Wirtschaft

Neuer Marktplatz für Anleger Deutsche Börse startet "Scale"

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Presserummel an der Börse: Konzernchef Carsten Kengeter präsentiert "Scale".

(Foto: dpa)

Premierenstimmung im Frankfurter Aktienhandel: Die Deutsche Börse eröffnet ein neues Marktsegment, speziell für kleinere und mittlere Unternehmen - und auch für Start-ups. Der Dax soll bald einen kleinen Bruder bekommen.

14 Jahre nach dem Ende des "Neuen Marktes" hat die Deutsche Börse zu Beginn des neuen Monats ein neues Wachstumssegment eröffnet. Das Angebot namens "Scale" richtet sich ausdrücklich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und soll ihnen den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern. Zugleich ersetzt Scale den bisherigen "Entry Standard", in dem sich Unternehmen bislang bei vergleichsweise lockeren Transparenzvorschriften um Geld von Aktienanlegern bewerben konnten.

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Für die Deutsche Börse markiert das Projekt Scale einen großen Schritt nach vorn: Die 43 kleinen und mittelgroßen Firmen, die von Beginn an dabei sind, sollen so künftig besser an Kapital kommen und schneller wachsen, sagte Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter. "Das alles sind wichtige Ansätze, damit in Europa große Unternehmen entstehen können, damit aus guten Ideen Wachstum und Arbeitsplätze werden."

Für Investoren gebe es die Chance, sich am deutschen Mittelstand zu beteiligen, betonte Kengeter. "Dazu werden wir, sobald möglich, einen Index auf Scale auflegen", kündigte der Börsenchef an. "Dieser Index wird ein wichtiger wirtschaftlicher Indikator werden."

Mix aus Aktien und Anleihen

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Zuständig für das Projekt Scale: Hauke Stars, Mitglied des Vorstands der Deutschen Börse AG.

(Foto: imago/Hannelore Förster)

Bei Scale gelistet sind zum Start zahlreiche Finanz- und Finanztechnologiefirmen wie FinLab und MyBucks. Aber auch Industrieunternehmen wie Nanogate und die Diskus Werke sind mit von der Partie. Zudem sind in Scale Anleihen gelistet, etwa vom Fußballverein Schalke 04 und der Karlsberg-Brauerei.

Das neue Handelssegment löst den Entry Standard komplett ab. "Es ist explizit nicht für Start-ups, sondern für kleine und mittlere Unternehmen, die sich schon einige Zeit am Markt behauptet haben", sagte Hauke Stars, die im Vorstand von Deutschlands größtem Börsenbetreiber für das Projekt verantwortlich ist. Im Vorfeld waren Befürchtungen aufgekommen, das neue Börsenprojekt könnte einer Neuauflage des "Neuen Markts" gleichkommen, den viele Anleger noch in unguter Erinnerung haben.

Kein "Neuer Markt"

Alle Firmen müssten Mindestanforderungen erfüllen, etwa beim Umsatz oder der Marktkapitalisierung, betont die Deutsche Börse. Zudem gibt es eine verpflichtende Prüfung durch zwei Analysehäuser. Um Interessenskonflikte zu verhindern, werden diese nicht von den gelisteten Firmen beauftragt, sondern von der Deutschen Börse.

Auf diese Weise will das Unternehmen eine Skandalserie wie am "Neuen Markt" verhindern. Dieser war 1997 inmitten des Technologie-Booms geschaffen worden, um es Startups zu ermöglichen, schneller an Eigenkapital zu kommen. Bis 2000 schossen die Kurse vieler Internet- und IT-Firmen rasant in die Höhe - getrieben von den vielfach überzogenen Erwartungen der Investoren. Nach dem Platzen der "Dotcom-Blase" stürzten die Kurse am Neuen Markt dann jedoch ins Bodenlose. Viele Unternehmen gingen Pleite, mehrere Betrugsfälle landeten vor Gericht. 2003 stellte die Deutsche Börse das Segment ein.

Quelle: ntv.de, mmo/rts