Wirtschaft

15 Millionen von Arcandor Debatte um Eick-Abfindung

Kurz vor der erwarteten Insolvenzeröffnung für Arcandor ist eine Debatte über die hohe Abfindung für Vorstandschef Karl-Gerhard Eick entbrannt. Bei seinem voraussichtlichen Abgang soll der Manager bis zu 15 Mio. Euro erhalten.

Eick_Karstadt.jpgDer Vorstandsvorsitzende des krisengeschüttelten Handels- und Tourismuskonzerns könnte das Unternehmen bereits in dieser Woche verlassen, wenn voraussichtlich am Dienstag die Insolvenzverfahren für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften eröffnet werden. Die Millionen-Abfindung stößt bei den Betriebsräten von Karstadt und Quelle auf scharfe Kritik.

Eick hatte erst im vergangenen März Thomas Middelhoff als Vorstandschef abgelöst. Für den Fall einer Insolvenz hatte er sich gut abgesichert. Unabhängig davon, ob er seinen Fünf-Jahres-Vertrag erfüllt oder nicht, sollen ihm die Gesellschafter der Privatbank Sal. Oppenheim die Summe von zehn bis 15 Mio. Euro garantiert haben. Oppenheim ist neben Schickedanz Großaktionär von Arcandor. Sorgen um den eventuellen Ausfall von Zahlungen aus der Insolvenzmasse muss Eick sich also nicht machen.

Viele Mitarbeiter bei Karstadt sähen die Vertragsbindung von Eick an die Bank sehr kritisch, sagte der Betriebsratschef von Arcandor, Hellmut Patzelt, dem "Tagesspiegel". "Sie können die Verträge von Herrn Eick und Sal. Oppenheim nicht erklären. Das ist für die Mitarbeiter nicht nachvollziehbar." Der "Bild am Sonntag" sagte er, seine Kollegen hätten harte finanzielle Einschnitte hinter und vielleicht noch vor sich. "Wir befürchten im Kaufhausbereich Lohnkürzungen bis zu zwölf Prozent, die tun jeder Verkäuferin weh."

"Auch für mich sehr viel Geld"

Eick zeigte sich von der Kritik wenig beeindruckt. Der "Bild am Sonntag" sagte, er stelle sich auf eine Diskussion über seine Bezüge ein. "Ich komme aus einfachen Verhältnissen und weiß, dass 15 Mio. Euro sehr viel Geld ist - auch für mich." Zum genauen Zeitpunkt seines Arbeitsendes erklärte er: "Wenn am Dienstag der Insolvenzverwalter vom Gericht bestellt wird, werde ich ihn fragen, ob er mich noch braucht." Um seinen Schreibtisch zu räumen, brauche er 10 Minuten.

Quelle-Betriebsratschef Ernst Sindel kritisierte, dass Eick eine derart hohe Summe bekomme, sei nur schwer verständlich. "Schließlich ist er als Manager gescheitert. Er wollte und sollte KarstadtQuelle retten. Für das Scheitern sollte man grundsätzlich nicht belohnt werden."

Der Konzern war bereits tief in der Krise, als Eick den Chefposten übernahm. Er scheiterte aber mit seinen Versuchen, doch noch einen großen Investor zu finden und setzte auch keine Notkredite durch. Allerdings stellte sich nach dem Insolvenzantrag zunächst für die Arcandor AG sowie die Töchter Karstadt Warenhaus GmbH, die Primondo GmbH und die Quelle GmbH Anfang Juni heraus, dass Eicks Vorgänger Middelhoff bereits alles verkauft und verpfändet hatte, was nicht niet- und nagelfest war. Es gebe nichts mehr, was nicht bereits anderen Leuten gehöre, hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg erklärt.

Karstadt hat eine Chance

Dem "Spiegel" zufolge glaubt der scheidende Arcandor-Chef, dass die angeschlagene Warenhauskette Karstadt auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens als eigenständiges Unternehmen erhalten werden kann. "Man kann Karstadt rentabel betreiben, davon bin ich zutiefst überzeugt", sagte Eick. Dazu sei es aber notwendig, sich von unrentablen Häusern zu trennen und weitere Einsparpotenziale zu heben.

Millionen für ManagerEine Fusion mit Kaufhof hält Eick dagegen für "nicht zwingend notwendig". Auch die Versandhandelsgruppe Primondo, zu der Quelle gehört, habe gute Chancen zu überleben.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa

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04.09.09