Wirtschaft

Wachstum nicht unter sieben Prozent China nennt Schmerzgrenze

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Premier Li Keqiang sagt, wo's weh tut.

(Foto: REUTERS)

Wie weit wird China bei seinen Bremsmanövern für die Wirtschaft gehen? Seit Wochen herrscht Unsicherheit über den Kurs der zweitgrößten Volkswirtschaft. Jetzt verrät Premier Li Keqiang erstmals, wo es aus chinesischer Sicht beginnt, weh zu tun.

China will sein Wirtschaftswachstum nicht unter sieben Prozent fallen lassen - alles darunter würde das Wachstum gefährden. Das meldeten chinesische Staatsmedien, die sich auf Aussagen von Ministerpräsident Li Keqiang beriefen. "Er unterstrich, dass die Untergrenze für wirtschaftliche Entwicklung bei sieben Prozent liege", schrieb die Zeitung "Xinjingbao" (Beijing News). "Der Mindestwert dürfe nicht unterschritten werden." Auch die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua nannte eine geringere Wachstumsrate für die nächsten Jahre "nicht akzeptabel". Sonst könne das erklärte Ziel einer Verdoppelung der Wirtschaftsleistung von 2010 bis 2020 nicht erreicht werden.

Die chinesischen Aktienmärkte reagierten auf die Berichte mit teils starken Kursgewinnen. Die Börse in Shenzhen legte um 3,64 Prozent zu, während der Index in Shanghai um 1,95 Prozent höher schloss. Die berichteten Äußerungen von Li Keqiang beruhigten Investoren, dass kein größerer Konjunktureinbruch in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde zu erwarten ist.

Eine strengere Geldpolitik, ein Rückgang der Exporte und langsameres Wachstum hatten chinesische Anleger ähnlich wie auch internationale Handelspartner beunruhigt. China zählte bislang zu den Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft. Stottert dieser Motor, trifft es auch die deutsche Exportwirtschaft.

Wie wird eine Gesellschaft "gemäßigt wohlhabend"?

"Xinjingbao" beschrieb die Bandbreite, die Li Keqiang vorgegeben habe, um die wirtschaftlichen Ziele wie die Schaffung einer "gemäßigt wohlhabenden Gesellschaft" bis 2020 zu erreichen. Die obere Grenze seien rund 3,5 Prozent Inflation, während die Wirtschaftsentwicklung bei 7,5 Prozent gehalten werden solle, um ausreichend Beschäftigung zu wahren. Deswegen dürfe das Wachstum nicht unter sieben Prozent fallen, wurde Li Keqiang zitiert.

Nach Boom-Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten war das Wachstum im vergangenen Jahr auf 7,8 Prozent zurückgegangen - so wenig wie seit 1999 nicht mehr. Im zweiten Quartal dieses Jahres sackte das Wachstum sogar auf nur noch 7,5 Prozent. Für das ganze Jahr hat die Regierung zwar auch nur 7,5 Prozent vorgegeben, doch waren solche Ziele in der Vergangenheit immer um ein oder zwei Prozent übertroffen worden.

Die seit März amtierende Regierung unter Premierminister Li Keqiang plant einen Umbau der chinesischen Wirtschaft. Statt weiter auf staatliche Investitionsprogramme und Exporte zu setzen, sollen der private Konsum und die Dienstleistungsbranche gestärkt werden.

Quelle: ntv.de, dpa