. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass Betongold bei einer Währungsumstellung mit gewissen Risiken behaftet ist. 1948 wurden die Hypothekendarlehen im Verhältnis 1 zu 1 umgestellt, obwohl es für zehn alte Reichsmark nur eine neue D-Mark gab. Zwar mussten die alten Gläubiger nur mit zehn Prozent bedient werden, das Finanzamt jedoch mit 90 Prozent. Dazu kam der sogenannte Lastenausgleich, also die 50-prozentige Vermögensabgabe auch auf Immobilien, die der Finanzierung der Kriegsschäden diente.

Aktienanleger kamen 1948 besser davon. Zwar verloren die Kurse nominal bei der Währungsreform wie die Währung selbst im Durchschnitt 90 Prozent an Wert. Beispielsweise kostete eine Siemens-Aktie vor der Umstellung auf dem Schwarzmarkt 137 Reichsmark, der erste D-Mark-Kurs notierte bei 12,75. Allerdings war die Kaufkraft der neuen Währung auch um ein Vielfaches höher. Real blieb der Wert von Aktien weitgehend unverändert. Darüber hinaus stiegen die Aktienkurse in den Jahren nach der Währungsreform rasant an. Zuletzt sind Dividendentitel dagegen aufgrund des möglichen Brexit unter Druck geraten und könnten dadurch schon bald eine attraktive Einstiegsgelegenheit bieten.

Einen traditionell großen Schutz und eine hohe Liquidität bietet in finanziellen Krisenzeiten auch Gold. Im 20. Jahrhundert konnten die Deutschen eigentlich immer für zum Beispiel ein Gramm Gold annähernd dieselbe Menge an Lebensmitteln kaufen. Allerdings hat der Staat Gold auch zwischenzeitlich konfisziert oder verboten. Bei Silber gab es solche Eingriffe bislang interessanterweise noch nie. Anleihen und Bargeld sind bei Währungsreformen dagegen immer die großen Verlierer.

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Quelle: n-tv.de

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