Wirtschaft

Markus Zschaber, V.M.Z. China bringt die Welt ins Ungleichgewicht

In Sachen Yuan ist China hartnäckig: Die eigene Währung bleibt ungeachtet der internationalen Kritik festgezurrt. Vermögensberater Markus Zschaber ist jedoch überzeugt, dass sich die USA dieses Problems bald gründlich annehmen wird.

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Markus Zschaber, VMZ Vermögensverwaltung

Die Grundproblematik, welche ich in der Vergangenheit schon mehrfach kritisierte, ist, dass die chinesische Regierung nach wie vor ihre Währung aus Eigeninteresse nicht ausreichend flexibilisiert bzw. das Wechselkursverhältnis zwischen dem chinesischen Yuan und dem US–Dollar künstlich festzurrt. Ich bin der Überzeugung, dass sich die US–Regierung dieser Problematik sukzessive zuwenden wird und bereits ernsthafte Interventionsmöglichkeiten diesbezüglich untersucht. Die betitelte Kompensationspolitik der Chinesen funktioniert seit Jahren folgendermaßen: Die chinesische Investitionspolitik hat bereits in den neunziger Jahren damit begonnen, durch die günstigen ökonomischen Bedingungen, welche dort vorherrschten, ihre Güterproduktion bzw. deren Absatz zu internationalisieren. Einer der wichtigsten Hauptabnehmer waren die Bürger der USA. In der Konsequenz hätte dies eigentlich bedeutetet, dass die US–Importeure, welche die chinesischen Waren einkauften und diese in chinesischen Yuan bezahlten, die Nachfrage nach der chinesischen Währung steigerten. Dies hätte zur Folge haben müssen, dass die chinesische Währung eigentlich deutlich aufwertet. In der Realität allerdings wurde dieser marktwirtschaftliche Mechanismus dadurch verzehrt, dass die chinesische Notenbank im gleichen Zuge US–Dollar in Form von US–Staatsanleihen eingekauft hat. Dadurch wurde eine Aufwertung der heimischen Währung umgangen.

Der politische Hintergrund ist, dass eine Aufwertung des chinesischen Yuan eine direkte Verteuerung der eigenen Exporte mit sich bringen würde und der neu gekürte Exportweltmeister, im internationalen Vergleich, stärkerem Wettbewerbsdruck ausgesetzt wäre. Da die Exportseite aber nach wie vor zu den wichtigen Tragsäulen des chinesischen Wachstumsmodells gehört, wird aus chinesischer Sicht in naher Zukunft nur eine allmähliche Aufwertung der Währung zugelassen werden. Der Interessenskonflikt, der aktuell vorherrscht, ist, dass die USA ihr eigenes Wachstum zukünftig vermehrt ebenfalls auf der Exportseite generieren möchte. US-Präsident Barack Obama kündigte jüngst an, dass er den US–Export in den kommenden Jahren verdoppeln möchte. Um aber die Wettbewerbsfähigkeit der USA weltweit zu verbessern, werden die USA versuchen die Chinesen dazu zu bringen ihre Währung aufzuwerten, was der US-Finanzminister Timothy Geithner in der Vergangenheit bereits andeutete. Nach meiner Auffassung wird die USA in naher Zukunft damit beginnen, Strafzölle für chinesische Waren einzuführen, um die eigenen Interessen voranzutreiben. Als Ökonom kann ich nur an die chinesische Regierung appellieren, dass sie in der Zukunft Wechselkurse flexibilisiert, da sie dadurch auch anderen asiatischen Nationen eine bessere Wettbewerbssituation ermöglicht und diesen nicht sogar teilweise Nachfrage entzieht. Ein weiteres, wie ich glaube durchschlagendes, Argument sollte die inflationistische Problematik sein. Die horrenden Handelsüberschüsse, die China in der Vergangenheit angehäuft hat, könnten durch eine kommende inflationistische Entwicklung in den USA an Wert verlieren, was unter keinen Umständen im Interesse der Chinesen liegen würde.

Diese Handelsüberschüsse waren der Garant für ein stabiles Wachstum in der Vergangenheit. Ein wichtigster Aspekt ist aber, dass China bereits selbst erkannt hat, dass das eigene Wachstumsmodell zu sehr in Abhängigkeit zu der Nachfrage von außerhalb steht. Das starke Wachstum der Vergangenheit hat dazu beigetragen, dass sich der Wohlstand in China ebenfalls deutlich verbessern konnte, so dass einem zyklisierten Binnenkonsum eigentlich nichts mehr im Wege steht. Wenn die chinesischen Hardliner bezüglich der eigenen Währung etwas mehr Flexibilität zulassen würden, könnte daraus vielleicht sogar eine Umverteilung im Sinne der marktwirtschaftlichen Mechanismen resultieren. China würde mehr konsumieren und die USA mehr exportieren, was wiederum die globalen Ungleichgewichte der Güterströme zumindest in die richtige Richtung lenken würde. Interessanterweise kann derzeit, zumindest auf Seiten der Statistik, eine erste Bestätigung in Sachen Konsumwachstum in China erkannt werden. Denn vor zwei Tagen teilte die chinesische Regierung mit, dass im März tatsächlich ein Warenhandelsdefizit fabriziert wurde - und zwar in Höhe von 7,24 Mrd. US-Dollar. Davon gehen allein 1,75 Mrd. US-Dollar auf den Güterhandel mit Deutschland zurück, so dass dies durchaus als Beweis für die Wandelbarkeit des Wachstumsmodells in China angesehen werden kann. Weiter so!

Ihr Markus Zschaber

Markus C. Zschaber ist leitender Fondsmanager der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft (www.zschaber.de) in Köln. Nach seinem BWL-Studium ließ er sich in den USA bei der Chase Manhattan Bank zum Fondsmanager ausbilden und kehrte danach wieder zurück in seine Wahlstadt Köln. Bereits mehrfach ausgezeichnet für sein Portfoliomanagement, zuletzt als "Bester Fondsverwalter 2008"durch den "Handelsblatt-Elite-Report", kennen ihn die n-tv-Zuschauer seit 1997 als Experte unter anderem in der Telebörse, dem Investment-Check, Börse@n-tv oder dem Geldanlagecheck. Zwei seiner Fachbücher konnten Leser bereits in den Bestseller-Listen finden, zuletzt das Buch "Der Börse voraus" als Gemeinschaftsproduktion mit dem Nachrichtensender n-tv.

Quelle: n-tv.de

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