Wirtschaft

Frankreich öffnet sich gen Osten Chinas Firmen sind willkommen

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Der Eiffelturm wird angestrahlt - China freut's.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Frankreichs Wirtschaft kämpft mit Problemen. Das Haushaltsdefizit steigt, ebenso die Arbeitslosigkeit. Die Regierung wendet sich Hilfe suchend nach Peking und rollt den chinesischen Konzernen den roten Teppich aus, um Investoren aus dem Reich der Mitte anzulocken. Die Unternehmen der Grande Nation sind die Lockmittel.

Die französische Regierung versucht, die Handelsbeziehungen mit China zu stärken und zeigt sich offen für die Übernahme heimischer Firmen durch chinesische Unternehmen. "Wir werden zunächst alle willkommen heißen" und dann prüfen, ob etwas gegen die Übernahme spricht, sagte der französische Finanzminister Pierre Moscovici dem "Wall Street Journal". Zuvor hatte sich die französische Regierung unter dem Präsidenten François Hollande mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang in Peking getroffen.

Ein Grund für den Besuch ist Frankreichs Versuch, Investitionen aus China ins Land zu locken. Die Regierung bemühe sich darum, die Sorgen der Chinesen über die Probleme in der Eurozone zu zerstreuen, sagte Moscovici. "Ihr wichtigstes Anliegen ist die Stabilität. Wenn man investieren möchte, ist das das Entscheidende. Man fragt sich, ob man dort sein Geld verlieren wird." Frankreich versucht, das Handelsdefizit mit China in Höhe von 34 Mrd. Dollar zu reduzieren. "Ministerpräsident Li Keqiang hat gesagt  'Wir wollen keinen Überschuss' und Präsident Hollande hat gesagt  'Das ist gut, weil wir kein Defizit wollen'", erklärte Moscovici.

Frankreichs Sicht auf Investitionen aus China habe sich geändert, sagte der Finanzminister. Doch das Land werde Übernahmeangebote von chinesischen Investoren weiterhin sehr genau prüfen. Frankreichs Versuch, die Handelsbeziehungen mit China zu stärken, kommt zu einem Zeitpunkt, da die heimische wirtschaftliche Lage düster aussieht. Die Arbeitslosenquote ist auf einem Rekordhoch, die Wirtschaft ist nach einer langen Phase der Stagnation Ende vergangenen Jahres geschrumpft und der Ausblick ist nicht gut.

Milliardenauftrag für Airbus

Die Reise nach China war für die Regierung eine Chance, Investoren davon zu überzeugen, dass die schlimmsten finanziellen Turbulenzen überstanden sind und das Land einen Weg sucht, die Finanzen wieder in den Griff zu bekommen, ohne die Wirtschaft zu schwächen. "Wir wollen glaubwürdig sein", sagte Moscovici. Dass Frankreichs Kreditzinsen niedrig sind, schrieb er der Politik seiner Regierung zu. Während des Besuchs orderte China 60 Airbus-Jets für 4 Mrd. Dollar (rund 3 Mrd. Euro).

Der Finanzminister sagte, dass seine Regierung keine steuerlichen Anreize plane, um das Wachstum anzukurbeln, obwohl die französische Wirtschaft nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds in diesem Jahr um 0,1 Prozent schrumpfen wird. "Wir werden automatische Stabilisatoren greifen lassen", sagte er und verwies auf Programme wie die Arbeitslosenunterstützung, die den Konsum stärken sollen, wenn die Wirtschaft schwächelt.

Touristen und das Haushaltsdefizit

Die Regierung rechnet damit, dass das Haushaltsdefizit in diesem Jahr 3,7 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen und im kommenden Jahr auf 2,9 Prozent sinken wird. Das Wachstum wird nach Prognosen 2014 bei 1,4 Prozent liegen. Präsident Hollande hatte sich erst vor kurzem von dem Ziel verabschiedet, das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf unter 3 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Als Gründe dafür nannte er ein schwaches Wachstum und die Krise in der Eurozone. Der langsamere Defizitabbau lässt den Schuldenberg des Landes wachsen - und den haben die Ratingagenturen genau im Blick.

Frankreich hofft darauf, eine wichtige Rolle bei der Internationalisierung der chinesischen Währung Renminbi zu spielen. Immer mehr Länder wickeln Geschäfte in der Währung ab, in Europa liegt Frankreich gleich hinter Großbritannien.

Frankreich setzt auch darauf, dass mehr chinesische Touristen ins Land kommen, die dafür bekannt sind, dass sie viele Luxuswaren kaufen. Außerdem will das Land Produkte aus verschiedenen Branchen nach China exportieren: von Lebensmitteln über Energie bis zu Gesundheitsdienstleistungen. Derzeit arbeiteten eine halbe Millionen Chinesen für französische Firmen, während 9.000 Franzosen für chinesische Unternehmen tätig seien, sagte der Finanzminister.

Quelle: ntv.de, DJ

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