Wirtschaft

Angst vor erneutem Kursrutsch China verschärft Regeln für Aktienhandel

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In Schanghai und Shenzhen gelten nun strengere Vorschriften für sogenannte Leerverkäufe von Aktien.

(Foto: imago/Xinhua)

Die heftigen Schwankungen und teils dramatischen Verluste der chinesischen Festlandbörsen verleiten die Regulierer zum Eingreifen. Der Handel mit Leerverkäufen wird eingeschränkt. Kritiker fürchten jedoch, dass dies ein Bumerang werden könnte.

Die chinesischen Regulierer setzten ihren Kampf gegen den Absturz des Aktienmarkts fort. In Schanghai und Shenzhen gelten nun strengere Vorschriften für sogenannte Leerverkäufe von Aktien, bei denen Anleger auf fallende Kurse wetten. Bei Leerverkäufen verkaufen Investoren geliehene Aktien in der Hoffnung, diese bis zur Rückgabe der Papiere billiger zurückkaufen und die Differenz als Gewinn einstreichen zu können. Je länger die Ausleihfrist, desto größer ist das Risiko, dass der Plan nicht aufgeht.

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Nach den neuen Regeln dürfen die Papiere nicht mehr an einem Tag geliehen, verkauft und dann zurückgekauft werden. Diese bislang gängige Praxis habe zu der "anormalen Volatilität der Aktienkurse" beigetragen, so die Regulierer. Größere Handelshäuser wie Citic Securities und Huatei Securities kündigten an, ihr Geschäft mit Leerverkäufen vorübergehend einzustellen. Die neuen Regeln dienen aus Sicht der Behörden zur Stabilisierung der Aktienmärkte, die seit Mitte Juni um mehr als 30 Prozent eingebrochen sind.

Anleger zeigten sich ermutigt: Die Kurse an den chinesischen Börsen legten wieder deutlich zu. Andere Marktteilnehmer sagten indes, Leerverkäufe hätten keinen großen Anteil am Marktgeschehen. Der Markt habe sich eher erholt, weil er auf weitere Reformen bei staatlichen Unternehmen setze, sagte Jacky Zhang von BOC International.

Möglichkeit von Absicherungen wird verwehrt

Kritiker verweisen zudem darauf, dass Leerverkäufe vor allem bei Terminkontrakten auf Aktienindizes auch zur Absicherung von anderen Transaktionen dienten. Wenn Investoren diese Möglichkeit verwehrt bleibe, würden sie sich womöglich aus den chinesischen Aktienmärkten zurückziehen und verstärkt Papiere abstoßen. "So könnten sich die Marktschwankungen noch verstärken, die eigentlich verhindert werden sollen", warnte ein Derivate-Händler in Hongkong.

Bereits Anfang Juli hatten die chinesischen Behörden angekündigt, gegen "illegale Machenschaften" auf den Aktien- und Terminmärkten vorzugehen. Unter anderem sollen Leerkäufe geahndet werden, die mit "böswilliger Absicht" getätigt würden.

Die Maßnahme zu den Leerverkäufen kommt zu einem Zeitpunkt, da die Regulierer noch andere Beschränkungen erlassen haben, unter anderem zum automatischen Börsenhandel. So wurden bis Montag 38 Handelskonten an den Börsen in Schanghai und Shenzhen wegen Unregelmäßigkeiten eingefroren, darunter auch eines der US-Hedgefondsgesellschaft Citadel Securities.

Quelle: ntv.de, kst/rts/DJ

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