Wirtschaft

Debakel in Griechenland Crédit Agricole leidet

Die französische Großbank Crédit Agricole betreibt ihren Rückzug aus dem Griechenland-Geschäft. Der wird allerdings teuer: Um die Problem-Tochter Emporiki loszuwerden, müssen die Franzosen wohl noch mehr Geld als bislang in die Bank pumpen.

AP315271546931.jpg

Den Kauf der Emporiki Bank dürfte die Crédit Agricole bereuen.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Der lang ersehnte Ausstieg aus Griechenland droht für die französische Bank Crédit Agricole zu einem Millionendebakel zu werden. Wie aus verschiedenen, gut unterrichteten Kreisen verlautete, wird Crédit Agricole wohl weitere 600 bis 700 Mio. Euro zahlen müssen, um ihre angeschlagene griechische Bankensparte loszuwerden.

Die Franzosen hatten große Pläne, als sie im Jahr 2006 die griechische Emporiki Bank kauften. Doch dann kam die Schuldenkrise und bescherte Crédit Agricole einen Milliardenverlust, weil die faulen Kredite in den Büchern der Emporiki Bank immer weiter wuchsen und die Finanzlage in Griechenland immer unsicherer wurde. Die große Umschuldung in Höhe von 200 Mrd. Euro Anfang des Jahres kostete die Franzosen weitere Milliardenabschreibungen.

Ausstieg verzweifelt gesucht

Seitdem sucht Crédit Agricole nach einem Ausstieg aus dem Griechen-Geschäft. Drei Angebote von griechischen Banken liegen ihr inzwischen vor: Eurobank Ergasias, National Bank of Greece und Alpha Bank würden die Emporiki Bank zum symbolischen Preis von einem Euro kaufen, berichten mit der Sache vertraute Personen. Alle drei Banken würden von der Übernahme profitieren, weil sie damit wachsen und ihre Glaubwürdigkeit bei Investoren und Sparern steigern könnten. Eine Entscheidung in der Sache soll möglicherweise schon nach dem Aufsichtsratstreffen der Crédit Agricole am Mittwoch fallen. Alle drei Banken stehen wegen der Krise in Griechenland allerdings selbst mit dem Rücken zur Wand und können daher nur eine von Risiken befreite und mit frischem Kapital ausgestattete Bank übernehmen.

Für Crédit Agricole aber dürfte der Verkauf teuer werden. Im Juli hatte die französische Bank die griechische Sparte schon mit 2,3 Mrd. Euro an frischem Kapital ausgestattet. Das reicht nicht, habe jetzt die griechische Zentralbank beschlossen, heißt es aus gut unterrichteten Kreisen.

Emporiki Bank macht die Schuldenkrise in Griechenland immer stärker zu schaffen. Seit fünf Jahren wütet die Rezession in dem Land, und immer mehr Bürger können ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Insgesamt machen die faulen Kredite in Griechenland schon ein Fünftel aller Vermögenswerte im Bankensystem aus. 600 bis 700 Mio. Euro soll Crédit Agricole nun zusätzlich an die Emporiki Bank zahlen, um sie gegen mögliche Verluste aus notleidenden Krediten abzusichern. Nur dann wolle die Zentralbank dem Verkauf zustimmen, sagen die Insider.

Eine Frage der Sicherheiten

"Die Kosten des Ausstiegs von Crédit Agricole werden für die Franzosen ziemlich hoch sein", sagt eine mit den Verhandlungen vertraute Person. "Der Verkauf wird nicht einfach damit getan sein, die Schlüssel zu übergeben." Außerdem müsste sich Crédit Agricole bereit erklären, ihre aktuelle Kreditlinie an die Emporiki Bank noch einmal für drei Jahre aufrechtzuerhalten, damit der Bank genügend liquide Mittel zur Verfügung stünden und sie nicht zur Finanzlast für den griechischen Käufer werde. Momentan sieht diese Kreditlinie ungenutzte Mittel in Höhe von 1,9 Mrd. Euro vor. Sie dürfte aber noch reduziert werden. Im Gegenzug für die verlängerte Kreditlinie wollen alle drei potenziellen Käufer ausländische Vermögenswerte als Sicherheiten bereitstellen.

Die griechische Zentralbank habe gesagt, dass Crédit Agricole insgesamt bis zu 3 Mrd. Euro Kapital an Emporiki zahlen müsse, sagt ein Insider. Weil die Kaufangebote der drei griechischen Banken im Grunde gleich seien, müsste sich Crédit Agricole vor allem die Qualität der Sicherheiten ansehen. Auch die Schnelligkeit, mit der der Kauf abgewickelt werden könne, würde dann wohl entscheiden, wer den Zuschlag bekomme.

Wenn die Verhandlungen in dieser Woche tatsächlich zu einem Ergebnis kämen, würde das einen Schlussstrich unter eine der schwierigsten Phasen in der Geschichte der französischen Bank ziehen. Zwischen 2008 und 2011 machte die griechische Bank insgesamt mehr als 4,4 Mrd. Euro Verlust. Und allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres kamen noch einmal knapp 1,3 Mrd. Euro Verlust hinzu.

Im Branchenvergleich steht die Emporiki Bank mit einigen Kennziffern recht gut da. So liegt ihre so genannte Kernkapitalquote bezogen auf das Gesamtrisiko mit 15 Prozent um einiges höher als bei Konkurrenten und von den Behörden gefordert. "Aber der Käufer und die Aufsichtsbehörden würden nicht ignorieren, dass Emporiki wohl noch eine Weile weiter Verluste machen wird", sagt Benoît Pétrarque, Analyst beim Börsenmakler Kepler Capital Markets.

Angesichts der Geschwindigkeit, mit der Emporiki Verluste schreibt, könnte die Kernkapitalquote (Tier 1) der Bank bis 2014 auf bis zu 4,2 Prozent sinken. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass Crédit Agricole noch vor dem Abschluss des Geschäfts eine weitere Kapitalspritze leisten muss", sagt er.

Auch die französische Bank Société Générale schaut sich genau an, wie die Verhandlungen ihres Konkurrenten ausgehen. Sie will selbst ihre griechische Bankensparte Geniki verkaufen und verhandelt darüber gerade mit der griechischen Piraeus Bank. Auch in diesem Fall könnte sich noch diese Woche eine Einigung ergeben. Geniki ist aber wesentlich kleiner als Emporiki, Griechenlands größte Bank in ausländischer Hand. Geniki hatte Ende Dezember Darlehen im Wert von mehr als 2,6 Mrd. Euro ausgegeben, während Emporiki Ende Juni brutto Kredite von mehr als 22 Mrd. Euro ausstehen hatte.

Quelle: ntv.de, jga/DJ