Wirtschaft

Wirtschaft paradox Deutschland im Gründerboom

Wenn sich neue Unternehmen gründen, sollte die Wirtschaft boomen. Denkt man, in der Regel ist es laut DIHK aber genau umgekehrt. Dennoch: Bei jeder Regel gibt es eine Ausnahme und die beweist Deutschland derzeit.

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Gründerwelle schwappt durch Deutschland.

(Foto: picture alliance / dpa)

Deutschland erlebt einen kleinen Gründerboom: In diesem Jahr machen sich voraussichtlich so viele Menschen selbstständig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Von Januar bis September stieg die Zahl der neu gegründeten Unternehmen um 4,2 Prozent auf 561.000, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Für 2010 prognostizieren die Statistiker ein Plus von rund vier Prozent auf knapp 750.000. Das wäre der höchste Wert seit 2005. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht darin ein ermutigendes Zeichen.

"Normalerweise wagen bei guter Konjunktur und sinkender Arbeitslosigkeit weniger Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit, weil sie das sichere Angestelltendasein bevorzugen", sagte DIHK-Mittelstandsexperte Marc Evers. "Dieses Muster wird zum ersten Mal seit zehn Jahren durchbrochen. Offensichtlich sehen mehr Existenzgründer nach dem Ende der Krise eine Chance, sich in Marktnischen mit eigenen Idee selbstständig zu machen." Der positive Trend müsse sich aber fortsetzen, sonst drohe Deutschland in einigen Jahren nicht nur ein Fachkräfte-, sondern auch ein Unternehmermangel.

IT-Spezialisten mit Chancen

78 Prozent der IHK-Existenzgründungsberater erwarten für die kommenden Monate eine mindestens gleich bleibende oder sogar eine steigende Zahl von Neugründungen. Sie sehen besonders gute Chancen für Computerspezialisten, die einen eigenen Betrieb gründen wollen. "Das hat auch etwas damit zu tun, dass während der Krise viele Unternehmen ihre Kostenstruktur durchleuchtet und IT-Dienstleistungen ausgelagert haben", sagte Evers. Auch bei Gesundheits- und sozialen Diensten sowie in der Klima- und Umwelttechnik gebe es gute Chancen für Existenzgründer.

"Banken schauen genau hin"

Von Januar bis September wurden laut Statistischem Bundesamt rund 238.000 Kleinunternehmen gegründet. Das entspricht einem Zuwachs von 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der im Nebenerwerb gegründeten Betriebe zog um 4,4 Prozent auf knapp 208.000 an.

Dagegen sank die Zahl der neu gegründeten größeren Firmen um 1,9 Prozent auf 144.000. "Das ist auch eine Folge der Finanzkrise, denn die Banken schauen noch genauer auf die Bonität", sagte DIHK-Experte Evers.

Quelle: n-tv.de, rts

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