Wirtschaft

Rührende Worte auf Mallorca Deutsche Testurlauber mit Beifall empfangen

Eine voll besetzte Tui-Maschine eröffnet das "Pilotprogramm zur Öffnung sicherer Touristenkorridore" auf den Balearen. Auch im Norden sorgen die nun wieder offenen Grenzen für Andrang. Die eingeschränkte Urlaubssaison kostet die Reiseveranstalter trotzdem fast 20 Milliarden Euro.

Die deutschen "Test-Touristen", die nach dreimonatiger Corona-Pause als erste wieder nach Mallorca reisen durften, sind von Mitarbeitern ihrer Hotels und von Politikern mit Beifall und Begeisterung begrüßt worden. Auch einige Passanten klatschten, als die Urlauber auf der spanischen Ferieninsel aus ihren Bussen stiegen. "Wir sehen heute erstmals das Licht am Ende des Tunnels", sagte die balearische Regionalpräsidentin Francina Armengol vor Journalisten. Man bringe den Tourismus wieder in Gang, der für die Region sehr wichtig sei. Die Branche trägt zu einem Drittel des Regionaleinkommens bei.

Carmen Riu, Chefin der Hotelkette Riu Hotels & Resorts, sagte auf der Pressekonferenz: "Es war noch nie so wichtig für mich wie heute, Sie hier willkommen zu heißen." Und Palmas Bürgermeister José Hila betonte, man empfange die Touristen mit "viel Freude". Tui-Vorstand Sebastian Ebel bedankte sich bei den Mallorquinern in Namen seiner Kunden, "die jetzt wieder fröhlich und unbeschwert Urlaub auf dieser wunderschönen Inseln machen können".

Er sprach von "hohen Gesundheitsstandards". Die Balearen hätten "ein zukunftsweisendes, ein beispielloses Konzept für die Sicherheit von Mitarbeitern, für die Menschen, die hier leben, und für die Gäste erstellt". Damit sei "ein Maßstab im Tourismus gesetzt worden". Bei aller Freude und aller Erleichterung rief Armengol die Touristen aber auch zu einem "verantwortlichen Verhalten" auf. "Das Virus ist noch da", warnte sie, nachdem sie an die 227 Corona-Todesopfer auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera erinnert hatte. Man habe "viel gelitten", sagte die sozialistische Politikerin.

Erstmal dürfen nur Deutsche auf die Inseln

Am Vormittag war zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise wieder eine deutsche Maschine mit Urlaubern auf Mallorca gelandet. Der mit 189 Passagieren voll besetzte Tui-Flug war in Düsseldorf gestartet. Ein weiterer Flieger soll um 15.40 Uhr in Frankfurt am Main abheben. Es handelt sich um die beiden ersten Flüge des "Pilotprogramms zur Öffnung sicherer Touristenkorridore in der Autonomen Gemeinschaft der Balearen", wie der Reiseveranstalter mitteilt. Der Start sei mit den Hotels und Behörden vor Ort abgestimmt.

Seit dieser Woche dürfen zunächst ausschließlich deutsche Urlauber wieder auf die Balearen-Inseln Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera reisen. In einem ersten Kontingent sind insgesamt bis zu 10.900 Test-Reisende erlaubt. Die ersten Termine des Pilotprogramms seien innerhalb von 36 Stunden ausgebucht gewesen, sagt Tui. Insgesamt 400 Urlauber sollen im Tagesverlauf anreisen, in den kommenden Tagen sollen 20 weitere Tui-Flüge folgen.

Deutschland wurde nach Angaben der Regionalregierung ausgewählt, weil von dort die meisten Urlauber nach Spanien kommen und die Pandemie in Deutschland ähnlich gut unter Kontrolle ist wie auf den Balearen. An Bord des Flugzeugs müssen alle Passagiere einen Mundschutz tragen, der Kontakt mit dem Bordpersonal sei auf ein Minimum reduziert, heißt es. Die Kabinenluft werde durch sogenannte Hepa-Filter von Viren und Bakterien gereinigt. Nach dreimonatiger Pause sind laut Tui am 17. Juni auch die ersten Flüge nach Faro in Portugal geplant. Am 1. Juli soll Griechenland folgen.

Stau an dänischer Grenze

Seit Mitternacht sind auch die Grenzen nach Dänemark wieder offen. Nach Angaben der dänischen Polizei müssen Reisende derzeit sieben bis acht Kilometer Stau einplanen. Sie erwartet, dass sich die Wartezeit den Tag über noch verlängern könnte. Die Corona-Regeln sehen vor, dass deutsche Touristen nur dann einreisen dürfen, wenn sie belegen können, dass sie mindestens sechs Nächte bleiben.

Die von der Corona-Pandemie hart getroffene Tourismusbranche schöpft angesichts des Andrangs Hoffnung, dass die Sommersaison zumindest teilweise gerettet werden kann. "Nachdem das Geschäft von Reisebüros und Reiseveranstalter Mitte März mit der weltweiten Reisewarnung aufgrund von Corona komplett zum Erliegen gekommen ist, sehen wir jetzt, dass die Buchungen langsam wieder anziehen", erklärte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), Norbert Fiebig. "Zuwächse sehen wir insbesondere bei den erdgebundenen Reisen innerhalb Deutschlands und nun aber auch wieder in Richtung Mittelmeer. Die Sommerferien können kommen."

Fast 20 Milliarden Euro Verlust

Allerdings kritisiert die Reisewirtschaft, dass bis Ende August weiter eine globale Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für rund 160 Drittstaaten gilt. Der DRV fordert deshalb unterschiedliche Reisehinweise für einzelne Länder. Alleine von Mitte März bis Ende Juni hat die Reisewirtschaft nach Berechnungen des DRV Umsatzeinbußen von 10,8 Milliarden Euro zu verkraften.

"Die Verlängerung der Reisewarnung für außer-europäische Länder, zu denen beliebte Sommerziele wie die Türkei aber auch Tunesien und Ägypten gehören, bedeutet für Juli und August weitere neun Milliarden Euro Verlust", sagte Fiebig. "Wir sprechen damit insgesamt von fast 20 Milliarden Euro, die Reiseveranstalter und Reisebüros bis Ende August verkraften müssen."

Quelle: ntv.de, vpe/chr/rts/AFP/dpa