Wirtschaft

Kurswechsel in Peking China lässt Yuan fallen

Nachdem Chinas Notenbank die Landeswährung Yuan zwei Jahre lang gegenüber dem US-Dollar hat aufwerten lassen, ändert sie jetzt ihre Strategie und drückt den Yuan nach unten. Der Richtungswechsel ist Ausdruck der Sorge Pekings über das schwächelnde Wirtschaftswachstum.

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(Foto: REUTERS)

Seit Montag versucht die People's Bank of China, den Wert des Yuan nach unten zu drücken - und das mit Erfolg: Am Mittwoch fiel der Wechselkurs zum US-Dollar auf den tiefsten Stand des Jahres. Insgesamt hat der Yuan gegenüber der US-Währung seit Jahresanfang 1,4 Prozent nachgegeben, nachdem er im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent aufgewertet hatte.

Die Notenbank wollte die Entwicklung nicht kommentieren, und es ist unklar, ob der Trend in den kommenden Tagen und Wochen anhalten wird. Ein ähnlicher Eingriff zur Schwächung des Yuan war bereits Anfang Mai zu beobachten. Diesem folgte aber schnell die Rückkehr zur üblichen Praxis, die Währung stabil zu halten oder eine Aufwertung zum Dollar zuzulassen. Am Donnerstag sah es so aus, als wolle die PBoC den Kursrutsch beschränken. Der Yuan machte im späten Handel einen kleinen Sprung nach oben.

Händler und Analysten gehen davon aus, dass der Politikwechsel der letzten Tage darauf abzielt, Chinas Exporteuren, deren Absatz sich zunehmend verlangsamt, unter die  Arme zu greifen. Peking wolle zudem größeren Entlassungen zuvorkommen, da im weiteren Jahresverlauf ein großer Umbau der Staatsführung bevorsteht, wie es ihn nur einmal im Jahrzehnt gibt. Ein schwächerer Yuan macht chinesische Waren relativ gesehen günstiger und erhöht damit die Absatzchancen auf dem Weltmarkt.

Chinas Premierminister Wen Jiabao hatte vergangene Woche gewarnt, dass das Ziel der Vollbeschäftigung nur "sehr schwer" zu erreichen sei und man "große Anstrengungen" unternehmen müsse, um dieses zu erreichen.

IWF hält den Yuan für unterbewertet

Der psychologische Effekt eines schwächeren Yuan "wird groß sein", sagte Dariusz Kowalczyk, Volkswirt bei Crédit Agricole in Hongkong. "Peking erweckt damit den Eindruck, dass der Fokus ganz klar darauf liegt, Wachstumsrisiken zu minimieren, und dass man jeglichen Druck seitens der USA ignoriert."

Das US-Finanzministerium wollte die Entwicklung nicht kommentieren. Ein Kursrutsch des Yuan ist aber allemal dazu angetan, das Thema in einem Wahljahr in den USA auf der politischen Agenda zu halten. Die Staatssekretärin im Finanzministerium, Lael Brainard, hatte vergangene Woche gesagt, China solle "eine anhaltende Schiefstellung der Wechselkurse verhindern", obwohl sie China gleichzeitig zubilligte, dass das Land gewisse Fortschritte an der Währungsfront gemacht habe.

Der Internationale Währungsfonds hatte am Mittwoch bekräftigt, dass Chinas Währung im Vergleich zu einem Korb aus verschiedenen Leitwährungen aus seiner Sicht "moderat unterbewertet" sei. Zum Grad der Unterbewertung machte der IWF in seinem Jahresbericht zu Chinas Wirtschaft keine konkreteren Angaben. Personen, die dem IWF nahestehen, gehen allerdings davon aus, dass dieser den Yuan um weniger als zehn Prozent unter seinem Wert sieht.

Große Währungsreserven

Pekings Führung schaut allerdings nicht nur auf die US-Währung, sondern auch auf den Euro. Nach den USA ist die EU Chinas zweitwichtigster Auslandsmarkt. Seit Jahresbeginn ist der Yuan gegenüber dem Euro um 5,6 Prozent aufgewertet. In der gleichen Zeit ist der Dollar gegenüber dem Euro um 6,9 Prozent gestiegen. Indem sie den Wert des Yuan gegenüber dem Dollar reduziert, verringert die PBOC auch die Aufwertung des Yuans gegenüber dem Euro.

Zum Euro war der Yuan am Dienstag auf den höchsten Stand des Jahres gestiegen. Die Schuldenkrise in der Eurozone hat die Gemeinschaftswährung in den vergangenen Monaten zu Chinas Währung abwerten lassen. Im Tief wurde der Euro am Dienstagabend mit 7,69 Yuan bezahlt. Seitdem hat der Yuan wieder etwas abgewertet, die Gemeinschaftswährung wechselt mit 7,80 Yuan den Besitzer. Sie wird gestützt von den Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi, der den Euro als unumkehrbar" bezeichnet hat und ankündigte, zur Rettung des Euro alles Erforderliche zu tun.

Mit seinen Währungsreserven von rund 3,24 Billionen Dollar hat die chinesische Regierung genug Munition, um einen weiteren Anstieg des Yuan sicherzustellen. Aber das könnte auch nach Hinten losgehen und vom Markt als Signal für eine Kapitalflucht aus China gewertet werden. "Die Behörden wollen ganz sicher keinerlei Schwäche zeigen", sagte Eswar Prasad, China-Experte bei der US-Denkfabrik Brookings Institution. "Deshalb werden sie nur sehr vorsichtig eingreifen."

Quelle: n-tv.de, jga/DJ

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