Wirtschaft

Exportbann für Seltene Erden? Chinas Superwaffe zielt auch auf Deutschland

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Die Produktion Seltener Erden ist schmutzig: China hat faktisch ein Monopol auf die unersetzlichen Metalle.

(Foto: REUTERS)

Im Handelskrieg könnte Chinas Rohstoffkeule schon bald die deutsche Wirtschaft treffen: Der angedrohte Lieferstopp für Seltene Erden in die USA hätte auch für Hightech-Firmen hierzulande massive Folgen. Tun können sie dagegen kaum etwas.

Der eskalierende Zollstreit zwischen den USA und China schürt nun auch Versorgungsängste in der deutschen Industrie: Sollte Peking seine Drohung wahrmachen und die Lieferung Seltener Erden in die USA stoppen, hätte das auch für die deutsche Wirtschaft gravierende Folgen: "Ein Ausfall wäre kurz- und mittelfristig nicht zu ersetzen", heißt es in einer Studie des IW Köln. "Die Zuspitzung im Handelsstreit und die Auswirkungen auf die Rohstoffsicherheit zeigen, dass sich auch die deutsche Industrie nicht einfach auf eine sichere Versorgung verlassen kann."

China hat faktisch ein Monopol auf die 17 Metalle, die für die Herstellung von Lasern, Batterien, Magneten, Bildschirmen und vielen anderen Hightech-Produkten unersetzlich sind. Zwar gibt es in vielen Ländern Vorkommen, auch in Deutschland, doch lassen sich die meisten nicht wirtschaftlich ausbeuten. Zudem entstehen radioaktive Abfälle und giftige Abwässer. Dank niedriger Löhne und laxer Umweltstandards hat sich die Produktion seit dem Mauerfall immer mehr ins Reich der Mitte verlagert.

Sollte Peking seine Marktmacht nun wirklich zur Superwaffe im Handelskrieg machen, wären die Konsequenzen "massiv, nicht nur für Tech-Firmen in Amerika", warnte BDI-Präsident Dieter Kempf im "Handelsblatt". Das IW Köln pflichtet ihm bei: Zwar gingen nur knapp acht Prozent der chinesischen Exporte in die USA. "Aber auch alle anderen Unternehmen, deren Produkte diese Stoffe benötigen, müssen mit Verwerfungen rechnen."

Chinas Rohstoffkeule bedroht die ganze Welt

Viele westliche Länder beziehen nur einen Bruchteil ihres Bedarfs direkt aus China. Fast die Hälfte des Exports geht nach Japan, gefolgt von den Niederlanden, Korea und den USA. Deutschland importiert sogar nur 1,7 Prozent der chinesischen Produktion (siehe Grafik). Trotzdem "kommt aber fast die Hälfte der Seltenen Erden und Seltenerdverbindungen, die nach Deutschland eingeführt werden, aus China", schreibt das IW Köln. Deutsche Firmen decken sich mit Zwischenprodukten, fertigen Komponenten, die Seltene Erden enthalten, und Beständen aus anderen Importländern ein.

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In den USA ist die Abhängigkeit von China laut einer Studie, die das US-Handelsministerium am Dienstag veröffentlicht hat, sogar noch höher: Rund 80 Prozent der Importe kommen direkt aus der Volksrepublik. Wenn Peking die Lieferungen nach Übersee kappen sollte und zugleich nicht mehr in andere Länder verschifft, hätte das weltweite Folgen: US-Firmen müssten die Lager anderswo leerfegen. Durch den Exportbann würde so faktisch dem gesamten Weltmarkt fast zehn Prozent des Angebots entzogen. Anders gesagt: Chinas Superwaffe würde im Handelskrieg nicht zielgenau die USA treffen, sondern könnte massiv streuen und weltweit großen Schaden anrichten.

Denn für die Industrie ist die Frage, was die magischen Metalle kosten, entscheidender als wohin Peking sie liefert. Dank Chinas Monopol bietet der Markt laut IW Köln "das Potenzial hoher Preissteigerungen und starker Schwankungen", die Hightech-Firmen empfindlich treffen könnten. 2010 kappte China im Streit um Hoheitsgewässer im Ostchinesischen Meer schon einmal die Exporte Seltener Erden an seinen größten Abnehmer Japan. Daraufhin stiegen die Preise für bestimmte Seltene Erden laut IW Köln in der Spitze auf das 35-Fache. Seitdem sind sie laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut wieder um mehr als 90 Prozent gefallen.

Deutschland "zum Zuschauen verdammt"

Zwar werden Seltene Erden nicht in rauen Mengen gebraucht wie Öl oder Stahl. Selbst extreme Preissteigerungen fallen dadurch weniger ins Gewicht. "Einzelnen Hightech-Firmen würde eine Preisexplosion allerdings schon weh tun", sagt Hubertus Bardt, der die Studie am IW Köln verfasst hat. Vor allem die Autobranche, Handyproduzenten, die optische Industrie, Medizintechnikfirmen und Windanlagenbauer wären betroffen.

Mehr als der Preis sollte der Hightech-Branche das "virulente Ausfallrisiko" bei einem Lieferboykott Sorge bereiten: "Seltene Erden sind Gewürzmetalle: Man braucht zwar nur eine kleine Prise von ihnen, um zu kochen. Aber wenn sie fehlen, bleibt die Küche kalt", sagt Bardt. Ohne die Stoffe werden Liefer- und Produktionsketten unterbrochen, schlimmstenfalls stehen Fabriken still. "Der potenzielle Schaden für die Wirtschaft ist um ein Vielfaches höher als der reine Marktwert der importierten Stoffe." Und die Gefahr schlummert im Verborgenen: "Viele Firmen wissen nicht einmal, dass sie von einem Lieferstopp bei Seltenen Erden betroffen wären."

Wirklich davor schützen, dass China womöglich seine Superwaffe zündet, können sich deutsche Firmen nicht. Größere Lager und verschiedene Lieferanten für Seltene Erden helfen zwar über Durststrecken hinweg. Durch gezielte Forschung lässt sich der Verbrauch Seltener Erden minimieren. Aber Produktionsanlagen gibt es hierzulande nicht - und dürfte es aus Umweltschutzgründen so schnell auch nicht geben. "Da China faktisch alle Hebel in der Hand hält, würde es vielen Firmen schwerfallen, auf einen Exportstopp zu reagieren", sagt Bardt. "In einer akuten Lieferkrise wären sie kurzfristig zum Zuschauen verdammt."

USA wollen sich nicht erpressen lassen

Das haben auch die USA und andere Länder inzwischen begriffen. Auch in Reaktion auf die Lieferblockade gegen Japan vor fast zehn Jahren hat die Bergbaufirma Lynas eine Mine für Seltene Erden in Australien und eine Produktionsanlage in Malaysia eröffnet. Auch in den USA werden in der Mountain-Pass-Mine in Kalifornien inzwischen wieder Seltene Erden geschürft. Zur Veredelung müssen sie allerdings auch nach China verschifft werden, weil es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten keine Produktionsanlage mehr gibt. Zusammen mit dem Chemiekonzern Blue Line will Lynas nun auch in Texas eine neue Verarbeitungsstätte eröffnen.

Die Produktion wieder hochzufahren, dürfte allerdings mehrere Jahre dauern. US-Handelsminister Wilbur Ross hat im globalen Wettlauf der Supermächte deshalb nun "nie dagewesene Maßnahmen" zur Versorgung mit Seltenen Erden angekündigt und im Auftrag von Präsident Trump einen nationalen Aktionsplan für kritische Mineralien aufgestellt. Ein wichtiger Baustein: "Die Kooperation und Zusammenarbeit mit interessierten Partnern ausweiten, besonders Kanada, Australien, der Europäischen Union, Japan und Südkorea" - mit denen Trump ebenfalls Handelskrieg führt wie mit China.

Quelle: n-tv.de

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